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Der Mann, das schwache Geschlecht?

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Widerlegung feministischer Thesen
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Der Mann, das schwache Geschlecht?

Der Krieg der Geschlechter wird nicht nur auf den Schlachtfeldern Schule, Beruf, Partnerschaft, Gesundheitswe-
sen, Politik, Justiz etc. gefuhrt. Dass Frauen den Mannern uberlegen sind, versuchen Feministinnen seit jeher auch
an den biologisch-genetischen Gegebenheiten von Mann und Frau festzumachen.

Im Folgenden mochten wir einige besonders populare Belege" fur die naturliche Hoherwertigkeit des weiblichen
Menschen im Vergleich zum mannlichen auf ihren Wahrheitsgehalt hin uberprufen.

Frauen sind kluger, weil sie besser vernetzt denken konnen?"

Das Corpus Callosum ist der Balken, der rechte und linke Grohirnhalfte miteinander verbindet. Teile davon sollen
bei Frauen groer sein als bei Mannern, und das soll dafur verantwortlich sein, dass Frauen haufiger als Manner
beide Hirnhalften gemeinsam nutzen. Das mache sie einfuhlsamer; sie denkten zudem vernetzter, Manner dage-
gen eher linear, schreibt Chris Evatt in Manner sind vom Mars, Frauen von der Venus".

Wissenschaftlich sind solche Behauptungen, wie sie Evatt aufstellt, offensichtlich keineswegs haltbar: Das mannli-
che Gehirn ist durchschnittlich funfzehn Prozent groer als das weibliche. Das Corpus Callosum, die axonale
Hauptverbindung zwischen linker und rechter Hemisphare des cerebralen Cortex, auch Hirnbalken genannt, ist bei
Frauen und Mannern ungefahr gleichgro, bei Frauen in Relation zum Gesamtgehirn gesehen somit groer als bei
Mannern. Der Groenvergleich allein bildet jedoch keine ausreichende Grundlage, Naheres uber geistige Aktivita-
ten und Verhaltensunterschiede auszusagen. Die Groe des Gehirns steht beispielsweise nachweisbar nicht in
Relation mit der Intelligenz.
Heute gehen Forscher allerdings davon aus, da es strukturelle Unterschiede zwischen mannlichem und weibli-
chem Gehirn gibt, die uber Groenverhaltnisse hinausgehen. Manche vertreten die Ansicht, die Geschlechter wur-
den demzufolge zur Losung ausgewahlter gleicher Probleme verschiedene Hirnbereiche einsetzen.
Dies wurde eine wichtige Rolle spielen, wenn wir davon ausgehen, dass beide Gehirnhalften grotenteils auf je-
weils unterschiedliche Funktionen spezialisiert sind. Unterschiede sich namlich das Corpus Callosum, das die Ge-
hirnhalften miteinander verbindet, bei Frauen und Manner(n), konnte das Unterschiede bei Sprachvermogen
und/oder raumlichem Vorstellungsvermogen erklaren. Wobei auch hier Groe beziehungsweise eine eventuell
unterschiedliche Dicke des Spleniums (Verdickung am hinteren Ende des corpus callosum, d. Verf.) nicht unbe-
dingt mit unterschiedlicher Gehirnaktivitat gleichgesetzt werden konnen. Die Gehirnforschung steckt in verschiede-
nem noch in den Kinderschuhen. Viele Untersuchungsergebnisse haben sich im Nachhinein als nicht belegbar
oder falsch erwiesen.
"

In seinem Buch Sind Frauen bessere Menschen?" schreibt Arne Hoffmann (S.39): Alles in allem scheint die The-
orie vom Corpus Callosum ein genauso peinlicher Reinfall zu werden wie samtliche Erkenntnisse" uber Gehirn-
groe und Gehirnleistung zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Und tatsachlich war sie auch zu dieser Zeit schon
im Schwange. Nur wurde damals eine ganzlich andere Reihenfolge festgelegt: Weie Manner hatten den groten
Hirnbalken, es folgten weie Frauen, dann schwarze Manner, zuletzt schwarze Frauen. Auf dieser Grundlage, so
wurde argumentiert, seien bestimmte Berufe von Frauen schlichtweg nicht auszufullen. Nun hat diese Periode
immerhin die Entschuldigung, dass man damals wirklich davon ausging, anhand von bestimmten Besonderheiten
des menschlichen Schadels Ruckschlusse uber Intelligenz oder Charakter seines Besitzers ziehen zu konnen. Es
ist erschreckend, dass eine solche Theorie im feministischen Gewande heute wieder frohliche Urstande feiert,
obwohl sie in den Mulleimer fur unwissenschaftliche Abfallprodukte wandern kann, wo sie auch hingehort.
"

Frauen konnen mehrere Dinge gleichzeitig, Manner nicht?"

Die angeblich besser miteinander vernetzten weiblichen Gehirnhalften sollen auch dafur verantwortlich sein, dass
Frauen mehrere Dinge gleichzeitig tun konnen, Manner hingegen angeblich nicht.

