5. Februar 2011
ROTE KARTE
FrauenundMännersind
Menschen, und die sind
vor dem Gesetz gleich. Das
steht im Grundgesetz, Artikel 3.
In der Praxis sieht’s anders aus.
Nach Was-weiß-ich-wem for-
dern nun sogar Konservative
eine Frauenquote für Chefposi-
tionen, denn Frauen sind im
Schnitt besser qualifiziert, ehrgei-
zig und zielstrebig. Leistung soll
sich lohnen. Überall, nur nicht
beim DFB. 60 000 Euro bekom-
men unsere Frauen, wenn sie bei
der Heim-WM den Titel holen.
Pro Spielerin, immerhin. Hätten
die Männer 2010 in Südafrika
nicht versagt, sie hätten 300 000
Euro mitnehmen können. Pro
Spieler. Wir lernen: Ein Mann ist
240 000 Euro mehr wert. Rote
Karte für den DFB. Felix Arl
WAS
IST
DAS?
Der Ausschnitt aus einer Haller
Schützenscheibe (Hällisch-Frän-
kisches Museum) zeigt das
Haus des Bäckermeisters Fried-
Mario Baumann (16) beschreibt beim Rhetorik-Seminar am Gymnasium bei St. Michael seinen Zuhörern ein Kreuz. Fotos: Thumi
rich Ludwig Seyboth beim Wei-
lertor (Seyboth stiftete diese
Scheibe 1843). Seine Bäckerei-
produkte hat er auf dem Fens-
Reden ist Übungssache
terbrett im Erdgeschoss zur
Schau gestellt. In dem ange-
schnittenen Gebäude rechts da-
60 Schüler am Gymnasium bei St. Michael lassen sich für Rhetorik begeistern.
neben befand sich ein Metzger-
laden, wie an den im Schaufens-
Ein Besuch in einem Seminar, in dem das richtige Sprechen gelehrt wird.
ter hängenden Fleischstücken
und Würsten zu erkennen ist.
FRANZISKA BÜRKLE
vor allem akzeptiert, sodass Fehler
konnt mit ihren Händen, was sie im
Mario
Baumann
ist
für
die
oder Pannen beim Vortragen über-
Basisseminar am Freitag erlernte.
nächste Übung an der Reihe. Er
NACHGEFRAGT
FürvieleSchüleristderSams- haupt kein Thema sind“, erklärt DieAbiturientinausWüstenrotwar ziehtauseinerTüteeinKreuz.Kurz
tagmorgen heilig. Ausschla-
Benjamin
Mahl.
Der
17-jährige
im Vorfeld sehr gespannt auf den
zögert er, dann tritt er entschlossen
fen und entspannen lautet
Schüler hatte sich zu Beginn für die
Workshop. „Ich wusste nicht, was
in die Mitte des Raumes und präsen-
das Motto, gar nicht erst an die
kürzere Variante des Seminars ange-
auf mich zukommt, doch nun bin
tiert dieses Kreuz mit treffenden
Schule denken. Dementsprechend
meldet und wollte nur am Freitag
ich begeistert.“ Nach nur zwei Ta-
und überschwänglichen Worten sei-
wirkt das Gymnasium bei St. Mi-
den Rhetorik-Kurs besuchen. „Ich
gen redet die junge Dame schon
nen Mitschüler.
chael an diesem Januar-Samstag, ei-
hatte einfach keinen Bock, am Sams-
viel selbstbewusster und freier vor
Dabei ist er ständig in Bewegung
nige Minuten vor 9 Uhr. Die sonst
tag in die Schule zu kommen“, er-
der Gruppe. Das wird ihr auch nach
und sichert sich somit die Aufmerk-
überfüllten Gänge sind wie ausge-
klärt der Schüler des Gymnasiums
samkeit seiner Zuhörer. Das sei ein
storben. Lediglich in zwei Räumen
bei St. Michael. Doch dann begeis-
Erfolg aus einer Übung des Semi-
im dritten Stock herrscht Leben.
terte ihn das Seminar am Freitag so
„Warum machen wir
nars. Enthusiastisch berichtet er im
Schallendes Gelächter im Wechsel
sehr, dass er spontan entschied,
nicht Rhetorik im
Lauf des Tages, dass er an diesem
. . .bei Stephan Wirtz, Vorsitzen-
mit emotional gehaltenen Reden.
den Samstag noch dranzuhängen.
