Freitag, 22. Juni 2012 | az | www.limmattalerzeitung.ch
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Limmattal
Lieber Uberhosen als Polizeiuniform
Schachenmatt:
Grunes Licht fur
Oberengstringen Werner Heggli ist seit 25 Jahren Abwart und war bis letztes Jahr Dorfpolizist
den Baubeginn
Dietikon Nach mehrmaliger Verzoge-
VON DOMINIC KOBELT
beit rede ich aber nicht so gerne,
rung kann das Bauprojekt der Bauge-
sagt er. In Restaurants die Polizei-
nossenschaft Schachli endlich mit
Es war der 11. Januar 1987, als Wer-
stunde durchsetzen und Parkuhren
den Arbeiten an den ersten beiden
ner Heggli wie aus heiterem Himmel
kontrollieren, das habe er nie beson-
Hausern der Uberbauung Schachen-
seinen Job verlor. 21 Jahre lang hatte
ders gerne gemacht. In Uberhosen
matt im Altbergquartier beginnen.
er als Giesser bei der Escherwyss ge-
ist mir wohler als in einer Uniform.
Nach dutzenden von Formalitaten
arbeitet - dann wurde die Giesserei
Er habe stets darauf geachtet, alle
und einem Rekurs eines Anwohners
geschlossen. Einen Monat vorher
gleich zu behandeln. Auch meine
steht dem Baustart im Juli definitiv
wurden wir noch gelobt - wir sollten
Kollegen aus der Feuerwehr wussten,
nichts mehr entgegen, bestatigt Karl
im nachsten Jahr mit gleichem Ein-
dass ich eine Aufgabe zu erfullen hat-
Geiger, Prasident der Baugenossen-
satz weiterarbeiten, sagt Heggli, legt
te, wenn ich die Uniform trug - ich
schaft Schachli.
nachdenklich seine Brille zur Seite
hatte aber lieber Schokolade anstatt
Insgesamt sollen 41
Genossen-
und fahrt sich mit der rechten Hand
Bussen verteilt, sagt Heggli.
schaftswohnungen auf zwei Hauser
ubers Kinn. Einen kurzen Moment
verteilt entstehen. Zu diesem ersten
lang ist die Hoffnungslosigkeit zu
Uniform an den Nagel gehangt
Bauprojekt wird drei bis sechs Mo-
spuren, die den Vater von zwei Kin-
Den Dienst konnte sich der Dorf-
nate spater ein Partnerprojekt der
dern damals ergriffen haben muss.
polizist selber einteilen - das habe er
Baugenossenschaft Eigengrund ge-
Kurz darauf erhellt sich sein Gesicht
sehr geschatzt, sagt Heggli: Wenn
baut, sagt Geiger. Die insgesamt
wieder: Dann erinnerte ich mich,
ich nervos war oder Probleme hatte,
drei Hauser bilden die Uberbauung
dass Oberengstringen jemanden
dann ging ich nicht auf Kontroll-
Schachenmatt. Bei der Projektpla-
suchte - der Job umfasste Arbeiten
tour. Im letzten Jahr hat Heggli den
nung wurde zusammengespielt,
als Hausabwart im Gemeindehaus,
Job als Dorfpolizist an den Nagel ge-
beispielsweise bei der Wahl der Ar-
Mithilfe im Zentrum und Ordnungs-
hangt. Es gibt ein Alter, in dem man
chitekten. Zudem wird die Bauge-
dienst. Ich hatte keine Ahnung, was
aufhoren muss, sagt er. Ein weiterer
nossenschaft Schachli fur alle
auf mich zukommen wurde.
Grund war, dass Heggli seine Polizei-
67 Parkplatze sorgen, und die Bau-
uniform abgeben musste. Die Dorf-
genossenschaft Eigengrund wird da-
Heggli war auch Dorfpolizist
polizisten sollten nicht mehr ausse-
fur den Gemeinschaftsraum fur alle
Kurz entschlossen bewarb sich
hen, wie die richtige Polizei. Ein Gi-
Anwohner zur Verfugung stellen.
