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Andrea Palladio
Andrea di Pietro della Gondola, genannt Palladio (* 30. November 1508 in Padua; † 19.
August 1580 in Vicenza) war der bedeutendste Architekt der Renaissance in Oberitalien.
Er war der „erste große Berufsarchitekt“, der nur als Architekt tätig war, ohne sich auf
einem anderen Gebiet der Kunst hervorzutun.[
Seine Vorbilder waren die römische Antike und die großen Architekten der italienischen
Renaissance, vor allem Bramante, Michelangelo, Sanmicheli und Sansovino. Die Vorbilder
wurden von ihm jedoch niemals pedantisch imitiert, sondern immer schöpferisch und
eigenwillig für die jeweilige Bauaufgabe fruchtbar gemacht. Sein Ziel war eine Architektur,
bei der unter Beachtung ästhetischer Prinzipien von Proportion und Ausgewogenheit die
Anforderungen an die Baufunktion, an die praktischen und ideellen Bedürfnisse des
Auftraggebers ebenso berücksichtigt werden wie die Bedingungen, die sich aus den
Gegebenheiten des Bauplatzes ergeben. Als Ergebnis wird die einzigartige Harmonie und
Eleganz seiner Bauten hervorgehoben.
Durch seine Bauten und seine theoretischen Schriften gewann er als Begründer des
Palladianismus großen Einfluss auf die dem „Klassizismus“ verpflichtete Architektur in
West- und Nordeuropa, Großbritannien und den USA.
Jugend und Studium
Palladio wurde als Sohn des Müllers Piero, genannt: della Gondola, in Padua geboren.
Durch seinen Taufpaten, den Bildhauer Vincenzo Grandi gefördert, erhielt er eine
Ausbildung als Bildhauer und Steinmetz zunächst in der Werkstatt von Bartholomeo
Cavazza. Nach einem Vertragsbruch floh er nach Vicenza. Dort war er vierzehn Jahre lang
„als Lehrling und Gehilfe bei den Steinbildhauern Giovanni und Girolamo, genannt da
Pedemuro, tätig, die die meisten Denkmäler und dekorativen Skulpturen in Vicenza
schufen“.
Um April 1534 heiratete Palladio Allegradonna, die Tochter eines Tischlers, mit der er fünf
Kinder - eine Tochter und vier Söhne - zeugte.
Im Jahre 1536 lernte er den dreißig Jahre älteren Dichter und Philosophen Gian Giorgio
Trissino kennen, der seine Begabung erkannte und ihn förderte. Trissino verdankt Palladio
auch den Namen, unter dem er berühmt geworden ist und der auf die griechische Göttin
der Weisheit Pallas Athene und den Engel Palladio, den Schutzengel des Generals
Belisars, anspielt. Die Begegnung mit Trissino war für Palladios Laufbahn als Architekt
außerordentlich folgenreich. Trissino ermutigte ihn, Mathematik, Musik und die
lateinischen Klassiker und insbesondere das Werk Vitruvs zu studieren. Er finanzierte ihm
1541 eine erste Reise nach Rom, wo Palladio intensiv die römischen Bauten studierte und

mit Zeichnungen festhielt. Ergebnis dieser und zwei weiterer Reisen sind die beiden
Bücher über antike und christliche Architektur Roms, die Palladio 1554 veröffentlichte.
Vicenza
Um 1540 hatte Palladio begonnen, in Vicenza als Baumeister zu arbeiten. Einige seiner
ersten Villenbauten im Umkreis der Stadt stammen aus dieser Zeit. Den ersten
Wettbewerb als Architekt gewann er 1549 mit seinem Plan zur Umgestaltung des
mittelalterlichen Palazzo della Ragione. Für dieses Rathaus von Vicenza, für das vor ihm
schon Serlio, Sanmicheli und Giulio Romano Pläne eingereicht hatten, erhielt er den
Auftrag. Auch Venedigs führender Baumeister Sansovino war konsultiert worden. Im
selben Jahr wurde er zum leitenden Architekt eines Bauprojekts ernannt, das sich mit
mehreren Unterbrechungen bis in das zweite Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts hinzog. In
der Gliederung der beiden ersten Geschosse der auch als Basilica palladiana
bezeichneten Halle variierte Palladio das von Serlio entwickelte Architekturmotiv der
Serliana. Der architektonische Begriff des „Palladio-Motivs“ leitet sich von diesem
Gebäude ab. Palladio verdoppelt die Säulenstellung der Arkaden, so dass aus dem
Rundbogen ein schmales Tonnengewölbe wird. Zudem öffnet er die Bogenzwickel durch
Rundfenster.
