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stephane hessel empört euch

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stephane hessel empört euch
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  • Added: June, 12th 2011
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Emport Euch!

Unautorisierte Ubersetzung aus
INDIGNEZ-VOUS !
STEPHANE HESSEL
Auf den ersten Blick scheint der Aufruf von
Stephane Hessel an die ohnehin zur Emporung
neigenden Franzosen gerichtet zu sein.
Bei naherer Betrachtung erkennt man jedoch:
es ist ein Aufruf an alle Menschen dieses
Planeten - gerichtet an alle Menschen, die
generationsubergreifend, verantwortungsbewusst
denken und handeln wollen.

Es war uns wichtig, diesen Aufruf so schnell wie moglich in
unserem Sprachraum und in unserer Sprache zu verbreiten.
Nicht zuletzt entstand diese Arbeit auch aus der Emporung
uber die ewig Gestrigen und die aktuelle Nichtemporung" uber
einen deutschen Buchautor, der 2010/2011 das erfolgreichste
Sachbuch" aller Zeiten in Deutschland platzieren konnte.
Anstatt sich fur friedliche und konstruktive Losungen
einzusetzen, erreichte der Autor, dass der Hass und die
Gewalt innerhalb unserer Gesellschaft weiteren Nahrboden
finden. Stephane Hessel zeigt in eindrucksvollen Worten
den anderen, friedlichen, aus der Summe seiner Erfahrungen
entstandenen Weg.

Cornelia Weigel & Friedrich Kreuzeder



Emport Euch!
93 Jahre. Es ist wohl der letzte Abschnitt. Das Ende ist nicht mehr fern. Welches
Gluck, die Fahigkeit zu besitzen sich an das erinnern zu konnen, was die Basis
meines politischen Engagements dargestellt hat: die Jahre des Widerstandes und das
vor genau 66 Jahren entwickelte Programm des Nationalrates des Widerstandes! Wir
verdanken hier dem Delegierten Jean Moulin die Vereinigung aller Gruppierungen
des besetzten Frankreichs, der Bewegungen, der Parteien, der Gewerkschaften, aller,
die ihre Zustimmung fur ein kampfendes Frankreich gaben und einen einzigen
Chef anerkannten: General de Gaulle. In London, wo ich im Marz 1941 General de
Gaulle traf, erfuhr ich, dass dieser Rat ein Programm aufgestellt hatte, welches am
15. Marz 1944 angenommen wurde. Es beinhaltet Vorschlage tiefgreifender sozialer
Erneuerung fur ein befreites Frankreich, die das Fundament der neuen Demokratie
unseres Landes bilden sollte.
Diese Grundsatze und Werte brauchen wir heute mehr denn je. Es obliegt uns allen
gemeinsam darauf zu achten, dass unsere Gesellschaft eine Gesellschaft bleibt, auf
die wir weiterhin stolz sein konnen: Keine Gesellschaft die auf Menschen ohne
juristische Legitimation" mit Vertreibung reagiert, mit Argwohn Immigranten
begegnet, keine Gesellschaft, in der die Rentenanspruche und der Besitz sozialer
Sicherheit permanent in Frage gestellt werden, keine Gesellschaft, in der die Medien
ausschlielich in den Handen der Reichen" sind. Zusammenfassend alles Dinge,
die wir als echte Erben des Nationalrates des Widerstandes nicht gutgeheien hatten.