Im Tagesspiegel vom 14. Marz 2005 (Venus gegen Mars") widmet sich Bas Karst den Unterschieden im mannli-
chen und weiblichen Gehirn und kommt zu dem Ergebnis, dass beide ihre Vor- und Nachteile aufweisen: Wahrend
im Kopf der Frau so gut wie alles mit allem vernetzt ist, herrscht in seinem Oberstubchen strikte Arbeitsteilung. So
verma der Neurowissenschaftler Richard Haier von der Universitat von Kalifornien in Irvine weibliche und mannli-
che Gehirne. Richard Haier stellte fest: Wenn Manner ihre Intelligenz einsetzen, nutzen sie vor allem ihre graue
Masse. Frauen dagegen setzen dabei mehr auf weie Masse. Die graue Substanz bildet die Zellkorper, die weie
die Verbindungsdrahte zwischen den Zellen. Mit anderen Worten: Mars-Hirne sind fokussierter, Venus-Hirne ver-
netzter - mit Folgen fur die Praxis.
Sobald sie mehr als zwei Aufgaben zur gleichen Zeit zu erledigen haben, sind Manner schnell uberfordert, einer-
seits. Auf der anderen Seite entfaltet die hochgradige Konzentration auch ihr Plus. Mehr Hirn bedeutet namlich
nicht automatisch mehr Leistung. Im Gegenteil, wie der US-Psychologe Michael O'Boyle nachgewiesen hat: Jungs
mit der hochsten Mathebegabung schalten ihre linke Hirnhalfte schlicht ab. Sie benutzen zwar weniger Hirn, dieses
aber sehr effektiv.


Bei raumlichen Aufgaben schneiden Manner deshalb besser ab als Frauen. Die strikte Trennung zwischen Spra-
che (linke Hirnhalfte) und raumlicher Vorstellungskraft (rechte Hirnhalfte) scheint da von Vorteil zu sein (...)
Die menschliche Entwicklungsgeschichte hat offenbar zwei verschiedene Hirntypen hervorgebracht', sagt der Neu-
roforscher Haier. Konfrontiert man diese beiden Hirngattungen mit einem IQ-Test, kommen sie unterm Strich zwar
auf dasselbe Ergebnis. Sie zeigen aber unterschiedliche Starken und Schwachen und setzen auf unterschiedliche
Strategien.
"

So ganz sicher scheinen sich die Wissenschaftler aber auch hier nicht zu sein. Wahrend Michael O'Boyle heraus-
gefunden haben will, dass mathematikbegabte Jungen ihre linke Hirnhalfte abschalten, fand ein amerikanisch-
australisches Psychologenteam heraus, dass bei mathematisch Begabten die beiden Gehirnhalften besser zu-
sammenarbeiten als bei Menschen mit normalem mathematischen Verstandnis (Quelle: Morgenwelt" vom 18. April
2004). Die Frage, warum Jungen dennoch bessere mathematische Leistungen erbringen als Madchen, beantwor-
ten die einen mit der hoheren Ausschuttung von Testosteron bei mannlichen Schulern, die anderen glauben weni-
ger an unterschiedlich gebaute Gehirne als vielmehr an den Einfluss unterschiedlicher Forderung mathematischer
bzw. kommunikativer Fertigkeiten je nach Geschlecht.

Alle popularen Theorien, wonach das Gehirn bei Frauen und Mannern unterschiedlich strukturiert sei und die bei-
den Geschlechter demnach vollig unterschiedlich dachten und handelten, bekommen noch einen weiteren Damp-
fer: Die Unterschiede zwischen zwei Vertretern ein und desselben Geschlechts sind oft viel groer als die Unter-
schiede zwischen einem beliebigen Mann und einer beliebigen Frau. Dies gilt im Ubrigen nicht nur fur das Gehirn,
sondern auch fur andere biologische Gegebenheiten.

Intelligenz ist weiblich"

Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden: Klugheit ist ein rein weiblicher Erbfaktor. Deshalb neigen Manner
eher zu Geisteskrankheiten als Frauen und sind ofter sehr dumm
", schreibt Sabine Werz in der Rheinischen Post"
vom 28. Oktober 2002. Von den etwa 40.000 menschlichen Genen sind 24.000 fur die geistige Entwicklung zu-
standig. Eine besonders hohe Dichte davon findet sich auf dem weiblichen Geschlechts-Chromosom X. Auf dem
Y-Chromosom, das den kleinen Unterschied und Menschen zu Mannern macht, fanden die Wissenschaftler hinge-
gen kein einziges Intelligenz-Gen.
"

Abgesehen davon, dass Intelligenz nicht nur von genetischen, sondern auch stark von sozialen Faktoren abhangt:
Irgendeine tiefere Bedeutung fur unser tagliches Leben hat die oben wiedergegebene Erkenntnis nicht. Auch Man-
ner haben bekanntlich ein X-Chromosom. Hinzu kommt: Die Tatsache, dass das Merkmal Intelligenz" uber das X-
Chromosom weitergegeben wird, bedeutet nicht automatisch eine besondere Klugheit der Nachkommen, denn das
Merkmal Intelligenz" kann genauso gut in sehr schwacher Auspragung vorliegen, und wenn sich diese schwache
Auspragung durchsetzt, dann vererbt das X-Chromsom nicht Klugheit, sondern Dummheit.