Dadurch wird die geschlossene Wand in die Raumtiefe geöffnet. Die plastische Gliederung
der geöffneten Wand durch vorgestellte Säulen, Säulenpostamente, Friese, Balustraden
und dergleichen ermöglicht das lebhafte Spiel von Licht und Schatten auf dem Baukörper.
Dies ist für alle späteren Bauten Palladios charakteristisch. Die Basilica strahlt die Eleganz
und harmonische Ausgewogenheit aus, die alle seine Bauten auszeichnet.
Die Basilica machte Palladio mit einem Schlag berühmt. Aufträge für Paläste in Vicenza
und für ländliche Villen folgten. Von den Stadtpalästen wurden jedoch die wenigsten
vollständig nach seinen Plänen fertiggestellt. Sie vermitteln heute nur lückenhaft einen
Eindruck des ursprünglichen Konzepts. Am bekanntesten ist der Palast, den er 1551 im
Auftrag des Grafen Girolamo Chiericat begann, der aber erst um 1680 fertig wurde.
In seinen frühen Palastbauten verarbeitete Palladio seine Kenntnis römischer Paläste, wie
Bramantes Palazzo Caprini und auch Erfindungen Giulio Romanos. Bauelemente aus
Rustika des Palazzo Antonini erinnern an Giulios Palazzo del Te in Mantua, wenn auch
weniger deutlich als bei seinem späten manieristischen Bau der Villa Sarego. Bei dem
Entwurf des Palazzo Valmarana wendete er die Kolossalordnung bei der Gliederung der
Fassade eines privaten Palastes an. Diese Lösung fand vor allem im Schlossbau des
Barock Nachahmer.
Sein letzter Auftrag für Vicenza war der Entwurf für das Teatro Olimpico, das erste
freistehende Theatergebäude seit der Antike. Palladio gestaltete die Bühne wie eine

zweistöckige Palastfassade mit zentralem Triumphbogen begleitet von jeweils einem
seitlichen Tor, Fensternischen, die mit lebensgroßen Figuren bestückt sind, und einem
breiten mit Reliefs geschmückten Fries. Der Zuschauerraum hat die Form eines
Amphitheaters. Die Sitzstufen steigen wie in einer antiken Cavea steil an. Abgeschlossen
wird der Zuschauerraum durch eine halbkreisförmige Kolonnade mit korinthischen Säulen,
die eine mit Figuren bestückte Balustrade stützen. Der Theaterbau wurde nach Palladios
Tod im Jahr 1580 zunächst von seinem Sohn Silla ausgeführt und später von Scamozzi
vollendet und 1584 eröffnet.
Venedig
Ab 1550 war Palladio auch in Venedig tätig. Ein Thema, das die Serenissima in dieser Zeit
bewegte, war die bauliche Erneuerung und Verschönerung der Stadt nach dem erfolgreich
abgewehrten Angriff der Liga von Cambrai. Das Klima für einen innovativen und
renommierten Architekten, wie es Palladio war, sollte also günstig sein. Allerdings setzten
sich in den großen repräsentativen Baumaßnahmen der Stadt die „Traditionalisten“ durch,
und Palladio gelang es nicht, seine „revolutionären“ Ideen durchzusetzen. Zwei Beispiele
für fehlgeschlagene Projekte sind die Rialtobrücke und der Dogenpalast.
Palladio hatte in der Stadt die einflussreichen Patrizier Marcantonio und Daniele Barbaro
kennengelernt. Vor allem Daniele, der in dieser Zeit an der Übersetzung und einem
Kommentar von Vitruv arbeitete, wurde Palladios wichtigster venezianischer Förderer und
Mäzen, der ihn wahrscheinlich auch bewogen hat, sich um den Neubau der Rialtobrücke
zu bewerben.