Seit 1945, nach einem entsetzlichen Drama, gibt es ein anspruchsvolles
Wiederaufleben der bestehenden Krafte im Inneren des Widerstandsrates. Erinnern
wir uns, dass die soziale Sicherheit im Sinne des Widerstandes begrundet wurde,
mit dem Ziel, allen Menschen das Grundbedurfnis nach materieller Sicherheit zu
gewahrleisten. Ganz besonders in Zeiten, in denen sie nicht oder nur unzureichend
aus eigener Kraft, fur ihr existenzielles Uberleben sorgen konnen. Eine Rente, die
allen Arbeitnehmern einen wurdevollen Lebensabend sichert. Die Energiequellen
Strom und Gas, die Kohlebergwerke, die groen Banken sind nationalisiert. Das
Programm empfiehlt die Ruckkehr zur Nation der groen, monopolistischen
Produktionsmoglichkeiten, Frucht der gemeinsamen Arbeit, der Energiequellen,
der Bodenschatze, der Versicherungen und groen Banken"; die Einrichtung
einer wirklich wirtschaftlichen" und sozialen Demokratie, die die Abschaffung des
wirtschaftlichen und finanziellen Feudalismus beinhaltet."
Das Interesse der Allgemeinheit muss vorrangig vor dem Interesse des Einzelnen
sein, die gerechte Aufteilung des durch die Arbeitswelt geschaffenen Reichtums

vorrangig vor der Macht des Geldes. Der Widerstand empfiehlt: eine vernunftige
Organisation der Wirtschaft, mit der Gewahrleistung einer Unterordnung des
Einzelinteresses unter das Gemeininteresse und der Befreiung aus der Diktatur, wie
es in den faschistischen Landern sichtbar war". Diese Forderung wurde durch die
vorlaufige Regierung der Republik verstarkt.
Wahre Demokratie benotigt eine unabhangige Presse. Der Widerstand ist sich dessen
bewusst, fordert und verteidigt die Pressefreiheit, das Ansehen ihrer Unabhangigkeit
hinsichtlich des Staates, der Macht des Geldes und der auslandischen Einflusse. Dies
verstarkt noch die seit 1944 bestehenden Forderungen an die Presse. Allerdings ist
genau das heute in Gefahr.
Der Widerstand fordert: die effektive Moglichkeit fur alle franzosischen Kinder,
ohne Selektion oder Beschrankung von einer hochentwickelten Schulerziehung
zu profitieren, aber die vorgeschlagenen Reformen in 2008 richten sich gegen
diese Vorhaben. Junge Lehrer, deren Aktionen ich unterstutze, verweigerten die
Anwendung dieser Reformen und als Strafe wurden ihre Gehalter gekurzt. Sie haben
sich emport, waren ungehorsam", haben diese Reformen als zu weit entfernt
vom Ideal einer republikanischen Schule gesehen. Diese jungen Lehrer sahen die
Reformen uberwiegend zu Gunsten der Leistungsgesellschaft und ohne ausreichende
Berucksichtigung des kreativen und kritischen Potenzials.
Die Basis der sozialen Errungenschaften wird somit heute in Frage gestellt.
Das Motiv des Widerstandes ist die Emporung
Man wagt es uns zu sagen, der Staat konne die Kosten dieser sozialen Errungen-
schaften nicht mehr tragen. Aber wie kann heute das Geld fehlen, obwohl der
Reichtum seit der Befreiung nach 1945 exorbitant angestiegen ist. Dies scheint
nur moglich, weil die von der Resistance bekampfte Macht des Geldes niemals so
gro, so anmaend und egoistisch war wie heute und bis in die hochsten Range des
Staates hinein, uber eigene Interessensvertreter verfugt. Die inzwischen privatisierten
Banken kummern sich nur noch um ihre Dividenden und die ausufernden
Einkommen ihrer leitenden Manager, nicht aber um das Gemeinwohl. Die Kluft
zwischen Arm und Reich wird standig groer und das Streben nach Geld und
Einfluss gewinnt immer mehr an Bedeutung.
Das Grundmotiv des Widerstandes war die Emporung. Wir, die Veteranen der Wider-
standsbewegung und der kampfenden Krafte des freien Frankreichs, appellieren

an die junge Generation, das Erbe des Widerstandes und die Ideale neu aufleben
zu lassen und sie weiter zu verbreiten. Wir sagen ihnen: nehmt es auf Euch,
emport Euch!" Die Verantwortlichen der Politik, Wirtschaft, die Intellektuellen
und die Gesamtheit der Gesellschaft durfen nicht klein beigeben, sich auch nicht
beeindrucken lassen durch die aktuelle internationale Diktatur der Finanzmarkte,
die den Frieden und die Demokratie bedrohen.
