Neurofibromatose - Morbus Recklinghausen Die Neurofibromatose wurde im Jahre 1882 vom deutschen Pathologen Friedrich Daniel von Recklinghausen erstmals
ausführlich beschrieben. Daher stammt auch die Bezeichnung Morbus Recklinghausen (Morbus, lat.: Krankheit).
Man unterscheidet zwei Typen dieser Krankheit (Neurofibromatose Typ 1 und Typ 2).
Im Folgenden wird Neurofibromatose Typ 1 (nachstehend NF1 genannt) näher erläutert.
Neurofibromatose Typ1Hierbei handelt es sich um die periphere Form der Erkrankung, die auch als "Morbus von Recklinghausen" bezeichnet
wird – nach dem Pathologen Friedrich Daniel von Recklinghausen, der die Erkrankung im 19. Jahrhundert erstmals
beschrieb.
Die Neurofibromatose Typ 1 (NF1) wird verursacht durch Genveränderungen auf dem Chromosom 17. NF1 tritt mit einer
Erkrankungshäufigkeit von 1:3000 zu je etwa 50% familiär bzw. sporadisch auf.
NF-1-Patienten zeigen mindestens zwei der folgenden Merkmale:
•
6 oder mehr so genannte Café-au-lait-Flecken – milchkaffeefarbene (hellbraune) Hautflecken, die bereits bei
der Geburt vorliegen oder kurz danach auftreten. Vor der Pubertät weisen diese Flecken einen größten
Durchmesser von 5 mm auf, nach der Pubertät beträgt der Durchmesser mehr als 15 mm.
•
2 oder mehr Neurofibrome, gutartige Geschwülste bestimmter Nerven- und Bindegewebszellen, die sich auf, in
oder unter der Haut und auch in jedem Körperteil bilden können. Manche Patienten entwickeln plexiforme
(netzartig wachsende) Neurofibrome.
•
Sommersprossenartige Pigmentierung der Achselhöhlen und/oder der Leistengegend ("Axillary freckling",
"Inguinal freckling").
•
Optikusgliom (Tumor am Sehnerv).
•
Mindestens 2 Irishamartome (Pigmentanreicherungen auf der Regenbogenhaut des Auges, auch "Lisch-
Knötchen" genannt).
•
Typische Knochenveränderungen wie Keilbeindysplasie oder Verdünnung der langen Röhrenknochen mit oder
ohne Pseudarthrose (Scheingelenk).
•
Verwandter ersten Grades (Elternteil, Geschwister, Kind), bei dem die Diagnose "NF1" anhand der oben
aufgeführten Kriterien gestellt wurde.
Die genannten Merkmale entsprechen den NF-1-Diagnosekriterien der National Institutes of Health. Darüber hinaus
werden bei NF-1-Betroffenen folgende Veränderungen relativ häufig angetroffen:
•
Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliosen).
•
Lern-, Leistungs- und Verhaltensstörungen.
Typ 1 bei ErwachsenenBei Erwachsenen mit NF 1 stehen andere Fragestel ungen und mögliche Probleme im Vordergrund als bei
Kindern. Hier sind besonders Faktoren wie Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes durch
Neurofibromwachstum, die Entscheidung über Nachkommen sowie berufliche und private Lebenssituation
zu erwähnen.
Grundsätzlich sol te vorausgeschickt werden, dass die meisten Menschen mit NF 1 keine wesentlichen
gesundheitlichen Beeinträchtigungen erleben. Sie führen wie andere Menschen ein ganz normales Leben.
Die am häufigsten auftretenden Komplikationen sind nicht lebensbedrohlich und in der Regel gut zu
behandeln. Nach heutigem Wissen ist die Lebenserwartung bei etwa 10% der Betroffenen reduziert.
Typ 1 bei Kindern Für viele Eltern ist es schwer, die Tatsache zu akzeptieren, dass das eigene Kind von NF 1 betroffen ist, also von einer
Krankheit, die es sein gesamtes Leben begleiten wird. Häufig tauchen dann Schuldgefühle auf wie z.B.: Haben wir etwas
falsch gemacht? Hätte ich mich während der Schwangerschaft anders verhalten sollen? Wieso ist die Krankheit erst jetzt
erkannt worden?
Aus der Tatsache, dass NF 1 eine in den Erbanlagen "festgeschriebene" Erkrankung ist, lassen sich mehrere
Erkenntnisse ableiten:
Das betroffene Kind ist bereits mit der Erkrankung geboren, auch wenn die Krankheit erst zu einem späteren
Zeitpunkt diagnostiziert wird.