Seit geraumer Zeit stand das Projekt eines Neubaus der baufälligen hölzernen Brücke zur
Debatte. Nachdem verschiedene Vorschläge –  unter anderen hatte auch Michelangelo
einen Entwurf angefertigt  – verworfen worden waren, reichten 1554 auch Sansovino,
Vignola und Palladio Entwürfe bei der Baukommission ein. Palladios Brücke war ein
äußerst anspruchsvolles und repräsentatives Stück Architektur mit korinthischen
Säulengängen, Tempelgiebeln und einem Aufmarsch allegorischer Figuren auf den
Dächern. Nach einer sich hinziehenden Debatte, bei der es vor allem um den Vorzug einer
einbogigen oder einer dreibogigen Lösung ging, kam schließlich der Entwurf Antonio da
Pontes zum Zug, eine elegante und im Vergleich zu den Konkurrenzentwürfen leicht und
grazil wirkende Brücke, die mit einem einzigen flachen Bogen den Kanal überspannt.
Der zweite Fehlschlag bei einem öffentlichen Bauprojekt war sein Konzept eines
vollständigen Neubaus des Dogenpalastes, der in der Feuersbrunst von 1577 beschädigt
worden war. Die „Traditionalisten“ setzten sich durch, und Palladios Plan wurde zugunsten
eines identischen Nachbaus des alten Palastes verworfen.

Erfolgreicher war er mit den zahlreichen Villen auf der Terraferma für verschiedene
Patrizierfamilien, darunter die berühmte Rotonda bei Vicenza und die Malcontenta an der
Brenta.
Palladio hatte neben privaten auch kirchliche Auftraggeber in der Lagunenstadt. In seinen
drei Kirchenfassaden in Venedig projizierte er in verschiedenen Abwandlungen das Motiv
einer klassischen Tempelfront auf eine christliche Kirche. Dabei gelingt es ihm, durch
vielfältige Variationen und Kombinationen dieses Motivs auf der Fassade einen
harmonischen Übergang zur Kuppel zu schaffen.
1559 wurde er vom Patriarchen Venedigs mit der Errichtung einer neuen Fassade von
San Pietro di Castello (Kirche) betraut, Palladios erste praktische Auseinandersetzung mit
dem Sakralbau überhaupt. 1564 erhielt er den Auftrag zum Neubau der Kirche San
Giorgio Maggiore auf der Insel San Giorgio di Castello und schließlich 1576 als Auftrag der
Signoria die Errichtung der Votivkirche Il Redentore auf der Insel Giudecca. Diese beiden
Kirchen, die Palladio auch auf ihre gemeinsame städtebauliche Wirkung in Bezug auf
Dogenpalast und Piazza, das Herz der Republik, konzipierte, tragen bis heute wesentlich
zum Bild Venedigs um den Bacino bei.
Sein letzter kleiner Sakralbau war der Tempietto Barbarano, eine Kapelle für die Familie
seines langjährigen Mäzen Marcantonio Barbaro. Die Kapelle mit einem an das Pantheon
in Rom erinnernden Portikus ist ein überkuppelter Zentralbau, von dem Palladio sagt, er
sei die vollkommenste und hervorragendste Form der Gotteshäuser … da sie schließlich
in allen ihren Teilen gleich weit entfernt vom Mittelpunkt entfernt ist, ist sie am
geeignetsten, die Einheit, das unendliche Wesen, die Gleichförmigkeit und die
Gerechtigkeit Gottes zu bezeugen.
Palladio erlebte die Vollendung dieser Kirche nicht mehr. Er starb am 19. August 1580.
Architekturtheorie
1554 veröffentlichte Palladio mit Antichità di Roma einen Führer der antiken Bauwerke
Roms und 1570 das von ihm selbst illustrierte Werk Quattro libri dellʼarchitettura mit
eigenen Entwürfen und zahlreichen Abbildungen antiker Architektur.