Ich wunsche Euch allen, jedem einzelnen von Euch, sein eigenes Motiv der Em-
porung zu seiner Herzensangelegenheit zu machen, denn diese ist ein kostbares
Gut. Wenn Euch etwas emport, so wie mich der Nazismus emport hat, dann wird
man streitbar, stark und engagiert. So gestaltet man den Lauf der Geschichte mit,
und der groe Lauf der Geschichte muss sich, dank jedem Einzelnen, hin zu mehr
Gerechtigkeit und Freiheit fortsetzen - weg von der unkontrollierten Freiheit
eines Fuchses im Huhnerstall". Die Rechte, die durch die Allgemeine Erklarung der
Menschenrechte von 1948 zu Papier gebracht wurden, sind universell. Wenn Ihr
jemandem begegnet, den man nicht daran Teil haben lat, emport Euch mit ihm
und helft ihm, diese Rechte durchzusetzen.
Zwei Betrachtungsweisen der Geschichte
Wenn ich versuche zu verstehen, was den Faschismus verursacht hat sage ich
mir, dass ihre Anhanger furchterliche Angst vor der bolschewistischen Revolution
hatten. Der Faschismus und das Vichy-Regime haben uns deshalb uberrollt. Aber
wenn sich heute wie damals, eine Minderheit Gehor verschafft, wurde diese Hefe
ausreichen, um den Teig aufgehen zu lassen. Sicher, die Erfahrung eines sehr Alten
wie mir, der in 1917 geboren wurde, unterscheidet sich von den Erfahrungen der
jungen Leute von heute. Ich bitte oft Hochschullehrer um die Erlaubnis, mit ihren
Schulern sprechen zu durfen und ich sagen ihnen: ihr habt nicht die gleichen
offensichtlichen Grunde, um euch zu engagieren. Fur uns Widerstandler war der
erste Grund, die deutsche Besatzungsmacht nicht zu akzeptieren. Das war relativ
einfach nachvollziehbar. Die nachfolgende Dekolonialisierung war ebenso einfach
zu verstehen. Dann folgte der Krieg in Algerien. Es war offensichtlich, dass Algerien
unabhangig werden musste.
Beim Sieg der Roten Armee uber die Nazis in 1943 bei Stalingrad haben wir noch
alle applaudiert. Aber als wir 1935 uber die groen stalinistischen Vorhaben
Kenntnis erlangten und uns bewusst war, dass wir offene Ohren gegenuber dem
Kommunismus haben mussten, war die Notwendigkeit sich diesem totalitaren
Systems zu widersetzen, offensichtlich. Ebenso wie es notwendig war, dem

amerikanischen Kapitalismus entgegenzutreten und seiner ungehinderten
gewaltsamen Ausbreitung Grenzen aufzuzeigen.
Mein langes Leben hat mir eine ganze Reihe von Grunden
gegeben, mich zu emporen.
Diese Grunde sind weniger aus einem Gefuhl heraus entstanden, sondern aus dem
Willen sich fur etwas einzusetzen. Der junge Normale" der ich war, wurde sehr
durch Jean-Paul Sartre gepragt, einem alteren Mitschuler. Die Werke Der Ekel,
Die Mauer, Das Sein und das Nichts, waren sehr wichtig fur meine gedankliche
Entwicklung. Sartre hat uns gelehrt, uns selbst zu sagen: Ihr seid als Individuum
verantwortlich." Das war eine befreiende Botschaft. Die menschliche Verantwortung,
die sich weder einer Macht noch einem Gott zu unterwerfen hat. Im Gegenteil,
man muss sich im Namen seiner Personlichkeit verantworten. Als ich 1939 in die
Schule kam, Rue d' Ulm, in Paris, war ich ein leidenschaftlicher Anhanger des
Philosophen Hegel und ich besuchte ein Seminar von Maurice Merleau-Ponty.