Wochenende mehr gelernt habe als
Deutschunterricht?“
der des TSV Braunsbach: „Heute
In diesen Klassenräumen der Unter-
„Anstatt auszuschlafen komme ich
in einer Schulwoche. „Rhetorik
trifft sich der TSV zu seiner Jahres-
stufe arbeiten 60 Schüler der Ober-
hierher. Da hast du was, das dir was
braucht man immer. Ich würde so-
feier. Was war für Sie im abgelau-
stufe an ihren rhetorischen Fähig-
bringt im Leben.“
einem freien Redebeitrag von der
gar behaupten, viel mehr als jede
fenen Vereinsjahr das Highlight?“
keiten. Jeweils ein junger Mann
Derweil kommt in das Klassen-
Gruppe und den Trainern bestätigt.
klassische Lektüre. Warum machen
trägt 30 Schülern, die im Halbkreis
zimmer noch mehr Leben als zuvor.
„Auf diese sogenannten Feedback-
wir
nicht
einmal
Rhetorik
im
„Im Grunde alles Sportliche.
sitzend gespannt zuhören, kurze
Unter den Anweisungen von Nico-
runden legen wir viel Wert“, erklärt
Deutschunterricht?“,
fragt
der
Es ist gut gelaufen – trotz der
theoretische Einheiten zu diesem
las Matt stellen sich die Jugendli-
der Rhetoriktrainer Julian Hessler.
16-jährige Schüler aus Vellberg.
misslichen Umstände auf unse-
komplizierten Thema vor.
chen in Dreiergruppen jeweils ge-
„Zu Beginn werden die Schüler mit
Franziska, Benjamin und Mario
rem Platz, wo versehentlich Un-
genüberstehend auf. In der Übung
Lob in ihrem Auftritt bestärkt, da-
sind sich einig: Dieser Kurs hat sich
krautvernichtungsmittel ausge-
„Revolverwechsel“ wenden sie das
nach ist Platz für Verbesserungsvor-
gelohnt. „Am Mittwoch halte ich
bracht worden war. Nun wollen
„Da hast du was,
eben Gelernte sofort praktisch an.
schläge.“ Und diese scheinen die Ju-
ein Referat, dabei kann ich das Ge-
wir mit dem Bau von zwei Hal-
das dir was bringt
Es geht darum dem Gesprächspart-
gendlichen besonders weiter zu
lernte sofort anwenden“, ergänzt
len mit Photovoltaik die Wei-
ner exakt zuzuhören, deshalb trai-
bringen, denn oft äußert das Publi-
Mario Baumann. Ihm ist klar, dass
im Leben“
chen für die Zukunft stellen.“
nieren sie, in kurzen Diskussionen
kum an diesem Samstag den Satz
er und alle anderen Teilnehmer
die Aussagen ihres Gegenübers zu
„Du hast dich total gesteigert zu ges-
noch viel Übung brauchen werden
Sich vor eine Gruppe Menschen
wiederholen,
um
Missverständ-
tern“ an die Redner, die sich dann
um einmal die „Meister der Rheto-
stellen und frei reden – das ist be-
nisse zu vermeiden.
mit einem zufriedenen Grinsen wie-
rik“ zu werden, doch Reden ist
sonders bei Jugendlichen eher unbe-
Auch Franziska Horlacher disku-
der setzen und ihrem Nachfolger
Übungssache – und das fällt nun al-
liebt. Doch man spürt unter den
tiert intensiv und gestikuliert ge-
die Bühne überlassen.
len schon viel leichter.
Schülern aus Schwäbisch Hall eine
gewisse Energie und einen Willen,
sich zu verbessern. Immer wieder
Reden: So macht man es nicht
lacht das Publikum über den Hu-
mor der beiden Referenten. Julian
1. Baue keinen Blickkontakt auf!
Hessler und Nicolas Matt referieren
professionell und wirken locker zu-
2. Verstecke dich hinter deinem Manu-
gleich. Sie haben ihre Leidenschaft
skript!
zum Beruf gemacht. Wenn sie auch
viel Energie benötigen, um neben
3. Klimpere mit Gegenständen in deiner
dem Studium zu ihren zweitägigen
HOOLGAASCHT
Tasche!
Rhetorik-Seminaren
eine
lange
Jetzt kou mr sich Waggershoffe
Reise auf sich zu nehmen, spüren
4. Bleibe während des Vortrag an einer
sogar im Schbielzeichformat ou-
die Schüler, wie viel Spaß die bei-
Stelle stehen!
schaffe und dahom zur Eisebou
den selbst haben. Sie sind gerade
drzuastelle. Vielleicht kennt
einmal zwei Jahre älter als einige
5. Mache keine Pausen!
d’Schdadt sou noch a boar an-
der teilnehmenden Abiturienten.
dere Haller Haiser in Puppe-
Aber genau deshalb entsteht eine lo-
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stuub-Gräß vrkaafe, damit we-
ckere Atmosphäre. „Ich fühle mich
Nicolas Matt erklärt den Schülern, worauf es beim Reden ankommt.
nigschdens a bissle Geeld in Kass
kummt. Aus mir isch ja aa scho
manche Pupp g’macht worde.
Der Oldtimer-Liebhaber Friedrich Wurst restauriert seine Autos selber – unsere Serie auf Seite III
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