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Der Silberdistelwald - Kurzgeschichte

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kurzgeschichte
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  • Added: August, 31st 2011
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Der Silberdistelwald



Ich lag auf dem Rucken liegend auf einem moosbewachsenen Felsen vor meinem Heim
und versuchte, wie jede Nacht, vergeblich die Sterne durch den Nebel und das dichte
Nadeldach zu erkennen.

Mein Heim befand sich einst im Silberdistelwald. Es war ein kleines Haus, wenn man es
aus fremden Augen betrachtete, erschien es einem wie eins aus einem Marchen. Nur,
dass die Warme fehlte, die in jeder Kindergeschichte den Kindern beim Einschlafen hilft,
denn es war kalt.

Pan, die unbestimmbare Mischform der Gestalt eines Steinbocks und der eines
Menschen, lange nur fur ein Fabelwesen gehalten, strich zu der Zeit in diesem Wald
umher.
Es war in aller Munde bekannt, dass Pan, aus seinem Schlaf gerissen, in unbandige Wut
verfiel, doch wusste auer mir niemand, wieso. .

Wenn sich ein Wanderer in diesem Wald verirrte, sah er nur das, was das Auge als
duster und dunkel wahrnimmt.
Bleiche und hartgefrorene Disteln bohrten sich bei jedem Schritt durch jede Ledersohle
tief ins Fleisch.
Allgegenwartig, wie ein silbergrau glanzender Teppich uber jeden Baum und jede
Lichtung gewuchert, wurde selbst mein kleines Heim nicht geschont.
Die hohen Baume, welche kaum Mondlicht den Boden beruhren lieen, knarrten,
knirschten und manchmal, so kam es mir vor, schrien sie leise...

Wie die Seelen von verlorenen Wanderern, die Pans Rage zum Opfer fielen.
Wie die Seelen von verlorenen Wanderern, die ihn unabsichtlich aus seiner tiefen
Trance rissen, ihm den dunnen Draht zum Wesen des Waldes , seiner wahren Heimat,
kappten und ihn zuruck auf diese kalte Welt zerrten.

Pan und ich hatten eine Bindung, denn wir hatten eins gemeinsam. Wir beide stammten
aus jener warmen Welt, die Welt, in der die Walder grun und lebendig waren, in der die
Luft geradezu herbstlich und wurzig roch, ahnlich wie der Waldgeruch nach einem
Regenschauer.
Die Welt, in der alles miteinander im Einklang lebte und gedieh,
in der es diese verschreckenden Ansammlungen von Larm, Gestank, Dreck und
Feindlichkeit nicht gab, diese Besessenheit nach Geld und Macht von neuen Wesen, die
unsere Welt zum Feind erklart hatte.

Es war, als hatte die Natur sich damals entschieden, sich nach und nach selbst zu
zerstoren. Wir standen vor dem Abgrund.

Pan und ich stammten aus dieser alten Welt, deren Schatten heute noch tief in den
Waldern, wo kaum eine menschliche Seele entlangstreifte, im Boden verblieben waren.
Wenn man genau hinhorte, konnte man das Echo des Herzens noch schlagen horen. Das
Herz des Einklangs.

Pan uberstand diese Veranderung nicht. Er nahm teilweise die Gestalt des groten
Parasiten der Erde an, des Menschen, und wurde wahnsinnig auf der Suche nach
Heimkehr.
So horchte er dem groen Echo, bis er einschlief, und dieses Echo verband ihn mit der
Welt, aus der wir stammten. Weckte Farben, Geruche, Gerausche, Gefuhle fur eine langst
vergangene Zeit, dessen Illusion er sich oft tagelang hingab.
Es sei denn, man storte ihn. Sein Wahn setzte sich durch. Er brachte alles und jeden um,
der diesen Moment des scheinbaren Glucks zerstorte.

Ich horchte auf.
Mir war, als ware ein entfernter Schrei zu meinen Ohren gedrungen.
Ich sah ihn rennen.
Mit einem Ausdruck des Wahnsinns und des Entsetzens in den Augen vor seiner
kurzlich vollbrachten Tat rannte er uber die Lichtung und in den Nebel davon.

Als der schwache Wind verblasste, mischte sich ein leichter Duft nach frischem Blut in
die kalte Waldluft. Wenn man genau hinsah, war eine dunne, dunkelrote Spur zu
erkennen.
Pan schwand entgultig im Nebel.
Ich wusste, was er vorhatte...
Heimkehr.
Er wurde einschlafen und nie wieder aufwachen.
Er wurde nach Hause finden, in die Welt,

die einst unsere war.

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