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essay philosophie06

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philosophie wahrheit
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Content Preview
Das folgende Essay wird die Auffassung des philosophischen Grundbegriffes Wahrheit eines
Zeitungsartikels er¶rtern. Als Folie zur Diskussion des Begriffes Wahrheit wird der Artikel
„Nichts als viele Wahrheiten,“ aus der Frankfurter Rundschau vom 24.08.2010, dienen, der
von Jörg Schindler geschrieben wurde. Dabei steht im Fokus der Betrachtung die
Behauptung, dass die Wahrheit "selten im Singular zur Verfügung" stehe. Darüber hinaus wird
das folgende Zitate von Susan Neiman aus der ZEIT vom 11.11.2010 diskutiert werden:
"Wenn 24 Prozent der amerikanischen Bevölkerung laut einer Umfrage glauben, Obama sei
ein Islamist, der die Scharia in Amerika einführen wolle -- was soll das anderes als
Manipulation sein?" Um zur Auffassung von Wahrheit zu gelangen, wird der Begriff nicht auf
andere Begriffe zurückgeführt, sondern wird die Klärung anhand beispielhafter
Verwendungsfälle im Text selbst erfolgen. Zur Beantwortung der Frage, wie die für einen
Begriff einschlägigen Wörter zu verstehen sind, werden diese in einem geeigneten
Satzkontext, und werden diese Sätze in geeigneten Verwendungssituationen betrachtet. Wenn
man die fraglichen Wörter in einem solchen Verwendungsfall versteht, kann man sich auch
darauf verständigen, sie in anderen Verwendungsfällen ebenso wie in diesem Verwendungsfall
zu verstehen. Einen Begriff zu klären heißt, sich klarzumachen, wie eine bestimmte
Verwendungsweise bestimmter Wörter anhand bestimmter Verwendungsfälle erlernt werden
kann.
(1) Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen.
(2) Das war die Wahrheit. Es konnte daran keinen vernünftigen Zweifel geben.
(3) Nun ist es mit der Wahrheit so eine Sache. Sie steht selten im Singular zur Verfügung.
(4) Fast jeder von ihnen hat eine etwas andere Wahrheit bezeugt.
(5) Was ist die Wahrheit über die letzten Minuten im Leben von Dominik Brunner?
(6) Von allen Wahrheiten im Fall ist dies eine, die nicht zu bestreiten ist.
Der Zeitungsartikel beschreibt den Prozess um den Tod Dominik Brunners, der nach einer
Schlägerei mit Jugendlichen an der Münchner S-Bahn starb. Der Kontext von (1) lässt sich so
verstehen, dass der Verteidiger der beiden Jugendlichen glaubt, dass es sich bei dem Tod
Brunners um eine ,,spontane Affekttat“ handele. Wohingegen der Staatsanwalt die Meinung
vertritt, dass es ein Mord gewesen sei. Wahrheit wird also in einem Kontext verwendet, in
dem es zwei verschiedene Meinungen, respektive Behauptungen gibt, die aber beide auf die
gleiche Tatsache rekurrieren. Die Beziehung zwischen behaupteten Sätzen und Tatsachen in
der Welt. Satz (1) ist genau dann wahr, wenn Satz (1) mit entsprechenden Fakten
übereinstimmt. Daher geht mit dem Satz in (1) geäußerten Wahrheitsbegriff auch der
Anspruch einher, zu klären, was Wahrheit ist und was nicht. Im Ergebnis wird dort der
1

Wahrheitsbegriff nach der Korrespondenztheorie verwendet, in der Wahrheit die
Übereinstimmung von Meinungen oder Behauptungen mit den Tatsachen beschreibt. Die
Verwendung des Begriffes Wahrheit in (2) steht im Zusammenhang mit den Aussagen von
Bundeskanzlerin Merkel, Staatsanwalt Laurent Lafleuer und ,,Tv-Pfarrer“ Jürgen Fliege.
Zu Brunner. Er habe;
(a) Merkel: ,,Maßstäbe für Zivilcourage.“
(b) Laufleur:,,getan, was wir alle tun sollten.“
(c) Fliege: Opfer eines „Mordes.“
Akzeptiert man den Satz (a), kann, oder muss man vielleicht sogar, den Satz (b) auch
zustimmen.. Der Ausspruch (c) passt genau zu den anderen beiden Meinungen. In (2) wird das
Kriterium für Wahrheit als das Zutreffen von internen Verbindungen von Aussagen
verstanden. Dies bezeichnet einen Wahrheitsbegriff nach der Kohärenztheorie. Satz (c) ist
genau dann wahr, wenn (c) vereinbar ist mit - oder sogar gefolgert werden kann aus – den
bisher akzeptierten Sätzen. In diesem Kontext steht auch der in (3) verwendete
Wahrheitsbegriff. Denn so wie in (2) verwendet wird nicht nur der Unterschied zwischen
bloßer Meinung und Wahrheit aufgehoben. Auch folgt daraus, dass das was wahr für uns ist,
nicht zwangsläufig auch wahr für andere Menschen sein muss. Der Gebrauch des Begriffes
Wahrheit in (4) schafft dem auch keine Abhilfe, in dem er an den Tatsachenbezug des
Wahrheitsbegriffes in den Vordergrund gestellt. Während des Prozesses sollten 50 Personen
als Zeugen die Wahrheit aussagen. Wenn jede Bezeugung der Wahrheit entspricht würde, das
heißen, dass eine Zeugenaussage per se schon wahr ist. Dies rekurriert auf einen
Wahrheitsbegriff nach der Redundanztheorie der Wahrheit. Die Verwendung des
Wahrheitsbegriffes in (2) und (4) führen zu dem Ausspruch, dass Wahrheit selten im Singular
zur Verfügung stehe (3), weil sowohl verschiedene Meinungen übereinstimmend sein können
mit bereits akzeptierten Sätzen, als auch verschiedenen Tatsachen mit der Realität. Jedoch
wird dies nicht dem in (1) formulierten Anspruch gerecht, zwischen wahr und falsch zu
unterscheiden. Es wäre darüber hinaus höchst widersprüchlich zwei gegenteilige Aussagen als
wahr zu bezeichnen. Der in (5) benutzte Wahrheitsbegriff versucht diesen Widerspruch
aufzulösen durch Einführen geeigneter Hinsichten. Denn eine differenzierte Betrachtung der
Geschehnisse könnte zwei sich dem Wortlaut nach widersprechende Aussagen vereinen. In
Hinsicht auf die Mordthese wird ausgeführt, dass der Angeklagte sich vorher kurz beraten hat,
bevor er losschlug. Dies sei ein Merkmal für Rache. Gegen die Mordthese spricht, dass das
Opfer geplant hatte anzugreifen und man sich nicht aus Notwehr so verhalte, sondern das
Verhalten der Täter provoziert hätte. Jedoch galten weder Opfer, nach Täter als aggressiv,
2

