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Klassenkampf statt Dominanz
Zur Geschichtsschreibung der philosophischen Idealisten

Zu allererst möchte ich davor warnen mich der Diskriminierung religiöser Menschen zu
bezichtigen. Ich lasse jedem Menschen seinen Glauben an was auch immer. Diese Kritik ist
eine Kritik der christlichen Kirche und Religion. Ich strebe keine antireligiöse Hetze und
Gotteslästerei an, sondern eine Kritik an der Geschichtsschreibung der philosophischen
Idealisten, der sie sich – sollte es tatsächlich einen unfehlbaren Gott geben – ohne weitere
Probleme stellen müssen.

Nicht ich muss meine Position beweisen, da ich nicht behaupte es gäbe einen Gott. Ich kann
ihn nicht sehen und fühlen, er ist also materiell nicht nachweisbar. Es liegt also an den
philosophischen Idealisten seine Existenz zu beweisen, da sie behaupten, dass es einen Gott
geben würde. Es wäre aber irrational und paradox etwas, was objektiv nicht nachweisbar ist,
zu beweisen. Desweiteren „macht der Mensch die Religion, die Religion macht nicht den
Menschen
“ (Marx). Die Kritik an der selbigen ist also die Voraussetzung aller Kritik.

Anlass für diese Arbeit ist die Lehre der Christen an Schulen und Universitäten zur
menschlichen Geschichte, die sie als Geschichte von „Dominanzsystemen“ zu verstehen
meinen. Auf diese Sichtweise werde ich im Folgenden eingehen und ihr die dialektisch
materialistische Weltanschauung gegenüberstellen.

Dominanzsysteme: Die idealistische Geschichtsschreibung

Für die Christen gibt es – unabhängig von welchem Gesellschaftstyp die Rede ist – immer
fünf Lebensbereiche, die sich folgendermaßen aufteilen lassen:

Privat- und Familienleben
Staat und Politik
Wissenschaft, Bildung und Kultur
Arbeit und Wirtschaft
Glaube und Religion

Ökonomische und materielle Grundlagen spielen also keine große Rolle und sind nur ein Teil
der fünf Lebensbereiche. Wissenschaft, Bildung, Kultur, Politik und Staat scheinen also auf
den ersten Blick völlig unabhängige Institutionen zu sein, die in jedem Wirtschaftssystem
gleich vorhanden sein könnten.

Die letzten Jahrhunderte unterteilen die Christen nun in weitere vier Bereiche, bei denen je
ein „Lebensbereich“ die anderen zu „dominieren“ scheint. Diese werde ich nun in den
etwaigen Worten eines Idealisten wiedergeben, entsprechen also nicht meine Meinung.


1. Im Mittelalter dominierten nach Ansicht der Idealisten Glaube und Kirche, was sie
auch als Klerikalismus verstehen. Im Privatleben scheint jeder einzelne von der
„Wiege bis zur Bahre“ ein kirchlich nominiertes Leben geführt zu haben. Kreuzzüge
und der Investiturstreit zählen im Mittelalter zum politischen Bereich, während
Bildung nur für manche in Klöstern zugänglich war. Wirtschaft bestand nur aus
Ablasshandel.
2. Dem Mittelalter folgte nun die Epoche der Aufklärung, in der nun der Rationalismus,
Philosophie und Wissenschaft die anderen Lebensbereiche dominierten. Das Subjekt
erfuhr nun eine Aufwertung, während gleichzeitig der Krieg als Mittel der Politik
entdeckt wurde. In der Wirtschaft brach allmählich die Erfindung von Maschinen an
und der Glaube erfuhr nun den zurückweisenden Einfluss der Vernunft auf den
früheren Totalitarismus der Kirche im Mittelalter.
3. Im 20. Jahrhundert herrschte das Dominanzsystem des totalen Staates und der
Diktaturen. Hiermit werden die Ostblockstaaten und faschistischen Regime
gleichermaßen gemeint und sogar miteinander gleichgesetzt. Das Privatleben sei nun
von Enteignung und Überwachung geprägt, während despotische Mächte nun die
Demokratie abgeschafft haben. Im Nationalsozialismus erfuhr der kulturelle Bereich
nun die Lehre von der arischer Rassentrennung und Kunst, wofür auch etliche Bücher
verbrannt wurden. Die Wirtschaft finanzierte sich durch Waffenbau und war nichts
weiter als eine Kriegswirtschaft, während die Ostblockstaaten unter Planwirtschaft
lebten. Im religiösen Bereich wird die Judenverfolgung unter Hitler verstanden.
4. Unsere Zeit, das 21. Jahrhundert begreifen die Christen als die Zeit des
„Ökonomismus“, in dem die Globalisierung die Vereinzelung des einzelnen fördert
und Mobilität verhindert.