Die Tatsache, dass sich der Erbfaktor Intelligenz auf dem X-Chromosom befindet (welches insgesamt etwa 1000
Gene hat gegenuber ca. 100 auf dem Y-Chromosom), bedeutet nicht, dass Frauen intelligenter als Manner sind -
auch wenn sie gleich zwei X-Chromosomen haben. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 15. Marz 2004
meldete, sind die meisten Hochbegabten Manner. Auf eine Frau mit dem IQ von 145 kommen mehr als 120 Man-
ner. Umgekehrt kommen auf eine Frau mit einem IQ von 55 ca. 17 Manner. Der durchschnittliche Intelligenzquo-
tient betragt bei Mannern etwa 104, bei Frauen 100. Diese Unterschiede sind jedoch wahrscheinlich zu gering, um
daraus Ruckschlusse auf die Intelligenz einzelner Personen ziehen zu konnen.

Das weibliche Geschlecht ist der Normalfall, der Mann nur eine Spielart der Frau"

In seinem Buch Das bevorzugte Geschlecht" schreibt Martin van Creveld (S. 62 f.): Wenn man berucksichtigt,
dass der Bauplan jedes Fotus entweder weiblich oder geschlechtlich undifferenziert ist, dann hat die Bibel unrecht
und die Manner sind sozusagen auf einem weiblichen Fahrgestell aufgebaut. Die Entstehung eines mannlichen
Organismus erfordert ein auerordentliches Ereignis, das Auftauchen eines Y-Chromosoms von irgendwoher, das
den Prozess anlaufen lasst. Sollte das nicht passieren, dann wird sich die Zygote auf dem Weg des geringsten
Widerstands zu einem weiblichen Organismus entwickeln. Das weibliche ist also das erste Geschlecht; er existiert,
um ihr zu dienen, nicht andersherum. ... Mannlich zu werden ist so schwierig, dass bei allen Arten, uber die Er-
kenntnisse vorliegen, nach der Geschlechtsfestlegung des Fotus mehr mannliche als weibliche Foten absterben. ...
Biologisch schlagt der weibliche Organismus bei seiner Entwicklung den Weg des geringsten Widerstandes ein.
"

Es ist Ansichtssache, ob man aus der Tatsache, dass die Natur einen Embryo im Zweifelsfalle weiblich werden
lasst, auf den hoheren Wert weiblichen Lebens schliet. Da die Entstehung eines mannlichen Organismus ein
auerordentliches Ereignis erfordert und die Herausbildung mannlichen Lebens offensichtlich eine besondere,
schwierige Herausforderung fur den Organismus darstellt, konnte man diese umgekehrt auch als besonders an-
spruchsvolle und hochwertige Leistung ansehen, die vom Standardprogramm", dem auf dem Weg des geringsten
Widerstandes" zustande gekommenen weiblichen Organismus, abweicht. Aber auch das ist lediglich Ansichtssa-
che und hat mit ernst zu nehmender Wissenschaft nichts zu tun.


Das Y-Chromosom der Manner ist schwach und verkruppelt; Manner sind daher vom Aussterben be-
droht"

Dem Spiegel war dieser Umstand im September 2003 gar eine Titelgeschichte mit dem geschmackvollen Namen
Eine Krankheit namens Mann" wert. Er berichtete uber britische Forscher, die aus dem angeblichen Niedergang
des Y-Chromosoms die These ableiteten, in ungefahr 125.000 Jahren seien die Manner ausgestorben. Im gleichen
Artikel ist jedoch auch von damals neuen Erkenntnissen die Rede, die dem komplett widersprechen. 3sat Nano
News vom 13.7.2003 berichtet uber diese Forschungsergebnisse: Das bisweilen als eher schwachlich belachelte
mannliche Geschlechts-Chromosom hat nach neuesten Erkenntnissen erstaunliche Fahigkeiten - unter anderem
zur Selbstreparatur. In Wirklichkeit sei das Y-Chromosom, das beim Menschen das mannliche Geschlecht festlegt,
geradezu ein Kristall-Palast
", heit es in der jungsten Ausgabe des britischen Wissenschaftsmagazins Nature",
in der ein Team von 40 Forschern seine Untersuchungen des Chromosoms vorstellt.

Das Y-Chromosom habe im Laufe der Menschheitsgeschichte die Fahigkeit entwickelt, defekte Abschnitte auszu-
tauschen. Auch werde es noch mehrere Millionen Jahre uberdauern konnen, erklaren die Forscher. Bisher hatte es
geheien, das Y-Chromosom sei in den vergangenen 300 Millionen Jahren so stark geschrumpft, dass es zu ver-
schwinden drohe.
Zu Beginn der Menschheitsgeschichte hatte das Y-Chromosom mehr als tausend Gene. Davon blieb im Laufe der
Zeit nur eine geringe Anzahl ubrig, von denen die Forscher um Richard Wilson von der Washington-Universitat in
Saint-Louis im US-Bundesstaat Missouri und David Page vom Whitehead-Institut in Cambridge im US-Bundesstaat
Massachusetts nun 78 entschlusselten. (...) Die Abnahme der Gen-Informationen auf dem Y-Chromosom im Ver-
lauf der Menschheitsgeschichte ist darauf zuruckzufuhren, dass es dieses Chromosom im Erbsatz eines Menschen
nur einmal gibt - im Gegensatz zu allen anderen Chromosomen, die doppelt vorhanden sind. So fehlt dem mannli-
chen Geschlechtschromosom die Moglichkeit, bei Mutationen entstehende Fehler durch Abgleich mit dem sonst
vorhandenen Parallel-Chromosom ruckgangig zu machen.