weshalb eine Auflösung des Widerspruches nicht möglich erscheint. In (6) bezieht sich der
Wahrheitsbegriff auf die Behauptung des Angeklagten, dass er im Gefängnis sitzt und auch
die nächsten Jahre dort verbringen wird. Wahrheit bezeichnet hier eine Behauptung, die mit
den Tatsachen übereinstimmt, ohne jeglichen Widerspruch mit anderen Behauptungen. Nun
soll folgende Aussage Susan Neiman`s diskutiert werden. Sie behauptete:"Wenn 24 Prozent
der amerikanischen Bevölkerung laut einer Umfrage glauben, Obama sei ein Islamist, der die
Scharia in Amerika einführen wolle -- was soll das anderes als Manipulation sein?" Die
Aussage hat zwei Komponenten, nämlich das Darstellen eines Umfrageergebnisses und Susan
Neiman`s Meinung dazu. Das Umfrageergebnis spiegelt die Meinung von Menschen wieder,
jedoch nicht ihr Wissen. Jede Bekundung einer Meinung ist erstmalig das gleiche wie eine
bloße Behauptung. Meinung ist der Oberbegriff zu Wissen, Gewissheit und Überzeugung.
Diese Unterbegriffe werden als Meinungen mit gewissen zusätzlichen Merkmalen, im
Unterschied zu bloßen Meinungen, definiert. Wissen wird definiert als gerechtfertigte oder
wohlbegründete wahre Meinung. Jedoch erhebt auch jede Meinung oder Behauptung einen
Anspruch auf Wahrheit. Denn eine Meinung zu äußern und sich gleichzeitig davon zu
distanzieren, würde die Aussage ad absurdum führen. Schließlich würde es das Ergebnis zur
Folge haben, dass man seinen eigenen Ausführungen keinen Glauben schenkt. Dann hätte
man sie auch gar nicht äußern müssen. In diesem Kontext bedeutet der Wahrheitsanspruch
also, dass laut Umfrage 24 Prozent der amerikanischen Bevölkerung es für richtig halten, dass
Obama ein Islamist sei und die Scharia in Amerika einführen wolle. Darüber hinaus halten sie
es für falsch zu glauben, dass dem nicht so ist. Die in der Umfrage dargestellte
Meinungsbekundung impliziert daher eine Ankündigung an der geäußerten Meinung
festzuhalten und eine Aufforderung, sich dieser Meinung anzuschließen. An dieser Stelle setzt
Susan Neiman Ausspruch an:“Was soll das anderes als Manipulation sein?“ Er ist als eine
Kritik zu verstehen und gleicht einer niedrigen Verwendung von „wahr.“ Denn hier wird der
Wahrheitsanspruch, der bei der Meinung Obama sein ein Islamist mitschwingt, hinterfragt.
Üblicherweise muss darauf eine Begründung oder Rechtfertigung erfolgen, woher diese
Meinung stammt. Der Vorwurf der Manipulation impliziert, dass Neiman die Meinung
durchaus für begründbar hält. Wenn nämlich sonstig seriöse Gegenkandidaten Obamas im
Wahlkampf diese Meinung, mitunter per Falschinformationen, im Wahlkampf proklamieren.
Jedoch weist der Vorwurf zurück, dass dies auch eine wahre Meinung wäre. Also beruht sie
nicht auf Wissen nach obiger Definition. Dennoch sind alle Wissensansprüche fehlbar.
Menschlicher Irrtümer sind nur auszuschließen wenn die Wissensansprüche zu keinem
Ergebnis kommen, denn grundsätzlich sind alle menschlichen Erkenntnisse fehlbar sind.
3

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