Nach dem wir nun die typische Sichtweise eines Christen gehört haben, gilt es nun, sie in
Frage zu stellen und zu überprüfen.

Klassenkampf: Zur materialistischen Realität

Die philosophischen Materialisten leiden an dem Vorurteil eines ideologischen Begriffs. Die
Mehrheit der Menschen versteht den Begriff „Materialismus“ als Gier nach immer mehr
oder teilweise als die Ansammlung von Luxusartikeln. Bevor wir nun zu einer Kritik der
idealistischen Sichtweise kommen, gilt es erst einmal zu klären, worin sich die idealistischen
von den materialistischen Philosophen unterscheiden.

Was Friedrich Engels als die „Grundfrage der Philosophie“ beschreibt, ist heute immer noch
dieselbe: „Das Verhältnis von Denken und Sein. […] Was ist das Ursprüngliche, der Geist oder
die Natur?
“ Für die Materialisten geht die Materie dem Bewusstsein voraus, was der
philosophische Idealist genau umgekehrt sieht. Was sich aber mittels der Wissenschaft
beweisen lässt, sind die Prozesse des Gehirns (Denken, Fühlen, usw.), welche biochemische
Prozesse sind, die in diesem Sinne als materiell zu begreifen sind. Der Idealist ist ein Gegner
der Wissenschaft, da er dies leugnet und den Menschen als „gottesähnliches“ Wesen

begreift. Er negiert also, dass der Mensch nur ein Tier ist, welches ein fortgeschritteneres
Gehirn (Bewusstsein, Logik, etc.) besitzt als andere Tiere.

Idealismus ist also das Gegenteil von Materialismus. Um mit den Worten von Engels zu
sprechen: „Diejenigen, die die Ursprünglichkeit des Geistes gegenüber der Natur
behaupteten, also in letzter Instanz eine Weltschöpfung irgendeiner Art annahmen [...]
bildeten das Lager des Idealismus. Die anderen, die die Natur (Materie) als das Ursprüngliche
ansahen, gehören zu den verschiedenen Schulen des Materialismus.“

Der Materialismus ist die Philosophie der Marxisten und ist neben dem wissenschaftlichem
Sozialismus und der politischen Ökonomie nur ein Teilbereich des Marxismus. Marxisten sind
überdies Anhänger der Dialektik und vermutet in jedem Gegenstand und Sachverhalt zwei
Seiten zu sehen, die auch als Widerspruch zu verstehen sind. Diese sich negierenden Seiten
bilden eine Synthese und sorgen so für einen Fortschritt. In diesem Sinne verstehen sie
Natur, Politik, Ökonomie und eben auch die Geschichte.

Die Marxisten verstehen die Geschichte „aller bisherigen Gesellschaft [als] die Geschichte
von Klassenkämpfen
“, vermuten also nicht die Dominanz irgendeines Lebensbereiches über
einen anderen, sondern den Ursprung von gesellschaftlichen Veränderungen auf der
ökonomischen und letztendlich materiellen Basis. So entwickelte sich die Urgesellschaft
(auch als Urkommunismus bezeichnet, da die Menschen gemeinsam jagten und für die
Gemeinschaft sammelten) mit dem Aufkommen erhöhter Produktivkräfte und damit
verbundenen Mehrprodukten die Sklavenhaltergesellschaft. Diese entwickelte sich zum
Feudalismus, der sich letztendlich zum Kapitalismus entwickelte.

