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Inside

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Inside
von
Simon Busch
(c) Simon Busch 2011
Erste Fassung 25.04.2011

FRAUENSTIMME
Träumen Sie?
MAENNERSTIMME
Wie meinen Sie das?
FRAUENSTIMME
Ich meine -pause- ob Sie Nachts
träumen.
MAENNERSTIMME
Ich denke es kommt eher einem
erwachen gleich.
AUFBLENDEN
INNEN. RAUM/TAG
POV: JON
Ein steriler Raum, spärlich beleuchtet. Auf dem Tisch liegen
ein paar geschlossene Akten. Am Tisch sitzen ein Mann
mittleren Alters gekleidet mit einem Krankenhaushemd, JON,
und eine junge FRAU im Blaizer, Ärztin. Die Frau blättert in
den Akten.
JON (O.S)
Hat sie es auch? Weiß sie was mit
ihr passieren kann? Es ist wie eine
Flamme die ewig flackert, bis etwas
kommt das Öl hinein gießt. Eine
Explosion. Eine Veränderung. Das
Feuer lodert und es ist nicht mehr
aufzuhalten.
DR.
Was meinen Sie damit "es kommt
einem erwachen gleich?
JON
Es ist -pause- wie der lange
beschwerliche Weg aus einer Höhle.
Ein Baby bei einer Geburt. Ein
neues Leben, eine neue Erfahrung.
AUSSEN. STRASSENECKE/NACHT
Eine wenig beleuchtete Seitenstraße. Bis auf hohle Schritte,
die durch die Straße hallen, herrscht eisige Stille. Jon
läuft die Straße herunter, den Kopf gesenkt.
weiter

fortgesetzt
2.
JON (O.S)
Du siehst etwas. Du fühlst etwas.
Du kannst es nicht beschreiben. Es
beißt und kratzt. Ein beklemmendes
Gefühl der Ungewissheit.
Jon wendet seinen Blick. Nicht weit von ihm wird ein kleines
Mädchen vergewaltigt. Sie schreit anfangs doch ihre Schreie
verstummen nach einigen Sekunden. Der Vergewaltiger schaut
Jon aus verstohlenen Augen an. Ein Lächeln huscht über sein
Gesicht.
JON (O.S)
Du kannst es nicht beschreiben. Es
ist eigenartig aber du fühlst
nichts. Ist es uns überhaupt
möglich über etwas, das wir uns nie
zu träumen gewagt haben, Gefühle zu
hegen, drüber nach zu denken?
INNEN. RAUM/TAG
Der gleiche Raum.
DR.
Lassen Sie uns später über die
Träume reden. Also, warum hat man
Sie hier her geschickt?
JON
Darf ich rauchen?
DR.
Natürlich.
Die Frau stellt ihm den Aschenbecher näher.
Ihre Hände berühren sich als der Dr. den Aschenbecher über
den Tisch geschoben hat.
DR.
Erzählen Sie mir jetzt etwas?
Jon nimmt einen tiefen Zug aus der Zigarette.
JON
Was möchten Sie denn hören?
DR.
Alles.

3.
AUSSEN. WALD/TAG
Jon irrt durch einen Wald.
JON (O.S)
Es war August 1953. Meine Mutter
gebar mich in einer Scheune nicht
weit von...
Die Frau unterbricht ihn mit einem tiefen Seufzer.
DR. (O.S)
Das hab ich nicht gemeint.
INNEN. RAUM/TAG
Der gleiche Raum.
JON
Nun, Sie müssen zugeben es war
keine sehr präzise Aussage.
DR.
Denken Sie das ist ein Spiel?
JON
Nein.
DR.
Warum tun Sie dann als...
Jon unterbricht die Frau.
JON
Denken Sie es ist eins?
DR.
Hören Sie, es ist bestimmt nicht
einfach, aber...
Jon sieht wie der Vergewaltiger neben die Frau springt und
ihren Kopf brutal auf den Tisch hämmert. Jon sieht zu.
JON (O.S)
Ein Befreiungsschlag. Schreien wir
nach Erlösung in dieser ewigen
Ungewissheit was wahr ist und was
nur in unserem Kopf ist? Es ist ein
ewiges Grau in dem wir uns bewegen.
Schwarz und Weiß hat keine
Bedeutung mehr im Alltag. Keine
Werte. Ausbruch.
FADE TO

4.
RAUM, INNEN/TAG
Der gleiche Raum. Nichts hat sich verändert.
DR.
Also, fangen wir damit an warum man
Sie zu mir geschickt hat. Was genau
haben Sie getan?
JON
Ich morde, vergewaltige, stehle...
Die Frau unterbricht ihn.
DR.
Davon steht nichts in meinen Akten.
Sie wissen ich bin gesetzlich dazu
verpflichtet das alles was sie hier
sagen den verantwortlichen Behörden
weiter zu leiten?
JON
Sie könnten gerade vor einer
Staffelei stehen und ihr Lebenswerk
vollenden.
DR.
Was könnte ich?
JON
Sie könnten auch bis an die Zähne
bewaffnet in die nächste Bank
gehen.
DR.
Was reden Sie da?
JON
Das Adrenalin pumpt sich in Ihren
Körper, es übernimmt die Kontrolle,
lässt Sie unvorstellbare Dinge tun
-pause- und dann wachen Sie auf.
DR.
Ich weiß nicht wovon Sie reden aber
ich-
Sie wird unterbrochen.
JON
Dann ist es da -pause- dieses
beißende Gefühl, dass etwas nicht
stimmt.