Die Quattro libri machten Palladio neben Leon Battista Alberti zum einflussreichsten
Architekturtheoretiker der frühen Neuzeit. Nach ihrer Übersetzung in die englische
Sprache durch den Architekten Giacomo Leoni 1715 beeinflusste Palladios Werk vor allem
die protestantische und anglikanische Architektur Nordeuropas (Palladianismus). In
diesem Zusammenhang wird auch oft vom (neo-)palladianistischen Stil gesprochen. Als
„Aristoteles der Baukunst“ besticht er im Gegensatz zu Michelangelo weniger durch
kapriziöse Einzelwerke als dadurch, in zahlreichen Bauten eine klassische, klare und
einfach nachzuvollziehende Formensprache gefunden zu haben. Als Wiederbelebung der

Antike erreichte die Renaissance im Klassizismus Palladios ihren Endpunkt. Die einfach
nachzuvollziehende Formensprache hatte auch ihren Einfluss auf die spätere sogenannte
Revolutionsarchitektur. In seinen späten Werken überwand Palladio den strengen
Klassizismus im Sinne des Frühbarocks.
Bedeutung
Der italienische Architekt Andrea Palladio (1508-80) gilt uns heute als Hauptmeister der
italienischen Baukunst des 16. Jahrhunderts. Er wurde am 8. November 1508 als Sohn
eines Müllers in Padua geboren. Sein Vater schließt für den Dreizehnjährigen einen
sechsjährigen Lehrvertrag mit der Werkstatt des Architekten und Steinmetzen Bartolomeo
Cavazza da Sossano in Padua ab. Im April 1523 flieht Palladio aus der Werkstatt
Cavazzas nach Vicenza, wird aber wegen Vertragsbruchs zur Rückkehr gezwungen. Ein
Jahr später kann der junge Steinmetz der Maurer- und Steinmetzzunft in Vicenza
beitreten. Bei seinen mehrmaligen Aufenthalten in Rom studierte er die antiken Bauwerke
und die Schriften Vitruvs. Sein Studium der Antike, wie es so gründlich nicht einmal Alberti
und Michelangelo betrieben, prägte auch seine eigenen Bauten. Wo immer möglich
verwandte er antike Ordnungen und Formen, beim Palastbau mit Vorliebe die große
Ordnung, das heißt die durch zwei Stockwerke durchgehendem Pilaster. Dieser
palladianische Klassizismus steht mit seiner Wohlabgewogenheit und Kühle im Gegensatz
zur Kunst Michelangelos, ist entwicklungsgeschichtlich aber gleich bedeutend und leitet
die klassizistische Richtung des Barock ein. So ist der englische Klassizismus (Inigo
Jones) direkt von Palladio abzuleiten, der holländische, der mit J. van Kampen um 1640
einsetzte, und der französische Klassizismus verschiedentlich von ihm beeinflusst worden
(Perraults Louvrefassade). Palladio baute sehr viel in Vicenza (oft von anderen
umgestaltet und verändert) und bestimmte vor allem mit seinen Palastbauten das dortige
Stadtbild. Seine Hauptkirchenbauten hat er jedoch in Venedig ausgeführt.
Ausbildung
Palladio, mit bürgerlichem Namen Andrea di Piero, wird am 8. November 1508 als Sohn
eines Müllers in Padua geboren. Sein Vater schließt für den Dreizehnjährigen einen
sechsjährigen Lehrvertrag mit der Werkstatt des Architekten und Steinmetzen Bartolomeo
Cavazza da Sossano in Padua ab. Die näheren Umstände seiner Ausbildung sind bis zum
heutigen Tage unklar geblieben. Im April 1523 flieht Andrea aus der Werkstatt Cavazzas
nach Vicenza, wird aber wegen Vertragsbruchs zur Rückkehr gezwungen. Ein Jahr später
kann der junge Steinmetz der Maurer- und Steinmetzzunft in Vicenza beitreten und wird in
die angesehene Werkstatt des Giovanni di Giacomo da Porlezza in Pedemuro
aufgenommen. Nichts deutet zunächst auf eine den handwerklichen Bereich
überschreitende Laufbahn. Der 1530 unternommene Versuch, eine eigene Werkstatt zu
gründen, scheitert offenbar nach kurzer Zeit. 1534 ist Andrea noch als Mitglied der

Werkstatt von Pedemuro nachweisbar. So bleibt einerseits seine bereits erwähnte
Äußerung, er habe sich von seinen ersten Jahren an dem Studium der Baukunst
gewidmet, eine durch die späteren Erfolge verklärte Erinnerung, andererseits dürfte die
lange Tätigkeit als Steinmetz sein Gespür für die qualitätsvolle Aus- und Durchbildung des
Details geschärft haben.