Heggli. Das Vorstellungsgesprach
let mit der Aufschrift Ordnungs-
Die insgesamt 84
gemeinnutzigen
hatte ich bei Gemeinderat Weilen-
dienst sollte als Ersatz dienen. Der
Genossenschaftswohnungen wer-
mann und Herrn Gugger. Sie hatten
Effekt war nicht derselbe: Ich habe
den voraussichtlich 18 Monate nach
Bedenken - schliesslich war ich ein
durch die Abgabe der Uniform eine
Baubeginn bezugsbereit sein. Es
Laie. Die Entscheidung, wer die Stel-
Art Schutz verloren, sagt Heggli.
hatten sich bereits einige Familien
le erhalten sollte, wurde an einem
Nun konzentriert er sich voll auf
angemeldet, die vom Projekt gehort
Montag bekannt gegeben - Heggli
die Arbeit in seinem Gemeinde-
hatten, so Geiger.
bat die Gemeinde, ihn gleich um sie-
ben Uhr morgens anzurufen, um ihm
Ich hatte lieber Scho-
Baustarts naher beieinander
den Bescheid mitzuteilen. Das Tele-
Die mehrmaligen Verzogerungen
fon brachte ihm die Erlosung.
kolade anstatt Bussen
hatten auch etwas Positives, meinte
Offensichtlich haben die Gemein-
verteilt.
Geiger, denn nun seien die beiden
derate damals eine gute Entschei-
Baustarts nicht ganz so weit ausein-
dung gefallt: Heggli feiert dieses Jahr
Werner Heggli, Abwart und
ander.
ehemaliger Dorfpolizist
sein 25-Jahr-Dienstjubilaum. Am An-
Auch Lucas Neff, Dietiker Vor-
fang hatte ich etwas Muhe mit den
standsmitglied der Siedlungsgenos-
Arbeitszeiten, sagt der Jubilar, der
haus. Er kann sich noch gut erin-
senschaft Eigengrund, bestatigt die
sich gewohnt war, morgens um funf
nern, als im August 1987 die symboli-
definitive Absegnung des Baupro-
bis nachmittags um zwei zu arbeiten.
sche Schlusselubergabe stattfand:
jekts. Es seien keine Rekurse einge-
Flexibel habe er sein mussen, sagt er:
Damals habe ich meinen Vorganger
reicht worden und die Frist dazu sei
Wenn man sich anpassen kann,
angesehen - er hatte diese Arbeit
abgelaufen. Somit konnten die Bau-
dann ist es aber der ideale Job.
24 Jahre lang gemacht - und bei mir
arbeiten des Bauprojekt Eigen-
Bis im letzten Jahr war Heggli
gedacht: an der Stelle mochte ich
grund bis spatestens Ende Jahr be-
auch Dorfpolizist. Uber die Polizeiar-
Werner Heggli pflegt auch die Pflanzen in seinem Gemeindehaus. KOB
auch einmal stehen.
gonnen werden, sagt er. (LTR)
Ein Jahr im Leben der verruckten Stadtgartner Stadt zahlt an
SBB-Arbeiten
Dietikon Jeanne Woodtli und
Was ist Crowdfunding?
Sonja Muhlemann haben die
Schlieren Im Zusammenhang mit der
Crowdfunding, beziehungsweise
Erneuerung der Streckengleise zwi-
Gartenkooperative Ortoloco ein
Schwarmfinanzierung, ist eine Art
schen Altstetten und Schlieren in den
Jahr lang begleitet und daraus
von Kultur-Finanzierung durch ei-
Jahren 2010 und 2011 wurde die ge-
ein filmisches Portrat gemacht.
ne Gruppe von Menschen, die sich
samte Gleisentwasserung neu erstellt.
uber das Internet organisieren.