Allerdings entwickelte das Y-Chromosom - dem Nature" Bericht zufolge - im Laufe der Zeit die Fahigkeit, seine
Erb-Informationen selbst zu verdoppeln. Wir haben ein neues Verstandnis dafur, wie das Y-Chromosom den Zer-
fallserscheinungen entgegenwirkt
", sagte Page. Die Fahigkeit zur Selbstreparatur sei auch beim Y-Chromosom
von Schimpansen festgestellt worden. Das Chromosom habe sich als sehr fahig" erwiesen, seine wichtigen Gene
zu erhalten
", fugte Page hinzu. Auf dem Chromosom befinden sich demnach Abschnitte von Erbinformationen, die
nichts anderes als Duplikate sind und somit als eine Art Sicherheitskopien verstanden werden konnen.

Es gibt demnach unter den Genetikern solche, die angesichts des schwachlichen Y-Chromosoms glauben, Manner
seien vom Aussterben bedroht. Andere attestieren diesem Chromosom ungeahnte Fahigkeiten und sind von seiner
Lebensfahigkeit uberzeugt. Man hat derzeit also keine gesicherten Erkenntnisse. Jegliche Aussagen, Manner sei-
en wegen ihres Y-Chromosoms vom Aussterben bedroht, beruhen nicht auf eindeutigen wissenschaftlichen Be-
weisen, sondern sind nichts als Spekulation.

Manner sind empfindlicher, werden haufiger krank und sterben daher eher als Frauen"

Frauen tragen in ihren Zellen zwei X-Chromosomen, die weitgehend identisch sind und wechselseitig als Sicher-
heitskopien dienen, wenn auf einem von ihnen Fehler entstehen oder Teile von ihnen verloren gehen. Da das zwei-
te Chromosom bei Mannern kein X-, sondern ein Y-Chromosom ist, fehlt diese Funktion der Sicherheitskopie bei
ihnen. Das fuhrt u.a. dazu, dass Mutationen sowie genetische Verluste vom Vater auf den Sohn vererbt werden;
Manner sind folglich anfalliger fur Erbkrankheiten. Das Chromosomenpaar, das das Geschlecht des Menschen
bestimmt, ist jedoch nur eins von 23, und die meisten anderen (die sogenannten Autosomen) sind wesentlich wich-
tiger fur die menschliche Entwicklung.

In jedem Fall weisen mannliche Embryonen im Mutterleib eine hohere Sterblichkeit auf als weibliche. Bei der Be-
fruchtung kommen auf 100 weibliche noch 120 mannliche Embryonen (vermutlich, weil die Spermien mit dem klei-
neren und leichteren Y-Chromosom schneller sind als die mit dem groeren und schwereren X-Chromosom). Bei
der Geburt sind es dann im Schnitt nur noch 105 Jungen zu 100 Madchen, die auf die Welt kommen.

Gehirnschaden, korperliche Fehlbildungen, Fruhgeburten sowie Todesfalle treten bei mannlichen Sauglingen hau-
figer auf als bei weiblichen. 2003 starben laut Statistischem Jahrbuch 2005 (herausgegeben vom Statistischen
Bundesamt) im ersten Lebensjahr insgesamt 1.700 mannliche, aber nur 1.290 weibliche Sauglinge. Der Grund fur
all dies konnte die oben erwahnte Tatsache sein, dass die mannliche Embryonalentwicklung um einiges kompli-
zierter verlauft ist als bei weiblichen, was die Storanfalligkeit bei mannlichen Embryonen erhoht.
Aber auch fur den Rest ihres Lebens weisen Manner fast durchgangig hohere Sterberaten auf als Frauen. Ihre
Lebenserwartung ist uberall auf der Welt geringer als die von Frauen (in Deutschland betragt der Unterschied der-
zeit knapp sechs Jahre).


Die Theorie, wonach dieser Umstand auf die robusteren weiblichen Gene zuruckzufuhren sei, erfreut sich im Ge-
folge des Feminismus groer Beliebtheit. Was den Einfluss genetisch-biologischer Faktoren auf die Lebenserwar-
tung von Mannern und Frauen angeht, hat die Forschung bisher allerdings noch zu keinen eindeutigen Ergebnis-
sen gefuhrt, da die biologischen Faktoren sehr vielfaltig sind und sich zum Teil gegenseitig beeinflussen. Die pau-
schale Aussage, Frauen seien wegen ihrer Chromosome oder ihrer Hormone von Natur aus langlebiger, ist also
wissenschaftlich nach derzeitigem Stand nicht haltbar. (Quelle: www.quarks.de, Sendung vom 3.5.2005)

Viel wahrscheinlicher ist, dass die Lebensweise sich entscheidend auf die Lebensdauer auswirkt. Es ist bekannt,
dass Manner risikoreicher und ungesunder leben als Frauen. Sie werden als Folge davon haufiger krank und ster-
ben eher als Frauen.