Prägung
Für den 19. Februar 1538 ist die erste Begegnung mit dem in humanistischen Kreisen
hochangesehenen, schriftstellerisch vielfältig tätigen Grafen Giangiorgio Trissino
(1478-1550) in Vicenza überliefert. Über die persönlichen Beziehungen des jungen
Steinmetzen, dem am 26. August 1540 die Berufsbezeichnung Architekt verliehen wird,
und dem Vicentiner Adligen sind wir nicht unterrichtet. Jedenfalls muß Trissino Andrea di
Piero sowohl Zutritt zu den vornehmen Vicentiner Auftraggeberkreisen verschafft als ihm
auch ein umfassendes Studium der zeitgenössischen und der römischen Architektur
ermöglicht haben. Im Sommer 1541 kann er vermutlich mit seinem Gönner eine erste
Reise nach Rom antreten, der ein zweiter, längerer gemeinsamer Aufenthalt vom
Spätherbst 1545 bis in die ersten Monate des Jahres 1546 folgt. Trissino ist es auch, der
dem Architekten 1545 den Namen »Palladio« nach Pallas Athene, der Schutzgöttin der
Künste, überträgt. Während eines weiteren Romaufenthaltes in den Jahren 1546-47
widmet PaIIadio sich auch Studien in Tivoli, Palestrina und Albano. Die Hoffnung, 1549
eine Anstellung in der Bauhütte von St. Peter in Rom zu finden, scheitert an dem Tode
Papst Pauls III. Als Frucht seiner Romreisen legt Palladio 1554 das Werk »L'Antichitä di
Roma« vor.
Erste Erfolge
In den vierziger Jahren beginnt auch Palladios nachweisbare Tätigkeit als Architekt. Auf
eine Reihe von Villen im vicentinischen Bereich und den repräsentativen Auftrag zum
Palazzo Thiene in Vicenza folgt am 11. April 1549 mit der Ernennung zum
Hauptarchitekten an der sogenannten Basilica, den Loggien für den Palazzo della
Ragione in Vicenza, der erste Höhepunkt seiner Laufbahn: Palladio darf von nun an neben
den älteren Jacopo Sansovino (1486-1570) und Michele Sanmichel (1484-1559) als der
bedeutendste Baumeister Oberitaliens gelten, wird allerdings jene in seiner
entwicklungsgeschichtlichen Bedeutung bald überflügeln. Palladios Ruhm breitet sich aus.
Rund um 1550 beginnt die Freundschaft mit dem venezianischen Patrizier Daniele
Barbaro, der ihm Zutritt zu den aristokratischen Kreisen Venedigs verschafft. Eine Reise
nach Trient im Jahre 1552 wird auf Einladung des dortigen Fürstbischofs Kardinal
Christoforo Madruzzi, auf dessen Initiative hin 1545 das Unionskonzil in Trient begonnen
hatte, durch einen Aufenthalt in Innsbruck erweitert.

Alles andere als ein Frühgereifter, erreicht Palladio zu Beginn seines fünften
Lebensjahrzehnts die Höhe seiner inneren und äußeren Laufbahn. Handwerklich gründlich
geschult, architekturgeschichtlich umfassend gebildet, humanistisch vielseitig interessiert,
kann er seine Phantasie in alle Richtungen entfalten. Es folgen in den fünfziger Jahren vor
allem repräsentative Villen für die Vicentiner, aber auch für die venezianische Aristokratie.