Die Krankheit ist durch eine Veränderung der Erbanlagen bedingt, nicht durch vermeintliches Fehlverhalten in
der Schwangerschaft oder vermeintliche Fehler beim Aufziehen des Säuglings oder Kleinkindes.
NF 1 ist nicht ansteckend.
NF 1 ist vererbbar. Wer an der Krankheit leidet, gibt sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an jedes seiner
Kinder weiter (autosomal dominant).
Ursachen und HäufigkeitNF1 liegt einer Genveränderung zugrunde. Es wird vermutet, dass eine Genmutation auf dem langen Arm (q-Arm) des
17. Chromosoms zu diesen Veränderungen führt, die autosomal domi-nant vererbt wird. Frauen und Männer erkranken
somit gleichermaßen.
Die Hälfte der Erkrankungen ist auf Neumutation zurückzuführen und tritt dementsprechend das erste Mal in einer
Familie auf.
NF1 wird mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 50% vererbt, je nach dem ob ein oder bei-de Elternteile die
Erbinformationen für eine NF1-Erkrankung im Genotyp tragen.
Also handelt es sich bei NF1 um eine Erbkrankheit, die etwa bei einer von 3.000 Geburten auftritt.
Häufige und typische SymptomeDie ersten Merkmale, die auf eine NF1 schließen lassen, sind sogenannte
Café-au-lait-Flecken. Das sind hellbraune Flecken mit einem Durchmesser von etwa 5mm (nach der Pubertät bis zu
15mm), die bei erkrankten Menschen spätestens im Säuglingsalter auftreten.
Außerdem sind sommersprossenartige Verfärbungen der Achselhöhle und der Leistengegend, das so genannte
Freckling (freckle, eng.: Sommersprosse), eine weitere Erscheinung bei NF1.
Weitere Symptome, die sich erst im Laufe der Kindheit und Jugend (speziell der Pubertät aufgrund hormoneller
Veränderungen) ausbilden, sind:
•
Neurofibrome: Gutartige Tumore an Nerven- und Bindegewebszellen, die sich cutan (in
der Haut), subcutan (unter der Haut), plexiform (netzartig, oft schon bei der Geburt
vorhanden) und auf jedem Körperteil bilden können. Neurofibrome am Nervengewebe
können unter Umständen zu Wachstumsänderung, Lähmungen oder
Funktionseinschrän-kungen im Bereich der Tumore führen.
Tumore können auch Schmerzen verursachen. Ob der häufig von Betroffenen
beschriebene Juckreiz ebenfalls auf Neurofibrome zurück-zuführen ist, ist bislang nicht
geklärt.
•
Optikusgliom: Tumor am Sehnerv, der unter Umständen zur Erblindung führen kann
•
Lisch-Knötchen: Rundliche Unebenheiten durch
Pigmentanreicherungen auf der Iris (Regenbogenhaut) Die Knötchen der
Iris bei Neurofibromatose I haben sich zu einem wichtigen diagnostischen
Kriterium in der Differentialdiagnose der Phakomatosen entwickelt. Diese
Knötchen wurden in ihrem klinischen Erscheinungsbild und ihrer Bedeutung
erstmals von Karl Lisch, München, 1937 erkannt. Diagnose und
Differentialdiagnose der Lisch-Knötchen werden illustriert. Auf die Bedeutung
der Irisknötchen für die genetische Beratung der Patienten und ihre
Familienangehörigen wird, besonders im Hinblick auf monosymptomatische
Verläufe, eingegangen. Histologisch zeichnen sich Lisch-Knötchen durch
Aggregation von länglichen bis rundlichen Zellen aus, die der Iris kuppelförmig
aufsitzen. Immunhistochemisch weisen diese Zellen eine positive Markierung
mit einem Antikörper gegen Vimentin und das S-100-Protein auf und belegen
damit eine neuroektodermale Differenzierung. Somit können die Lisch-Knötchen
als eine direkte Manifestationsform der neuroektodermalen Störung bei
Neurofibromatose I angesehen werden.
•
Skoliosen: Wirbelsäulenverkrümmungen
Skoliose (altgriechisch: σκολιός,
skolios „krumm“) ist eine
Seitverbiegung der Wirbelsäule bei gleichzeitiger Rotation (Verdrehung)
der Wirbel, welche nicht mehr durch Einsatz der Muskulatur aufgerichtet
werden kann. Die Wirbelsäule bildet dabei in der Regel mehrere,
einander gegenläufige Bögen, die sich kompensieren, um das
Körpergleichgewicht aufrecht zu erhalten (S-Form). Eine Skoliose kann
bei al en Wirbeltieren einschließlich Fischen vorkommen. Die Skoliose
beim Menschen wurde erstmals schon in der Antike vom griechischen
Arzt Hippokrates beschrieben und behandelt.