Von diesen Arbeiten waren verschie-
VON LADINA TRACHSEL (TEXT UND FOTO)
Die Teilnehmer unterstutzen dabei
dene Querungen von Werkleitungen
gemeinsam Projekte mit finanziel-
unter den Gleisen betroffen. Die Stadt
Fur ihren ersten Dokumentarfilm ha-
len Mitteln. Bei einem spateren Er-
Schlieren muss sich daran aufgrund
ben Jeanne Woodtli und Sonja Muh-
folg werden sie vergutet oder er-
von Leitungsvertragen mit einem Bei-
lemann die idealistischen und etwas
halten zumindest spezielle Vorteile
trag von 409 000 Franken beteiligen.
verruckten Stadtgartner der Dieti-
als Gegenleistung. (LTR)
Der Stadtrat hat, wie er mitteilt, die
ker Gartenkooperative Ortoloco ein
gebundene Ausgabe bewilligt. (AZ)
Jahr lang begleitet und gefilmt. Da-
mit die beiden ihren Film Eine
der einen grossen Teil der Anbauten
Handvoll Zukunft wie geplant ab-
beschadigte. Die Mitglieder waren
INSERAT
schliessen und die Premiere finanzie-
laut Woodtli am Boden zerstort, doch
ren konnen, brauchen sie aber noch
zum guten Gluck erhielten sie Unter-
stutzung von anderen Initiativen der
regionalen Vertragslandwirtschaft.
Das sogenannte Urban
Fur unseren Filmstart war der Hagel
Farming ist total im
naturlich verheerend und interes-
sant zugleich, erzahlt Woodtli. Und
Trend und spriesst uber-
da schliesslich das Anbauland wieder
all aus dem Boden.
hergerichtet werden konnte, sei der
Jeanne Woodtli,
aufregende Start umso positiver ge-
Drehmomente GmbH
wesen.
Jeanne Woodtli (links) und die Ortoloco-Gartnerin Seraina Sprecher.
Der Film begleitet die Mitglieder
das sogenannte Urban Farming to-
Dafur erhalten sie jede Woche einen
uber das ganze Jahr hinweg. Das
finanzielle Unterstutzung. Dafur sind
tal im Trend und spriesse uberall aus
Teil des geernteten Gemuses. Dieses
Highlight sei ganz klar der Ent-
haben sie ihr Projekt auf der Crowd-
dem Boden, so Woodtli.
Konzept nennt sich im Fachjargon re-
schluss vom Januar 2012, Ortoloco in
funding-Plattform 100-Days regist-
Ortoloco gibt es nun schon seit
gionale Vertragslandwirtschaft. Da-
Grosse und Anzahl Genossenschafter
riert. So hoffen sei, 100
Tagen
Marz 2010. Die Kooperative besteht
bei geht es nicht um Rendite, son-
zu verdoppeln. Die Szenen von der
1000 Franken zu sammeln. Nach den
mittlerweile aus 230 Genossenschaf-
dern unter anderem um die aktive
entsprechenden Genossenschaftsver-
ersten 14 Tagen sind so bereits 340
tern und rund 350 Gemuseessern, die
Mitarbeit und die Verbindung der
sammlung sind zugleich die Schluss-
Franken zusammengekommen.
aktiv mithelfen, das 1,4
Hektaren
Konsumenten mit ihrer Nahrung.
szenen im Dokumentarfilm.
umfassende Land, das Ortoloce vom
Aktive Mitarbeit und nicht Geld
Dietiker Biohof Fondli pachtet, zu be-
Vom Tiefpunkt zum Hohepunkt
Die Premiere von Eine Handvoll Zu-
Auf die Idee, einen Dokumentar-
wirtschaften. Alle Mitglieder der de-
Der 47-minutige Dokumentarfilm
kunft wird am 28. Juli im Ono in Bern
film uber Ortoloco zu drehen, sind
mokratisch aufgebauten Genossen-
fangt mit einem Tiefpunkt an und
stattfinden. Anfang August wird der Film
die beiden Freundinnen gekommen,
schaft kaufen einen Anteilsschein
endet mit einem Hohepunkt. Im
im Kino Xenix in Zurich gezeigt. Mehr In-
da sie personliche Kontakte zu den
und sind verpflichtet, mindestens
Fruhling letzten Jahres gab es uner-
formationen unter: www.drehmoment-
Initianten haben. Ausserdem liege
funf halbe Tage im Jahr zu helfen.
wartet einen heftigen Hagelschauer,
produktion.ch
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