Die Villen des Veneto sind weithin, allerdings in grober Verallgemeinerung der Tatsachen,
eine Art von Synonym für Palladios Werk geworden. Neben Palladio und in seiner
Nachfolge sind zahlreiche andere Architekten in diesem Bereich tätig gewesen.
Venedig
Vor allem aber bedeutet die Villenarchitektur nur neuen Schwerpunkt in Palladios
Schaffen. Seit den sechziger Jahren des 16. Jahrhunderts kommen repräsentative Paläste
und Palastfassaden vor allem in Vicenza hinzu, und gleichzeitig bietet Venedig, dessen
»malerischer« Grundhaltung in der Gestaltung der Palastfassaden Palladios »klassischer
Stil« fremd bleiben musste, repräsentative Aufgaben im Bereich der kirchlichen
Architektur: Nachdem 1560-61 der Kreuzgang von Santa Maria della Carità, 1560-62 das
Refektorium des Klosters San Giorgio Maggiore und nach 1562 der Entwurf zur Fassade
von San Francesco della Vigna entstanden waren, folgt 1565 die Grundsteinlegung zur
Kirche San Giorgio Maggiore, 1576 der Baubeginn der Wallfahrtskirche Il Redentore -
Werke, deren entwicklungsgeschichtliche Bedeutung dem der Bauten aus dem profanen
Bereich durchaus das Gegengewicht hält. Palladios Ansehen bei seinen Zeitgenossen
nimmt ständig zu. 1556 hatte er zu den Gründungsmitgliedern der »Olympischen
Akademie« in Vicenza gehört. 1566 reist er als Gast des Herzogs Emanuele Filiberto von
Savoyen nach Turin und besucht von dort aus die Provence. Im gleichen Jahr ernennt ihn
die Accademia del Disegno in Florenz zu ihrem Mitglied. 1568 muss er wegen
Arbeitsüberlastung eine Einladung an den kaiserlichen Hof in Wien ausschlagen. 1570 tritt
er als beratender Architekt die Nachfolge Sansovinos in Venedig an.
Der Reichtum künstlerischer Lösungen und Ausdrucksmöglichkeiten entfaltet sich in den
letzten beiden Jahrzehnten seines Schaffens immer mehr. Palladio paraphrasiert nicht
eine in den verschiedensten Aufgabenbereichen erworbene Meisterschaft, sondern stößt
von Hauptwerk zu Hauptwerk in neue Bereiche künstlerischer Gestaltung vor. Dabei
berücksichtigt er stets die durch die geographische oder städtebauliche Situation
gegebenen Vorbedingungen, insbesondere im Hinblick auf die Sichtbarkeit eines Werkes
und dessen Funktion. Sein Ansehen verschaffte ihm offenbar ungewöhnliche Freiheiten
gegenüber den Auftraggebern.

Die letzten Jahre
In seinem letzten Lebensjahr gehen für Palladio zwei Wünsche in Erfüllung, die ihn in
Gedanken und Entwürfen seit langer Zeit beschäftigt hatten: Die Olympische Gesellschaft
in Vicenza überträgt ihm die Planung eines Theaterbaues, des »Teatro Olimpico«, und
sein alter venezianischer Freund und Gönner, Marcanton Barbaro, beauftragt ihn mit der
Errichtung einer Familienkapelle in Form eines Zentralbaues bei der Villa Barbaro in
Maser. Über diesen Arbeiten ist Palladio am 19. August 1580 gestorben - entweder in
Vicenza oder in Maser während der Beaufsichtigung der Arbeiten am dortigen Tempietto.
Über Palladios Persönlichkeit wissen wir wenig - erstaunlich wenig für ein Zeitalter, in dem
Künstlerviten und Künstleranekdoten immer zahlreicher aufgezeichnet werden. Nicht
einmal ein authentisches Bildnis ist überliefert. Über sein Familienleben informieren
nüchterne Dokumente: Am 14. April 1534 wird die Mitgift seiner Ehefrau Allegradonna,
Tochter eines Zimmermannes, geschätzt. Aus der Ehe gehen vier Söhne - Leonida,
Marcantonio, Orazio und Silla - sowie eine Tochter, Zenobia, hervor. Die kurz
aufeinanderfolgenden Todesfälle der Söhne Leonida und Orazio zu Beginn des Jahres
1572 haben den Vater offenbar tief getroffen.