•
Andere Knochenveränderungen, z.B. an Unterschenkelknochen
•
Hoher Blutdruck
•
Lern-, Leistungs- und Verhaltensstörungen (Teil eistungsstörungen)
Diagnostik
Eine klare Diagnosestellung im Kindesalter ist schwer, da sich die meisten Symptome erst im Laufe der Entwicklung
manifestieren. Durch frühes Erkennen der Erkrankung können jedoch Komplikationen unter guten therapeutischen
Umständen vermieden werden.
Durch eine DNA-Analyse lässt sich die Mutation des 17. Chromosoms feststellen. Allerdings lässt sich nicht
voraussagen, wie sehr die NF1 ausgeprägt ist.
Ein klarer Hinweis auf eine mögliche Erkrankung ist ein Verwandter ersten Grades mit NF1.
Mindestens zwei Symptome sind zur Bestimmung der Neurofibromatose weiterhin erforderlich.
Die Kernsymptome sind Café-au-lait-Flecken (mindestens fünf) und cutane Neurofibrome, die bei jedem Erkrankten
auftreten.
Zudem kommen Lisch-Knötchen bei fast 100% der Betroffenen vor und etwa 80% weisen das Freckling auf.
Andere Symptome treten weniger häufig auf: Skoliosen (30%), Minderwuchs (15%), Macrozephalie (Vergrößerung des
Schädelumfanges und â??Kapazität, 25%).
Therapie
Neurofibromatose kann nicht ursächlich behandelt werden, da es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung handelt.
Es ist nur möglich, einzelne Symptome zu therapieren.
Allerdings ist angeraten, sich regelmäßig untersuchen zu lassen, um Schwierigkeiten in Zusam-menhang mit NF1
frühzeitig zu erkennen.
Möglich ist zum Beispiel eine operative Entfernung der Neurofibrome, was nicht einfach ist, weil die Nerven dabei oft
verletzt werden. Somit können Komplikationen durch Funktionsausfall des betreffenden Nerven und eine dadurch
verursachte Lähmung nicht ausgeschlossen werden.
Deswegen sollte der Nutzen und das Risiko sorgfältig abgewogen werden. Eine Operation ist bei einer drohenden
Erblindung, bei enormen kosmetischen Problemen oder orthopädischen und neurologischen Gründen vertretbar.
Verlauf und Prognose
Da es viele verschiedene Symptome gibt, kann NF1 selbst innerhalb einer Familie sehr unterschiedlich verlaufen. Viele
Betroffene haben lediglich wenige Pigmentflecken, sodass sie ein wei-testgehend normales Leben führen können.
Andere wiederum leiden unter bis zu 10.000 Neurofi-bromen am gesamten Körper. Auch gibt es Fälle wo sich bereits zur
Geburt deutliche Krankheits-zeichen zeigen.
Durch das Fortschreiten der Krankheit sind in einigen Fällen erhebliche Einschränkungen durch Erblindung oder
Lähmungen im lebenspraktischen Bereich möglich. Die Gefahr, dass sich bösar-tige Tumore entwickeln ist bei NF1-
Erkrankten etwas höher als bei gesunden Menschen.
Man schätzt etwa 30–40 Erkrankte auf 100.000 Einwohner, was einer
Erwartung von einem betroffenen Kind pro 2.500–3.300 Geburten
entspricht. In der Hälfte der Fälle geht man davon aus, dass eine
Neumutation zu den Veränderungen im Erbgut führt. Alle bisherigen
Beobachtungen bestätigen den autosomal dominanten Erbgang, was
bedeutet, dass ein betroffener Elternteil mit einer Wahrscheinlichkeit
von 50 Prozent (oder je nach Genotyp auch 100 Prozent) die
Erkrankung an seine Kinder weitergibt. Man findet keine
unterschiedlichen Häufigkeiten in verschiedenen Regionen der Erde
oder unter Angehörigen anderer ethnischer Gruppen. Allerdings
erkranken Männer etwas häufiger als Frauen.
Die hohe Rate der Neumutation wird mit dem Umstand erklärt, dass
das NF-1-Gen sehr groß ist und somit viel Angriffsfläche für
genetische Veränderungen bietet
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