In unserem Beitrag uber Mannergesundheit (siehe http://www.manndat.de/index.php?id=41) haben wir bereits auf
die sogenannte Klosterstudie verwiesen, bei der die Lebenserwartung von Monchen und Nonnen miteinander ver-
glichen wurde. Mit dem Ergebnis, dass unter den Lebensbedingungen in Klostern (spiritueller, einfacher Lebensstil,
gesundere Ernahrung, keine materiellen Sorgen, nur selten Nikotinkonsum, kaum sozialer und beruflicher Stress)
nur wenige Unterschiede in der Lebenserwartung von Mannern und Frauen auftraten. Monche lebten im Schnitt
nur ein bis zwei Jahre weniger als Frauen. Wenn man noch berucksichtigt, dass in Mannerklostern mehr Bier ge-
braut und auch konsumiert wurde/wird als in Frauenklostern und dass Manner bis zum Eintritt ins Kloster den typi-
schen Belastungen ausgesetzt sind, die ihrer Geschlechterrolle entsprechen, schmilzt der Unterschied eher noch
mehr zusammen.

Manner jedoch, die gesund leben, erreichen nicht nur haufig ein ahnlich hohes Alter wie Frauen. Wenn sie erst
einmal ein bestimmtes Alter erreicht haben, sind sie offenbar sowohl geistig als auch korperlich leistungsfahiger:
Uberraschend ist zunachst die Feststellung, da Manner jenseits der 90 im Durchschnitt geistig frischer sind als
Frauen dieses Alters. Frauen konnen offenbar mehr als Manner trotz geistigen Verfalles noch recht lange leben,
von daher ist das durchschnittlich schlechtere Abschneiden bei Leistungstests von hochbetagten Frauen gegen-
uber Mannern herzuleiten. Die hochbetagten Manner sind im Durchschnitt auch korperlich rustiger als die Frauen.
Da Frauen im 7. und 8. Lebensjahrzehnt deutlich seltener Schlaganfalle und Herzinfarkte erleiden, werden absolut
gesehen mehr Frauen 95 Jahre alt und alter. Was die physische und geistige Gesundheit anbelangt, gehen aber
die Manner in Fuhrung. Die Manner, die so lange frisch und von Krankheiten weitgehend verschont geblieben sind,
haben von da an gegenuber den Frauen die geringere Sterblichkeit. Dieses Uberkreuzen der Verlaufskurven bahnt
sich schon bei 80-jahrigen an. Wenn ein Mann bis dahin nie ernstlich gesundheitliche Probleme hatte, stehen seine
Chancen gut, auch weiterhin ohne besondere medizinische Hilfe und Pflege auszukommen. Von uber 80-jahrigen
Mannern waren 44% rustig genug, sich selbst zu versorgen, bei den Frauen waren es hingegen nur 28%." (Quelle:
http://home.allgaeu.org/gmezger/pers/hochbetagte.html) Ein weiterer Umstand, der dafur spricht, dass es weniger
die Gene sind, die das Leben der meisten Manner verkurzen, sondern vielmehr ihr Lebensstil.

Manner sind schmerzempfindlicher"

Ein Mythos, wie die Zeitschrift prisma" im April 2003 meldete: Der Spruch Mussten Manner Geburtsschmerzen
aushalten, ware die Menschheit langst ausgestorben' hat ausgedient. Denn er unterstellt den Frauen hohere Lei-
densfahigkeit. Das ist offenbar falsch. Forschungen an der University of Washington lieferten ein entgegen gesetz-
tes Ergebnis. Vielleicht sind Frauen daher haufiger von Schmerzmitteln abhangig als Manner.
"

Frauen sind schmerzempfindlicher als Manner", berichtete auch 3sat Nano am 2. Juli 2002. Sie konnen auch
verschiedene Schmerzarten besser unterscheiden. Einen Grund dafur sieht die Schmerzliga in den jeweiligen Se-
xualhormonen. Ostrogene steigerten die Aktivitat des Nervensystems und verstarkten die Weiterleitung schmerz-
hafter Impulse. Die mannlichen Sexualhormone dagegen wirkten dampfend. Trotz oder wegen der starkeren Be-
lastung kommen Frauen vielfach jedoch besser mit Schmerz zurecht als Manner.' Der Grund: Frauen sprechen
uber ihre Schmerzen.' Sie klagen den Freundinnen ihr Leid oder suchen bei Selbsthilfegruppen Rat.
"

Manner sind stressanfalliger und psychisch weniger belastbar"

Grundsatzlich ist es ein fragwurdiges Unterfangen, aufgrund der unterschiedlichen seelischen Belastungen, denen
Manner und Frauen ausgesetzt sind, Vergleiche zwischen den Geschlechtern anzustellen. So ist der Mann (immer
noch) weitaus haufiger als die Frau der Haupt-Ernahrer und Versorger von Familien. Die psychische Belastung, die
eine Fuhrungsposition oder ein Leben als Soldat, Feuerwehrmann, Polizist, Chefarzt usw. mit sich bringt, trifft
Manner trotz aller Emanzipation immer noch weitaus haufiger als Frauen. Und schon im Sauglingsalter gehen El-
tern mit Jungen weniger zartlich und liebevoll um als mit Madchen, wie Studien herausgefunden haben. Der seeli-
sche Stress, der sich aus der Rolle als Mann ergibt, setzt also bereits sehr fruh ein.

