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Flemobeispiele

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Flemo Beispiele für 1 bis 2 Lektionen
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Flexibel modellieren in 1 bis 2 Lektionen
Berufsschulen: Kolleginnen und Kollegen berichten
1.2011
Unterlagen Methodenkurs 1. 2011
Eidgen¶ssisches Hochschulinstitut für Berufsbildung, Zollikofen

Editiert von Dr. Manfred Künzel
Jaqueline Chiverton-Portmann (GIB Muttenz), Kilian Gertschen (GIBB, Bern)
Bettina Heer, Esther Hügli (BWZ Brugg), Nadja Leitner (BFG Baselland), Christoph Schlatter
(BFS Winterthur)
1

Repetieren
Verdauungsprozess
Repetieren mit Flemo heisst, Informationen, die einzeln verstanden wurden, nicht nur zu wiederholen,
sondern in einen Zusammenhang zu bringen. Repetieren mit Flemo ist also auch verstehen.
Die Lernenden
sind dabei sehr aktiv: Sie suchen Zusammenhänge, erklären Abläufe und schlagen fehlende Informa-
tionen im Lehrbuch nach. Die externe Darstellung wird zum Wissensspeicher, in denen die ge-
sammelten Informationsbausteine eingebaut werden. Es stellen sich Fragen: Wohin gehört etwas?
Was bedeutet es genau? In welcher Reihenfolge geschieht etwas? Das geschieht ohne weitere An-
leitung. Das Material und der Auftrag genügen, um die Aktivitäten und die Fragen zu stimulieren.
Der Auftrag für Flemo „Verdauung“:

Stelle die Organe des Verdauungstraktes dar (Struktur)

Stelle den Ablauf der Verdauung dar (Prozess – Zahlen für Reihenfolge benützen)

Ordne die Nährstoffe den einzelnen Organen und Prozessen zu (detaillieren)

Erkläre wichtige Vorgänge (Durcharbeiten – Vorgänge auf Pfeilzettel benennen)
Dieser Auftrag zum Thema Verdauung enthält die wichtigsten Lernziele (kann Verdauungspro-
zess darstellen etc.) in vier Aufträgen: Strukturauftrag, Prozessauftrag, Detaillierungsauftrag (zu-
sätzliche Information wird eingearbeitet) und Bearbeitungsauftrag.
Nadja Leitner repetiert eine Lektion mit
einer Klasse für Fachpersonen Gesund-
heit für die Schlussprüfung. Die Lernen-
den orientierten sich im Lehrmittel,
wenn sie unsicher waren. Für die Dar-
stellungen benötigten sie dreissig Minu-
ten. Danach erklären sie der Lehrperson
die Darstellungen und testeten, ob sie da-
mit zusätzliche Fragen beantworten kön-
nen. Als Fazit erklärte die Lehrerin den
Teams „ihr könnte alle relevanten Inhalte
zum Thema in korrektem Zusammen-
hang Darstellungen und erklären“.
Didaktik „Testen von Wissenstruktu-
ren“:
In diesem Beispiel werden Wis-
sensstrukturen zu „Verdauung“ getestet.
Sie ist dann gut, wenn damit Fragen be-
antwortet werden können „wo und wie
wird Eiweiss verdaut?“ Das Flemo-Bild gestattet quasi stressfrei die Antworten zu suchen, Lücken
und Fehler in der Darstellung zu sehen und zu ergänzen. Lehrperson und Lernende schauen auf
das Bild, es ist kein direktes, stressiges Befragen von Angesicht zu Angesicht. Der Stoff, nicht die
Lernenden sind im Zentrum, wird ergänzt, befragt, getestet. Die Fragen werden von beiden,
Lehrperson und Lernenden gestellt und beantwortet.
2

Lernziel überprüfen in einer schwierigen Klasse
Eisenmangelanämie
Nadja Leitner: Die Klasse ist teilweise schwierig zu führen. Bei dieser Sequenz erlebte ich die Klas-
se sehr aktiv. Auch sonst passive Lernende haben sich sehr engagiert und von sich aus im Lehrmit-
tel nachgelesen oder miteinander Inhalte diskutiert. Ich steuerte den Prozess nur auf inhaltlicher
Ebene. Es gab keine disziplinarischen Probleme in dieser Phase. Die Lernenden haben mit viel
Freude und Engagement am Thema gearbeitet. Ein absolutes Highlight!
Ein ausführlich formuliertes Lernziel kann direkt als Flemo-Auftrag dienen:

„Die Ursachen, Symptome, Therapien und Pflegemassnahmen bei Eisenmangelanämie erklä-
ren“.
Legende: Lernende
Fachfrau/Fachmann
Gesundheit arbeiteten 1.5
Lektionen mit Flemo am
Thema. Sie kombinieren
Ursachen, Symptome,
Therapien und
Pflegemassnahmen.
3