Sein Unterricht befasste sich mit der konkreten Erfahrung des Korpers und dessen
Beziehung zur Dualitat der Sinne. Aber mein naturlicher Optimismus der sich
wunscht, dass alles Wunschenswerte auch moglich ist, lie mich Hegel naher
stehen. Der Hegelianismius" interpretiert die lange Menschheitsgeschichte als eine
stufenweise, fortschreitende Entwicklung der Freiheit des Menschen. Die Geschichte
besteht aus einer Reihe aufeinanderfolgender, heftiger Erschutterungen als Preis
dieser Herausforderung. Die Gesellschaftsgeschichte schreitet voran, und am Ende,
nachdem der Mensch seine vollstandige Freiheit erlangt hat, erreichen wir den
demokratischen Staat in seiner Vollendung.
Naturlich gibt es auch andere Betrachtungsweisen der Geschichte. Die gemachten
Fortschritte durch Freiheit, Wettbewerb, das Rennen um immer mehr", konnen
wie ein zerstorerischer Wirbelsturm wirken. Verkorpert wird dies durch einen Freund
meines Vaters, der Mann, der gemeinsam mit ihm die Aufgabe hatte, das Buch
Die Suche nach der verlorenen Zeit" von Marcel Proust, ins Deutsche zu
ubersetzen. Es ist der deutsche Philosoph Walter Benjamin. Er interpretierte
ein Gemalde des schweizerischen Malers Paul Klee den Angelus Novus" als
pessimistische Botschaft. Die Figur des Engels der Geschichte" offnet die Arme,
als ob er ein Unwetter zuruckhalten oder zuruckstoen wollte, was fur Benjamin
gleichbedeutend mit der Unaufhaltsamkeit des Fortschritts ist. Fur Benjamin, der
um den Nazis zu entkommen, im September 1940 Selbstmord beging, liegt der Sinn
der Geschichte im unaufhaltsamen Weg von Katastrophe zu Katastrophe.

Gleichgultigkeit ist die schlimmste Haltung
Die Grunde sich zu emporen konnten heute als weniger klar erscheinen, da die
Welt zu komplex ist. Wer bestimmt, wer entscheidet? Es ist nicht immer einfach zu
unterscheiden, welche Stromungen uns gerade regieren. Wir haben es nicht mehr
mit einer kleinen Elite zu tun, von der wir klar verstehen, warum sie so handelt. Es
ist eine groe Welt, in der wir merken, dass gegenseitige Abhangigkeit herrscht. Wir
leben in einer noch nie da gewesenen, globalen Verknupfung. Aber in dieser Welt
gibt es unertragliche Dinge. Um sie zu sehen, muss man sehr genau hinschauen,
suchen. Ich sage den jungen Leuten: sucht ein bisschen, ihr werdet sie finden".
Die schlimmste Haltung ist die Gleichgultigkeit, die bedeutet: ich kann nichts
dafur, ich komme schon klar". Mit einem solchen Verhalten verliert ihr einen
unverzichtbaren Bestandteil der Menschlichkeit. Es ist die Emporung und das
daraus resultierende Engagement.
Man kann schon jetzt zwei groe neue Herausforderungen erkennen:
1. Die sich stetig vergroernde immense Kluft, die zwischen den Armsten und
den Reichsten dieser Welt besteht. Die in dieser Auspragung erst im XX. und XXI.
Jahrhundert aufgetreten ist. Die Armsten dieser Welt verdienen heute weniger als
2 Dollar am Tag. Man darf diese Kluft nicht noch tiefer werden lassen. Allein diese
Feststellung muss Engagement wecken.