Sollten Manner tatsachlich haufiger psychisch auffallig werden als Frauen, empfiehlt sich somit auch hier ein Blick
auf die Lebensumstande, bevor man Biologie und Genetik bemuht.
Indes scheint es bei seelischen Problemen und Erkrankungen keinen nennenswerten Unterschied zwischen den
Geschlechtern zu geben. Im ?Spiegel? Nr. 38/2001 auert sich der Zurcher Psychiatrie-Professor Jules Angst in

einem Interview wie folgt: ?In der Zurich-Studie untersuchen wir seit nunmehr 20 Jahren die Normalbevolkerung in
der Altersgruppe von 20 bis 40. Dort zeigt sich, dass insgesamt Frauen und Manner zwar etwa gleich haufig er-
kranken. Auch schwere Storungen wie Schizophrenie oder die manischen Erkrankungen sind etwa gleich auf die
Geschlechter verteilt. Aber bei Depressionen, Angststorungen, Panikattacken oder Phobien sind die Frauen uber-
proportional oft vertreten. Bei Suchtkrankheiten sind dagegen die Manner eindeutig uberreprasentiert. Alkohol oder
Drogen tauchen bei Mannern dreimal haufiger auf als bei Frauen. Und auch die Personlichkeitsstorungen und so-
zialen Storungen, die sich haufig in Gewalttatigkeit auern, sind eindeutig ein Mannerproblem.?
Auch in punkto Stressanfalligkeit von Mannern deutet wenig auf genetische oder hormonelle Ursachen hin. Zwar
haben finnische Psychologen in einer Studie an 3 000 Freiwilligen herausgefunden, dass Manner gesundheitlich
mehr unter starkem Stress und emotionalen Schicksalsschlagen leiden als Frauen. Dafur durfte jedoch eher die
Rolle des Mannes in der Gesellschaft verantwortlich sein. Manner erhalten offenbar weniger soziale Unterstutzung,
die bei einschneidenden Erlebnissen helfen kann, und leiden unter anderem deshalb wohl starker unter Stress,
schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift ?Psychosomatic Medicine? (Ausgabe September/Oktober 2002). ?Bei
Mannern losten Schicksalsschlage und Stress nicht nur psychische Probleme und starkeren Alkohol- und Zigaret-
tenmissbrauch aus, sondern sie auerten sich auch in spateren Gesundheitsproblemen, fanden die Psychologen.
Bei Frauen konnten die Wissenschaftler Stress lediglich mit psychischen Problemen und erhohtem Zigarettenkon-
sum in Verbindung bringen, jedoch nicht mit mehr Krankheitstagen.? (www.wissenschaft.de vom 24.9.2002)

Testosteron macht Manner aggressiv und schwacht das Immunsystem"

Das Sexualhormon Testosteron sorgt dafur, dass sich beim mannlichen Embryo Penis und Hoden entwickeln und
die Muskeln wachsen. Nach allgemeiner Auffassung fordern hohe Testosteron-Werte auerdem die Durchset-
zungsfahigkeit und Gedachtnisleistung von Mannern sowie raumliches, logisch-mathematisches Denken.

Dem Testosteron wird allerdings auch eine lebensverkurzende Wirkung nachgesagt. Ab einem bestimmten Alter
soll es sich negativ auf das Immunsystem auswirken, die Infektionsanfalligkeit erhohen und damit zum fruhen Tod
von Mannern beitragen. Kastrierte Manner (also solche, in deren Hoden sich kein Testosteron bilden kann) sollen
angeblich bis zu 15 Jahre langer leben als nicht Kastrierte. Die Auffassung, dank Testosteron erlitten Manner hau-
figer einen Herzinfarkt, gilt hingegen mittlerweile als widerlegt.

All das gilt quasi unter Vorbehalt: Denn das Wissen uber das Mannlichkeitshormon" Testosteron ist immer noch
eher luckenhaft. Der britische Genetiker Steve Jones auerte sich in einem Spiegel" Interview (Heft 38/2003) wie
folgt: Zum Beispiel klingt es ja erst einmal einleuchtend, dass Testosteron aggressiv macht und zum Vergewalti-
ger. Hunderte von wissenschaftlichen Veroffentlichungen legen das nahe. So weit, so gut. Aber es gibt eben auch
Hunderte anderer Publikationen, die genau das Gegenteil aussagen. Wenn's sich um Manner dreht, dann kann
man sich die Tatsachen offenbar zusammensuchen, wie's einem passt. In diesem Ausma habe ich das in der
Wissenschaft selten erlebt.
" Und das gilt wohl nicht nur im Hinblick auf Testosteron.