Erarbeiten:
Lehrmittel in eigene Worte und Bilder umwandeln
Nervensystem
Beim Erarbeiten eines Themas kann viel Aufwand betrieben werden: Für den Umgang mit einem
Lehrmittel stellt die Lehrperson oft Arbeitsblätter bereit und formuliert unterschiedliche Arbeits-
aufträge. Flemo ersetzt in diesem Fall die Arbeitsblätter und Arbeitsaufträge mit Fragen, diese
entstehen während des Arbeitens auf dem Tisch der Lernteams.
Didaktik: Die Worte und Bilder eines Lehrbuchs werden in eine selbst konstruierte Visualisie-
rung umgewandelt. Wenn Inhalte in eigenen Worten und Bildern ausgedrückt werden, kann ein
Lernvorgang angenommen werden. Im Auftrag wird verlangt, dass nur 'wesentliche' Inhalte dar-
gestellt werden. Das verleitet erwünschterweise zu Diskussionen und Fragen an die Lehrperson.

Auftrag: Arbeite zwei Stunden mit dem Lehrmittel „Nervensystem“ und stelle die wesentli-
chen Inhalte zum Thema dar.
Legende: Das Nervensystem ist
ein schwieriges Thema. Die
Lernenden Fachfrau/Fachmann
Betreuung kannten Flemo bis-
her noch nicht, liessen sich je-
doch nach einer kurzen Einfüh-
rung sehr gut auf die Methode
ein. Die vier Gruppen kamen
unabhängig voneinander zu
ähnlichen Ergebnissen.
4

Technik erklären
Magnet-Hochspannungs-Kondensator-Zündung
Einen technischen Vorgang erklären heisst, mit der Bauweise und Funktion von Bauteilen einen
Zielvorgang (z.B. Zündung) darstellen. Bilder und Texte aus dem Lehrmittel werden gelernt, in
dem sie in eigene Darstellungen gebracht werden. Nun müssen die Lernenden die Darstellung dy-
namisieren, das heisst den Einsatz der Bauteile in einen korrekten zeitlichen Ablauf bringen, um
den Vorgang zu erklären.
Didaktik: Beim Erklären mit Flemo können individuelle Defizite sehr genau erkannt und lokali-
siert werden (besser als mit punktuellen Fragen), weil die Lernenden auf ihre eigene als Bild kon-
struierte Vorstellung verweisen und in Zusammenhängen denken müssen.
Das Lernziel ist auch der Auftrag für Flemo:

Die Magnet-Hochspannungs-Kondensator-Zündung MHKZ mit Fachbegriffen erklären
(Fachbegriffe auf Papierpfeilen dazulegen).
Legende: Die angehenden
Fahrzeugwarte (Anlehre)
schätzten es, dass sie die
einzelnen Vorgänge – Laden des
Kondensators, Auslösen der
Zündung, Entladen des
Kondensators und
Unterbrechen der Zündung –
darstellen konnten und waren in
den Dreiergruppen mit Eifer
bei der Sache. Kilian Gertschen
meint „ich stelle bei den
Lernenden Defizit fest, die ich
im 'normalen' Unterricht nicht
erkannt hätte.“
5

Vergleichen
Metallbindung, Atombindung, Ionenbindung
Vergleichen heisst, mehrere Darstellungen auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu untersu-
chen. Die Lehrperson sagt das direkt im Auftrag:

Vergleiche die drei Bindungsarten in (Metallbindung, Atombindung, Ionenbindung) und zei-
ge Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Skript „Chemie: Bindungsarten“
Didaktik: statt mit einzelnen Fragen herauszufinden, was Schülerinnen und Schüler wissen, kann
man sie eine Flemodarstellung erklären lassen. Falsch Gelerntes ist rasch erkannt und kann in-
nerhalb eines für die Lernenden sichtbaren Gerüstes an 'richtigem' Wissen korrigiert werden.
Eine Kurzpräsentation mit Korrektur dauert etwa 1 Minute pro Person. Die Lehrperson beginnt
mit dem Dreier- oder Viererteam, das zuerst fertig ist. So kann eine individuelle Leistungsfeststel-
lung in einer Fünfzehnerklasse in einer Viertelstunde durchgeführt werden.
Legende: Die Bindungsarten hat
Kilian Gertschen den
Zweiradmechanikern vor einer
Woche einzeln erklärt. Jetzt
vergleichen sie konzentriert die
Flemodarstellungen der
Bindungen. Der Lernstoff
wurde in kuzer Zeit effektiv
gefestigt. Jeder Schüler verglich
eine Bindungsart mit den
anderen, so dass ungenaue
Vorstellungen individuell
sichtbar wurden.
6

Ein Lehrbuchmodell mit Beispielen anreichern
Wirtschaftskreislauf
Die Lehrperson hat das Lehrbuchmodell schrittweise eingeführt und mit Beispielen angereichert.
Nun sollen die Lernenden fähig sein, ihre eigene Situation und die ihres Betriebes in diesem Kreis-
lauf darzustellen. Damit schaffen Sie einen Praxisbezug aus ihrer Perspektive und werden selbst
zum Beispiel.