2. Die Menschenrechte und der Zustand unseres Planeten. Nach der Befreiung hatte
ich das Gluck, als Mitautor bei der Formulierung der Allgemeinen Deklaration der
Menschenrechte mitwirken zu konnen. Die UNO verabschiedete diese am
10. Dezember 1948 im Palais Chaillot in Paris.
Unter der Leitung des Kabinetchefs Henri Laugier, als stellvertretendem General-
sekretar der UNO, und Sekretar der Gemeinschaft der Menschenrechte habe ich,
zusammen mit anderen an der Abfassung dieser Erklarung mitgewirkt. Nie werde
ich die Rolle von Rene Cassin bei der damaligen Ausarbeitung vergessen. Er war
in 1941 Nationalkommissar fur Justiz und Erziehung der freien franzosischen
Regierung in London und erhielt den Friedensnobelpreis in 1968. Ebenfalls unver-
gessen bleibt die Rolle von Pierre Mendes-France im Wirtschafts- und Sozialrat,
der fur die von uns erarbeiteten Texte verantwortlich war, bevor sie von der Dritten
Kommission der Nationalversammlung hinsichtlich der sozialen, humanitaren
und kulturellen Fragen gepruft wurden. Ich unterstutzte die Arbeit des Sekretariats
der Kommission, die aus den 54 damaligen Staatsmitgliedern der Vereinten
Nationen bestand. Wir verdanken Rene Cassin den Begriff universell" und nicht
international", wie es unsere angelsachsischen Freunde vorgeschlagen hatten.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges ging es um die Befreiung von den Gefahren,
die der Totalitarismus der Menschheit gebracht hatte. Somit war es notwendig, dass
sich die Vereinten Nationen zur Achtung dieser universellen Rechte verpflichteten.
Auf diese Weise kann sich ein Staat, der die Verletzung der Menschenrechte in
seinem Land toleriert, nicht auf seine Souveranitat berufen. Dies war bei Hitler
der Fall, der sich als uneingeschrankter Herrscher seines Landes sah und einen
Volkermord veranlasste. Die Erklarung der Menschenrechte verdankte viel dem
weltweiten Abscheu vor Nazionalsozialismus, Faschismus und Totalitarismus und
durch unsere Anwesenheit, auch dem Geist der Resistance. Ich fuhlte, dass wir uns
beeilen mussten, um nicht durch die geheuchelte Zustimmung der Sieger betrogen
zu werden die nicht die Absicht hatten, diese Werte auch loyal zu fordern. Wir
versuchten ihnen diese Verpflichtung aufzuerlegen.
Ich zogere nicht, den Artikel 15 der universellen Deklaration der Menschenrechte zu
zitieren: Jeder Mensch hat Anspruch auf eine Staatsangehorigkeit.";
den Artikel 22: Jeder Mensch hat als Mitglied der Gesellschaft Recht auf soziale
Sicherheit; er hat Anspruch darauf, durch innerstaatliche Manahmen und inter-
nationale Zusammenarbeit unter Berucksichtigung der Hilfsmittel jedes Staates,
in den Genuss der fur seine Wurde und die freie Entwicklung seiner Personlichkeit
unentbehrlichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen."
Selbst wenn diese Deklaration lediglich eine deklarative und keine rechtliche
Funktion hat, spielt sie seit 1948 keine geringe Rolle. Kolonialisierte Volker nutzten
diese Deklaration als gedankliche Inspiration zu ihrem Kampf fur Unabhangigkeit
und Freiheit.
Ich stelle mit Freuden fest, dass sich in den letzten Jahrzehnten die nicht-staat-
lichen" Organisationen vermehrt haben: soziale Bewegungen wie Attac (Gesellschaft
fur die Uberprufung von finanziellen Transaktionen), FIDH (Internationale Gesell-
schaft fur Menschenrechte), Amnesty International (internationale Gemeinschaft
von MenschenrechtsverteidigerInnen), sind aktiv und erfolgreich. Es ist klar,
um heute maximale Wirkung zu erzielen, muss man sich in einem Netzwerk
organisieren, um alle modernen Kommunikationsmittel effektiv nutzen zu konnen.