Zur Aussage, Testosteron mache Manner aggressiv, schreibt Arne Hoffmann (Sind Frauen bessere Menschen?",
S. 32-34): In Wahrheit ist die Datenlage zu Testosteron mehr als durftig. Bis Mitte der achtziger Jahre gab es
uberhaupt nur sechs Studien, die sich zum Zusammenhang zwischen dem fraglichen Geschlechtshormon und
mannlicher Aggressionsbereitschaft auern. Alle kommen zu dem Schluss, dass es keine gesicherten Erkenntnis-
se gibt. Das, was man wei, ist oft widerspruchlich: Die einen wollen herausgefunden haben, dass bei vielen Man-
nern die Testosteronproduktion erst nach der Durchfuhrung einer stressbesetzten Aufgabe steigt. Die anderen
behaupten steif und fest, dass Stress in Wahrheit den Testosteronspiegel reduziere. Auf dem Jahrestreffen der
Gesellschaft fur Hormonforschung 1995 wurden gar Berichte verteilt, denen zufolge ein Mangel an Testosteron
aggressives Verhalten erzeuge. Neuere Experimente konnten sogar darauf hinweisen, dass es das angeblich
weibliche Geschlechtshormon Ostrogen ist, das zu gesteigerter Feindseligkeit fuhrt: Heranwachsende Madchen,
die mit Ostrogen behandelt wurden, zeigten eine groere Aggression. Dasselbe zeigte sich in Tierversuchen, bei
denen mannlichen Mausen dieses Hormon eingespritzt wurde.
Der Aggressionsforscher Benton kann uber die Unzulanglichkeit der bislang vorhandenen Daten nur den Kopf
schutteln: In den meisten Untersuchungen wurde nur eine Blutprobe entnommen, obwohl bekannt ist, dass Tes-
tosteron in Schuben ausgestoen wird und sich sein Level uber den Tag hinweg stark verandert. Zudem ist dieser
Aussto von langeren Rhythmen abhangig. Nur ein kleiner Anteil des im Korper zirkulierenden Testosterons ist
frei; das meiste ist an Proteine gebunden, wodurch eine Schatzung des gesamten Plasmatestosterons zu einer
enormen Uberschatzung des aktiven Hormons fuhrt.
Am verbluffendsten war, wie unterschiedlich verschiedene Untersuchungsergebnisse ausfielen: Mal stellte man
einen positiven Zusammenhang zwischen Testosteronniveau und feindseligem Verhalten fest, mal einen negativen
(also je weniger Testosteron, desto aggressiver) und mal uberhaupt keinen. Die Aussagekraft von Tierversuchen,
bei denen z. B. Ratten in uberfullten Kafigen gehalten werden und ab und zu einen Elektroschock bekommen, ist
nicht sehr gro, da diese Lebensumstande mit dem Alltag eines Mannes doch nur in groben Grundzugen zu ver-
gleichen sind.
Es gibt lediglich zwei zentrale Erkenntnisse zum Thema, die als gesichert gelten, und beide widersprechen der
These, dass die Steigerung der Testosterondosis auch eine Steigerung der Aggression bedeutet:


* Sowohl die Zufuhr als auch die Rucknahme von Testosteron erzeugen keine beobachtbare Verhaltensande-
rung. Manner, die wegen einer Unterfunktion ihrer Keimdrusen an zu geringer Testosteronproduktion leiden,
reagieren nicht mit gesteigertem Angriffsverhalten, wenn man ihnen das fehlende Hormon medizinisch zufuhrt.
Und die Kastration von Gewalttatern macht ihnen zwar bestimmte Sexualverbrechen medizinisch unmoglich,
hat aber keine Auswirkung auf die von ihnen begangenen nicht-sexuellen Gewaltakte. Statt dessen entwickeln
emotional unausgeglichene Straftater, die ohne ihre Zustimmung kastriert wurden, noch starkere gesellschafts-
schadigende kriminelle Aktivitaten.

* Ebenso wie zum mannlichen Hormonsystem Ostrogen gehort, gehort zum weiblichen Testosteron - eine Tat-
sache, die bei Debatten uber die Aggressivitat von Mann und Frau gerne ignoriert wird. Dabei ist der Testoste-
ronspiegel bei berufstatigen Frauen ein wenig hoher als bei Hausfrauen, und im Verlaufe der Wechseljahre
produziert die Frau immer weniger Ostrogen, dafur immer mehr Testosteron - bis sie ab Mitte funfzig uber ei-
nen hoheren Level als ein Mann gleichen Alters verfugt.