Auftrag: Stelle den Wirtschaftskreislauf so dar, dass du selbst und dein Betrieb vorkommen.
Verwende beschriftbare Pfeile um die Beziehung zwischen den Objekten zu benennen. Teste
das Modell in einer Präsentation für eine andere Gruppe.
Legende: Jaqueline Chi-
verton-Portmann stellt
für das Erarbeiten,
Präsentieren und Aus-
werten drei Lektionen
zur Verfügung. Die Bä-
ckernnen und Fleisch-
fachpersonen liessen
bei der Darstellung
ihre Fantasie walten.
Einigen waren die Fle-
moobjekte zu kindlich,
sie fanden sich zu alt
dafür.
7

Auseinandersetzung und Verständnis fördern
Qualität
Manche Themen haben keine präzisen Lernziele. Es geht vielmehr darum, eine intensive Ausein-
andersetzung, das vertiefte Verständnis oder eine Werthaltung zu fördern. Das gilt auch für das
Thema „Qualität“, das Nadja Leitner mit Fachpersonen Gesundheit behandelt. Flemo ist nur eine
Etappe im Lernarrangement mit folgenden Schritten:

Diskutiere und definiere Begriffe zur Qualität (siehe Liste der Begriffe auf dem Blatt).

Vergleiche deine Definition mit jenen im Lehrmittel.

Stelle Situationen mit Flemo dar, in denen diese Qualitäten vorkommen.

Wie kann diese Qualität erreicht werden?
Legende: Dreissig Minuten reichten für die
Darstellungen und ihre Diskussion. Die
Lernenden diskutieren angeregt anhand
konkreter, weil dargestellt, nacherlebter
und sichtbarer Situationen.
8

Besseres Textverständnis durch genaues Lesen
aktive Auseinandersetzung mit
Hauptpersonen und Handlungsablauf
Bettina Heer benützt einer Lektion mit Lernenden der Vorlehre D um genaues Lesen und aktive
Auseinandersetzung mit Hauptpersonen zu fördern.

Legt in 15 Minuten eine Schlüsselstelle aus dem Buch „Eine Brücke für Judith“ S.35 -38 mit
Flemo.

Stellt Eure Arbeit der Klasse vor.

Erfindet und legt in 10 Minuten einen anderen Handlungsablauf: Was wäre passiert, wenn
Michel, der Vater oder die Frau auf dem WC anders reagiert hätten?
Legende: Die Lernenden haben komplexe Bilder gelegt und viele Details geknetet. Während der
kreativen Arbeit wurde aktiv über das Gelesene diskutiert. Für einige schwache Lernende wurde
der Text erst durch das dreidimensionale Bild verständlich und die Handlung klar ersichtlich.
Rückmeldung der Lernenden: „Jetzt können wir uns die Personen viel besser vorstellen.“ Die
Lernenden hatten grossen Spass am Legen der Bilder, die Diskussionen während der Arbeit haben
das Textverständnis zusätzlich gefördert. Die Lernenden haben sich spannende alternative
Handlungsabläufe ausgedacht.
9

Theorie auf Praxis anwenden und dabei praktische
Erfahrungen austauschen
Verkaufskunde
Esther Hügli gibt den Floristinnen im letzten Lehrjahr 30 Minuten Zeit:

Wählt ein Thema: Kalkulation und Zahlungsverkehr oder Verkaufsablauf oder Warenpräsen-
tation und Werbung.

Tragt in 10 Minuten umfassende Informationen aus allen möglichen Unterlagen zusammen.

Stellt in 2-3 Minuten das Ergebnis mit Flemo vor. Präsentiert wie vor Kunden.

Schaut euch die Darstellung der Konkurrenzgruppe mit dem gleichen Thema an. Wer hat
besser zusammengetragen und dargestellt?
Erfahrungen: Alle Lernenden gingen begeistert an die Arbeit. Die Schulunterlagen wurden nicht be-
nutzt
. Am schwierigsten taten sich die Lernenden mit der Aufgabe zur Kalkulation, vermutlich
weil hier etwas Abstraktes konkret dargestellt werden musste. Je nach Aufgabenstellung wurde
mehr mit Figuren, Zetteln, Nummern oder Knete gearbeitet.
Kalkulation (links): Es wurde viel geschrieben, die Lerninhalte sind noch stark abstrakt dargestellt.
Verkaufsablauf (Mitte): lineare Darstellung, bewegte Figuren, die Lernenden brauchten Zahlen als
Hilfsmittel. Interessant ist, dass dieselbe Aufgabe von Lernenden EBA durch konkretes Darstel-
len eines Ladens gelöst wurde. Zahlen kamen erst auf meinen Hinweis ins Bild. Diese Lernenden
sind offenbar noch stärker in der konkreten Betriebssituation verhaftet, abstrakte Darstellungen
fallen ihnen schwer. Der Lernschritt vom Konkreten zum Abstrakten ist grösser und vielleicht ist
hier noch ein Zwischenlernschritt nötig.
Warenpräsentation (rechts): Konkrete Darstellung einer Ladensituation. Viele verschiedene
Hinweise zur Warenpräsentation wurden dargestellt und mündlich auch erklärt.
10

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