Im Umgang mit Auftraggebern wie Arbeitern muss Palladio freundlich, aufmerksam und
gewandt gewesen sein. Die Gründlichkeit seiner eigenen Ausbildung in der Werkstatt von
Pedemuro hat er nach Berichten von Zeitgenossen an seine Werkstattmitglieder
weitergegeben und es zugleich vermocht, jedem Freude an der ihm übertragenen Aufgabe
zu vermitteln.
Jeder Versuch, aus Charakter und Biographie einen Schlüssel zu Palladios Werken zu
finden, muss scheitern, wie umgekehrt seine Werke auch den geringsten Hinweis auf
seine Persönlichkeit verweigern. Palladio ist damit von vornherein der Gefahr von
Fehlinterpretationen aus der wechselseitigen »Deutung« von künstlerischem Phänomen
und persönlichem Temperament entgangen, die für andere herausragende Künstler des
16. Jahrhunderts so vielfältige Irrwege eröffnet hat. Der Mensch Palladio scheint
rückblickend in ähnlicher Weise objektiviert wie jedes seiner Werke.
La Rotonda
La Rotonda ist eine Villa bei Vicenza, Nord-Italien. Der eigentliche Name ist Villa Capra
oder Villa Almerico, aber bekannt ist sie unter dem Namen La Rotonda oder Villa Rotonda.
Entworfen von dem italienischen Renaissance-Architekten Andrea Palladio. Die Villa

wurde etwa 1567–1571 geplant und erbaut. Bauherr war Paolo Almerico, ein hoher
Beamter des päpstlichen Hofstaates.
Lage und Umgebung
Die Villa liegt auf einer Anhöhe am Stadtrand von Vicenza. Von hier aus hat man in alle
vier Richtungen einen wunderbaren Blick über die venetische Landschaft.
„Die Lage gehört zu den anmutigsten und erfreulichsten, die man finden kann. Das Haus
liegt auf einem leicht zu besteigenden Hügel, der auf der einen Seite vom Bacchiglione,
einem schiffbaren Fluß, begrenzt wird, und auf der anderen Seite von weiteren lieblichen
Hügeln umgeben ist, die wie ein großes Theater wirken [...]“
– Andrea Palladio: Die vier Bücher zur Architektur
Funktion
In der Renaissance entdeckte man die Schönheit der Landschaft wieder und das
„einfache Leben“ auf dem Land als Ergänzung zum Stadtleben. Die Villa war nicht als
landwirtschaftliches Nutzgebäude oder reines Wohngebäude gedacht. Sie war ein Ort der
Zerstreuung, der Erholung und der Erbauung, besonders in den Sommermonaten. Die
Wirtschaftsräume (Weinkeller, Küche, etc.) befanden sich alle im Untergeschoss, der
Piano nobile blieb frei für die Nutzung als „Freizeithaus“. Man kann davon ausgehen, dass
hier Feste und kulturelle Veranstaltungen aller Art abgehalten wurden. Viel wichtiger als
der praktische Nutzen des Hauses war aber wohl die Schaffung eines idealen Gebäudes,
dessen Ästhetik den antiken Vorbildern gleichzukommen suchte.
Architektur
Palladio hatte sich eingehend mit der antiken römischen Architektur beschäftigt. Seine
Skizzen des Romulus- und Vestatempels, aber auch das Pantheon waren sicherlich starke
Leitbilder bei seinem Entwurf. Die Rotunde mit aufgesetzter Kuppel als Zentralraum weist
auf die Orientierung an römischen Rundtempeln hin. Der Grundriss baut auf den
Grundformen Quadrat und Kreis auf und hat die Form eines Griechischen Kreuzes. Vor
den Gebäudekubus ist auf allen vier Seiten die gleiche, offene Fassade gestellt: ein
klassischer Portikus aus sechs ionischen Säulen, von einem Dreiecksgiebel gekrönt.