Von der anderen Warte betrachtet, verfugt ein dreiigjahriger Mann uber mehr Ostrogen als eine sechzigjahrige
Frau. Wenn also Testosteron das Aggressionshormon sei, so lastert der Maskulist David Thomas, konne man fast
schon wieder den Schluss ziehen, dass Aggressivitat in Wirklichkeit ein weibliches Phanomen sei.
Das ist naturlich Unfug. Statt dessen gehen ernsthafte Aggressionsforscher mittlerweile davon aus, dass es sich
hierbei weniger um ein biologisches als un ein soziales Phanomen handelt. In ihrem Buch Sex im Gehirn verweist
es Annette Bolz in das Reich der Legenden, dass Testosteron Feindseligkeit oder Ostrogen Sensibilitat und soziale
Kompetenz forderten. So konnten Frauen ebenso wie eine Lowin um ihre Jungen kampfen, wie Manner in der La-
ge sind, weitblickend zu denken - sonst gabe es auch kaum so viele mannliche Diplomaten. Nur werden Verhal-
tensweisen, die als unweiblich' gelten, von Frauen ebenso wenig kultiviert, wie dasselbe umgekehrt bei Mannern
der Fall ist. Auch Anthropologen gehen davon aus, dass sich Manner und Frauen von Natur aus sehr ahnlich sind
und zu dem entsprechenden Verhalten erst motiviert werden mussen - oft unbeabsichtigt. Da z. B. Jungen im Ge-
gensatz zu Madchen die Suche nach Nahe und Korperkontakt oft fruh abgewohnt wird, entladt sich der daraus
resultierende Gefuhlsstau leichter in der Gewalt gegen andere oder - im Fall des bei Mannern viel haufigeren
Selbstmords - gegen sich selbst."

Jegliche Aussagen uber Testosteron sind also mit erheblicher Skepsis zu beurteilen. Dies gilt auch fur den angeb-
lichen negativen Einfluss von Testosteron auf das Immunsystem. Wenn auch Frauen Testosteron in ihrem Korper
haben - und ab einem gewissen Alter mehr als Manner -, stutzt dies nicht unbedingt die Theorie, Testosteron trage
durch Schwachung des Immunsystems zur geringeren Lebenserwartung von Mannern bei, denn von diesem nega-
tiven Einfluss auf das Immunsystem sind dann auch Frauen betroffen.

Schlussbemerkungen

Wissenschaft und Forschung wurden und werden zu jeder Zeit erheblich vom aktuellen Zeitgeist und den gesell-
schaftlichen Machtverhaltnissen beeinflusst. Als die Manner noch uneingeschrankt das Sagen hatten, glaubten die
Menschen unbesehen die damaligen wissenschaftlichen Erkenntnisse", wonach Manner intelligenter seien als
Frauen, weil ihr Gehirn groer und schwerer ist. Ebenso spiegelt sich der Erfolg der modernen Frauenbewegung in
heutzutage enorm popularen Veroffentlichungen wider, die allesamt eine genetisch-biologische Uberlegenheit der
Frau uber den Mann nahezulegen scheinen.
Kaum einer stellt sich jedoch die Frage, wie es die Natur uberhaupt zulassen konnte, dass gerade die hoher entwi-
ckelten Lebewesen (speziell der Mensch) sich uber Jahrmillionen so uberaus erfolgreich entwickeln konnten, wo
doch anscheinend nur die Halfte ihrer Population hoheren Anspruchen an das genetische Material und die biologi-
sche Grundausstattung genugt. Wie konnte der Mensch uberhaupt seine einzigartige Intelligenz und seine enorme
Anpassungsfahigkeit entwickeln, wo doch mindestens 50 Prozent der menschlichen Bevolkerung angeblich ein
Fehler der Natur", gewissermaen genetische Ausschussware sind? Hatte solch ein Mangelwesen nicht schon
langst dem Ausleseprozess der Evolution zum Opfer fallen mussen?

Und noch eine Frage, die bislang unbeantwortet geblieben ist: Waren Manner tatsachlich das biologisch schwa-
chere Geschlecht und wurden sie deswegen fruher sterben als Frauen, warum mussen sie dann uberall auf der
Welt die korperlich belastenderen Aufgaben erledigen? Allein wegen ihrer hoheren Muskelkraft? Warum gibt es
Schutzbestimmungen und berufliche Einschrankungen fast nur fur Frauen, wenn sie doch so viel robuster als
Manner sind? Tatsachlich hat noch niemals eine Feministin aus der Behauptung Manner sind das schwache Ge-
schlecht" die Forderung nach verstarktem Schutz und groerer Schonung von Mannern abgeleitet. Fur die Frau,
das sogenannte starke Geschlecht", hingegen sehr wohl.
Man muss nicht auch noch ausfuhrlich darauf eingehen, dass der Biologismus, der heutzutage den Geschlechter-
kampf bestimmt, mitunter fatal an Theorien von der Herrenrasse" und vom unwerten Leben" aus dunkelster deut-
scher Vergangenheit erinnert. Man sollte es dabei bewenden lassen: Wir wissen noch nicht allzu viel uber Genetik,
Hormone und das menschliche Gehirn. Das, was wir wissen, deutet jedoch darauf hin, dass es weder ein uberle-
genes, noch ein unterlegenes Geschlecht gibt, sondern dass Manner und Frauen biologisch gleichwertig sind.
(besser erganzend" oder Teile des Ganzen")

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