5.
HALLE, INNEN/NACHT
Der Vergewaltiger läuft eisernen Blickes durch einen langen
Gang. Er führt eine schwere Automatische Waffe. Am Ende des
Gangs sitzen ein paar PUNKS, spielen Karten, trinken und
haben Spaß.
JON (O.S)
Wann enden die Zeiten der Aufruhr?
Kannst du dich auf den Ausbruch
vorbereiten? Wenn ja, wie? Die
Angst dein innerstes nach außen zu
bringen. Sich von allem zu
befreien.
Der Vergewaltiger zielt, drückt ab und hinterlässt ein
Massaker
INNEN. RAUM/TAG
Der gleiche Raum. Nichts hat sich verändert.
DR.
Sie haben ernsthafte Probleme. Wir
werden das Gespräche jetzt beenden.
JON
Haben sie das Gefühl jemand anders
zu sein? Endlich aus der Fassade
aus zu brechen? Frei zu sein?
DR.
Was? Was reden Sie da?
AUSSEN. WALD/TAG
Jon irrt durch einen Wald. Er kann das Ende sehen.
JON
Sie wissen genau was ich rede. Sie
wollen es nur nicht zugeben? Kommen
Sie Doktor, auch ein
augenscheinlich perfekter Mensch
wie Sie hat tief schlummernde
Gelüste. Lassen Sie sie raus.
DR.
Was wollen Sie? Was soll ich raus
lassen?
JON
Sie wissen ganz genau was ich
meine. Sie werden nie frei sein
wenn Sie nicht endlich loslassen.

6.
INNEN. RAUM/TAG
Der Gleiche Raum. Nichts hat sich verändert. Die beiden
sitzen auf ihren Stühlen und starren sich an, als einige
Punks da Raum betreten und Jon wortlos vom Stuhl ziehen und
ihn verprügeln.
JON (O.S)
Du kannst es nicht ewig verstecken.
Irgendwann musst du es raus lassen.
Irgendwann wird dich das Feuer von
innen verbrennen. Du wirst dran
ersticken und mehr leiden als du
dir vorstellen kannst.
AUSSEN. WALD/TAG
Kurz bevor er das Ende erreicht sieht er einige Meter neben
sie den Dr. Dieser irrt genauso umher.
DR.
Sie sind definitiv krank und
brauchen Hilfe.
JON
Ich bin nicht derjenige der Hilfe
braucht, Dr.
DR.
Nachdem was Sie reden schon.
INNEN. RAUM/TAG
Der gleiche Raum.
JON
Nein.
DR.
Nein? NEIN?
Sie greift in ihre Tasche, holt einen Aktendeckel heraus,
geht zu Jon und öffnet ihn. Sie zeigt mit dem Finger drauf.
DR.
Sie sind nicht krank? Sie haben 6
Menschen umgebracht. Sie haben sie
grausam zerstückelt.
Über Jon’s Gesicht huscht ein lächeln.
weiter

fortgesetzt
7.
JON
Ich bin wohl kein Maler.
Sie klappt den Aktendeckel wieder zu und geht zu ihrem Platz
zurück.
DR.
Also, wir beenden das Gespräch
hier.
JON
Sie brauchen Hilfe Doktor.
DR.
Nein, bestimmt nicht. Das Gespräch
ist beendet. Ich überweise Sie an
einen Kollegen.
JON
Was macht Sie so sicher das sie
keine Hilfe brauchen?
DR.
Ich -sie überlegt- was wollen Sie
hören? Ich hab einen Job, eine
Familie, ein Haus, einen Hund keine
Mordgelüste und wer weiß was sonst
noch was wie Sie!
JON
Sie sind auf dem besten Weg mit mir
den Platz zu tauschen Doktor. Sie
sollten sich nich so in Sicherheit
wiegen. Umso schlimmer wird es für
Sie. Glauben Sie mir.
DR.
Was reden Sie -sie schüttelt den
Kopf- Sie sind krank, nicht mehr
nicht weniger!
Sie geht.
JON
Doktor, eine Sache noch. Wie krank
kann ich sein wenn das was ich
mache vielen Menschen jeden Tag so
geht? Auch Ihnen?
Jon sitzt auf seinem Stuhl und fängt langsam an zu lächeln
und ein glücklicher Gesichtsausdruck zeichnet sein Gesicht.

8.
AUSSEN. FELDWEG/DÄMMERUNG
Jon läuft den Weg entlang. Den Kopf gesenkt bis er in den
Sonnenaufgang blickt.
JON (O.S)
Du allein hast die Freiheit du
selbst zu sein. Lege dir keine
Ketten an, sei du selbst, sei frei.
Er blickt zurück und sieht den Dr. noch immer im Wald, sie
irrt herum.
EINBLENDEN
Unser Leben ist das Produkt unserer Gedanken.
-Marcus Aurelius

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