Breite Freitreppen führen vom Park hinauf in den Piano Nobile. Von dort aus gelangt man
in die Sala centrale, den zentralen Kuppelsaal.
Die Villa gliedert sich in drei Geschosse: das Untergeschoss mit den Wirtschaftsräumen,
der Piano nobile mit den repräsentativen Räumen und darüber ein Halbgeschoss, in dem
die alltäglichen Wohnräume lagen.
„Da man von jeder Seite wunderschöne Ausblicke genießt, worunter einige die nahe
Umgebung erfassen, andere wiederum weiter reichen und wieder andere erst am Horizont
enden, so hat man an allen vier Seiten Loggien errichtet, unter denen, wie auch unter dem

Hauptsaal, die Räume für den Gebrauch und die Bequemlichkeit des Gesindes liegen. Der
Hauptsaal liegt in der Mitte, ist rund und erhält sein Licht von oben. Die Kammern sind
Halbgeschosse. Über den großen Räumen, deren Gewölbe so hoch wie nach der ersten
Art der Einwölbungen sind und die um den Hauptsaal herumliegen, findet sich ein
Umgang von fünfzehneinhalb Fuß Breite. An den äußeren Enden der Postamente, die die
Treppen der Loggien stützen, sind Marmorstatuen von der Hand des Bildhauers Lorenzo
Vicento aufgestellt.“
– Andrea Palladio: Die vier Bücher zur Architektur
Palladio hat etwa 60 Villen im weiten Umkreis von Vicenca gebaut, von denen die
sogenannte "La Rotonda", wie sie heute genannt wird, die berühmteste ist. Der Bauherr
war Paolo Almerico, dessen Familie in diesem Gebiet größere Besitzungen hatte. Nach
dessen Tod wurde die Villa 1591 an Odorico Capra verkauft. Palladio begann 1566 mit
den Entwürfen und hat den Bau bis 1569 im wesentlichen fertiggestellt. Nach seinem Tod
vollendete V. Scamozzi (1552-1616) diesen und auch andere Bauten Palladios (z.B.
"Teatro Olimpico").
In seinen "Quattro libri" geht Palladio auf diese Villa näher ein: "Zu den zahlreichen
ehrenwerten vicentinischen Edelleuten zählt auch Monsignor Paolo Almerico, ein Kleriker,
der als Referendario zwei Päpsten, nämlich Pius IV. und V. gedient hatte und der für seine
wertvollen Verdienste mitsamt seiner Familie zum römischen Bürger ernannt wurde.
Dieser Mann, der nach Ruhm strebend, viele Jahre hindurch gereist war, kam, nachdem
schließlich seine ganze Familie gestorben war, in seine Heimatstadt zurück. Er zog zu
seiner Erholung auf einen Hügel aus seinem Besitz in der Vorstadt, der vom Zentrum
weniger als vier Meilen entfernt war und auf dem er, nach dem hier folgenden Entwurf, ein
Gebäude errichten ließ. Dessen Zeichnung erschien mir wegen der Nähe zur Stadt nicht
geeignet, sie unter die Villen zu reihen, könnte man doch sogar sagen, sie läge in der
Stadt selbst. Die Lage gehört zu den anmutigsten und erfreulichsten, die man finden kann.
Das Haus liegt auf einem leicht zu besteigenden Hügel, der auf der einen Seite vom
Bacchiglione, einem schiffbaren Fluss, begrenzt wird und auf der anderen Seite von
weiteren lieblichen Hügeln umgeben ist, die wie ein großes Theater wirken und alle
bestellt werden, reichlich Früchte sowie ausgezeichnete und gute Weinreben tragen. Da
man von jeder Seite wunderschöne Ausblicke genießt, worunter einige die nahe
Umgebung erfassen, andere wiederum weiter reichen und wieder andere erst am Horizont
enden, so hat man an allen vier Seiten Loggien errichtet, unter denen, wie auch unter dem
Hauptsaal, die Räume für den Gebrauch und die Bequemlichkeit des Gesindes liegen. Der
Hauptsaal liegt in der Mitte, ist rund und erhält sein Licht von oben. Die Kammern sind

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