Den jungen Leuten sage ich: schaut euch um, ihr findet genug Themen, euch zu
emporen - wie man mit den Immigranten umgeht, mit Menschen ohne juristische
Legitimation" (illegale Einwanderer), mit den Roma und Sinti. Ihr werdet konkrete
Situationen finden, die euch zu kraftvollem Handeln als Burger veranlassen werden.
Sucht und ihr werdet finden!

Meine Emporung bezuglich Palastina
Heute, gilt meine Hauptemporung Palastina, dem Gaza-Streifen, dem Westjordan-
land. Dieser Konflikt ist Hauptquelle meiner Emporung. Man muss dazu unbedingt
den Report von Richard Goldstone vom September 2009 uber Gaza lesen, indem
dieser sudafrikanische Richter und Jude, der sich selbst Zionist nennt, die israelische
Armee beschuldigt, wahrend ihrer dreiwochigen Operation Plomb durci" (hartes
Blei) kriegsverbrecherahnliche Aktionen, in einigen Fallen sogar Verbrechen gegen
die Menschenrechte begangen zu haben.
Ich selbst bin mit meiner Frau in 2009 nach Gaza zuruckgekehrt, konnte dank
unserer diplomatischen Passe einreisen, um uns mit eigenen Augen von den Aus-
sagen des Berichtes zu uberzeugen. Die Leute, die uns begleiteten, hatten keine
Einreiseerlaubnis fur den Gaza-Streifen sowie fur das Westjordanland. Wir haben
die Fluchtlingslager der Palastinenser besucht, die seit 1948 durch die UNRWA
(Hilfswerk der Vereinten Nationen fur Palastina-Fluchtlinge im Nahen Osten) be-
stehen. Dort warten mehr als 3 Millionen von Israel aus ihrem Land vertriebene
Palastinenser auf ihre Ruckkehr, die immer problematischer wird. Gaza ist ein
Gefangnis mit offenem Himmel fur 1,5 Millionen Palastinenser. Ein Gefangnis, in
dem sie ihr Uberleben organisieren. Mehr noch als die materiellen Zerstorungen,
wie die des Rot-Kreuz-Krankenhauses durch die Plomb durci", war es das Verhal-
ten der Bewohner von Gaza, ihr Patriotismus, ihre Liebe zum Meer und den
Stranden, ihre stetigen Bemuhungen um das Wohlbefinden ihrer unzahligen und
lachenden Kinder, das unser Denken nicht loslasst. Wir waren beeindruckt von
der erfinderischen Art der Menschen, mit der sie den auferlegten groen Mangel
bewaltigen. Wir haben sie erlebt bei der Fabrikation von falschen Zementsteinen, um
tausende, von Panzern zerstorte Hauser wieder aufzubauen. Man hat uns bestatigt,
dass es 1400 Tote gab - Frauen, Kinder, Alte - eingesperrt im Palastinensischen
Lager, wahrend dieser von der israelischen Armee durchgefuhrten Operation Plomb
durci". Auf israelischer Seite gab es dagegen nur 50 Verletzte zu beklagen. Ich teile
die Schlussfolgerungen des sudafrikanischen Richters, Richard Goldstone: Nur
die Juden durfen Kriegsverbrechen begehen." Das ist unertraglich. Leider zeigt die
Geschichte, dass nur wenige Volker eine Lehre aus ihrer eigenen Geschichte ziehen.
Ich wei, dass die Hamas, die bei den letzten Wahlen gewonnen hatte, nicht ver-
hindern konnte, dass Raketen auf israelische Stadte geschossen wurden. Als Antwort
auf die Situation der Isolation und die Blockade der Gaza-Bewohner. Mit Sicherheit
ist der Terrorismus inakzeptabel, aber man muss unter Berucksichtigung der weit
uberlegenen militarischen Mittel der Gegenseite bedenken, dass die Reaktion der
Bevolkerung nicht gewaltfrei sein kann.

Nutzt es der Hamas Raketen auf die Stadt Sderot abzuschiessen? Die Antwort ist
Nein". Es dient nicht der Sache, aber man kann diese Geste als Verzweiflungsakt
der Gaza-Bewohner verstehen. In der Aussage Verzweiflungsakt" muss man die
Gewalt als eine bedauerliche Folge von Zustanden sehen, die fur die Menschen die
darunter leiden inakzeptabel sind. Man kann also sagen, dass Terrorismus eine
Form von Verzweiflung ist. Und dass diese Verzweiflung eine negative Ausdrucksform
ist. Man sollte nicht verzweifeln, sondern hoffen. Die Verzweiflung ist das Versagen
der Hoffnung. Sie ist verstandlich, ich mochte fast sagen, sie ist naturlich, und
trotzdem darf sie nicht akzeptiert werden. Denn sie erlaubt keine Ergebnisse, die
vielleicht Hoffnung erzeugen konnen.
Wir mussen lernen, den Weg der Gewaltlosigkeit zu gehen
Ich bin uberzeugt, dass die Zukunft der Gewaltlosigkeit und der Versohnung
der verschiedenen Kulturen gehort. Auf diesem Weg sollte die Menschheit ihren
nachsten Schritt gehen. Und dann, ich beziehe mich auf Sartre, kann man die
Terroristen, die Bomben werfen, nicht entschuldigen, aber man kann sie verstehen.
Sartre schreibt in 1947:" Ich sehe, dass Gewalt, in welcher Form sie sich auch immer
zeigt, eine Niederlage ist. Aber es ist eine unvermeidbare Niederlage, weil wir uns in
einem gewalttatigen Universum befinden. Und wenn es wahr ist, dass die Zuflucht
in die Gewalt immer Gewalt bleibt, mit dem Risiko sie zu verewigen, so ist es auch
wahr, dass sie die einzige Moglichkeit ist, sie zu beenden." Hier fuge ich ein, dass
die Gewaltlosigkeit ein wesentlich sichereres Mittel ist, um Gewalt zu beenden. Man
kann die Terroristen nicht unterstutzen, wie Sartre dies im Namen seiner Ideologie
lange Zeit tat: z.B. wahrend des Algerienkriegs, oder beim Attentat gegen israelische
Sportler wahrend der Olympischen Spielen in Munchen 1972. Es bringt doch nichts
und selbst Sartre hatte sich am Ende seines Lebens nach dem Sinn des Terrorismus
fragen mussen und dessen Daseinsberechtigung in Frage gestellt. Zu wissen: dass
Gewalt ihre Wirkung verfehlt, ist wohl wichtiger als zu wissen, ob man diejenigen
die Gewalt anwenden verurteilen soll oder nicht. Der Terrorismus hat keine effek-
tive Wirkung. In der Bewertung Wirksamkeit" braucht man die Hoffnung auf
Gewaltlosigkeit. Wenn es eine gewalttatige Hoffnung gibt, dann allenfalls in der
Poesie von Guillaume Apollinaire: Moge die Hoffnung gewaltsam sein" aber nicht
in der Politik. Sartre erklarte im Marz 1980, drei Wochen vor seinem Tod: Man
muss versuchen zu erklaren, warum die Welt von heute, die schrecklich ist, nur
einen kurzen Ausschnitt in der langen geschichtlichen Entwicklung darstellt". Die
Hoffnung war immer eine dominierende Kraft der Revolutionen und der Aufstande.
Hoffnung bedeutet fur mich die Gestaltung der Zukunft: Man muss begreifen, dass
die Gewalt der Hoffnung den Rucken zukehrt. Man muss stattdessen der Hoffnung
den Vorzug geben wollen, der Hoffnung auf Gewaltlosigkeit".

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