Was der philosophische Idealist also als „Ökonomismus“ versteht, ist ein Gesellschaftstyp,
welchen es nicht erst seit dem 21. Jahrhundert, sondern seit mehr als 150 Jahren gibt.
Seinen Anfang machte dieses System mit der industriellen Revolution, die es ermöglichte mit
Maschinen zu produzieren. Somit stiegen die Produktivkräfte enorm, ebenso wie die Profite
einzelner Kapitalisten. Der Grundwiderspruch dieses Systems jedoch ist, dass trotz hoher
Produktivkraft und weitestem technischen Fortschritt die Hälfte der Weltbevölkerung
ebenso viel besitzt wie ein paar Hundert Kapitalisten.

Wer meint, Bildung und Kultur können unabhängige neben den wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen existieren, begeht einen logischen Fehler. In der Schule wird nur
gelernt, was de facto Systemrelevant und –affirmativ ist. Das Ökonomisieren von Studium
(man denke an das neue Bachelor-Master-System) und das Kürzen des 9-Jährigen
Gymnasiums auf 8 Jahre sind Faktoren, die zur Schaffung schnell einsetzbarer und
produktiver Arbeitskräfte notwendig sind. Denn wer schneller aus der Schule ist, kann noch
schnell seinen Bachelor absolvieren und ist dann im Idealfall schon 2-3 Jahre früher fertig
wie es früher der Fall war.

Der Staat ist keine Institution die es einfach so gibt um das Zusammenleben der Menschen
zu gestalten, vielmehr übt er durch Polizei und Militär Druck auf die arbeitende Bevölkerung
aus, sich den verlangten Forderungen der Unternehmen zu beugen. Denn egal ob wir in
einer faschistischen Diktatur oder parlamentarischen Demokratie leben, ist der Staat immer
nur der Überbau für die ökonomische Basis. Um mit den Worten von Marx zu sprechen,
bedingt nicht der Staat „die bürgerliche Gesellschaft, sondern umgekehrt, die bürgerliche

Gesellschaft regelt und bedingt den Staat. Politik und Geschichte sind aus ihren
ökonomischen Verhältnissen und ihrer Entwicklung zu erklären und nicht umgekehrt
“. Um
diese These zu unterstreichen, sei die Zusammenarbeit der Nazis mit großen Firmen wie
Thyssen und Krupp genannt. In unserer Zeit mag ich nur kurz den postdemokratischen
Wandel erwähnen, den Colin Crouch in seiner Arbeit sehr gut darlegt, in dem er erklärt, wie
immer mehr die Lobbyisten- und Interessengruppen Einfluss auf parlamentarische
Entscheidungen ausüben.

Fazit: Klassenkampf statt Dominanz

In Folge der Fehlinterpretation beschreiben philosophische Idealisten aus ihrem Halbwissen
heraus auch die Planwirtschaft als falsch. Fraglich ist ihre Argumentation schon, wenn sie
andererseits verlangen, dass alle Menschen wie Brüder und Schwestern leben sollen. Denn
eine wirtschaftliches System wie die Marktwirtschaft, die ja zwangsläufig durch Armut erst
existieren kann, wird dies nie möglich sein. In ihr gibt es anarchische Produktion, in der jedes
Unternehmen für sich produziert. Was wir brauchen ist eine Wirtschaft in der die
Unternehmen solidarisch miteinander planen und gezielt produzieren. Natürlich muss das
nicht zwangsläufig eine Wirtschaft sein, wie wir sie vom Realsozialismus kennen, sondern
eine, die neuentwickelt werden muss.

Die Christen weigern sich aber die Klassenunterschiede und den daraus resultierenden
Klassenkampf anzuerkennen und stellen sich damit auf die Seite der Ausbeuter und
Unterdrücker. Die Phrasen von Almosen und Gebeten für die Armen sind nichts weiter als
Selbstbetrug und Heuchelei im großen Stil. Meine Entscheidung steht fest, ich trete mit
sofortiger Wirkung aus dem Verband der organisierten Manipulation aus. Ich will mehr tun,
als nur beten und auf eine Verbesserung zu hoffen. Wer nichts dagegen tut, stimmt den
realen Verhältnissen zu. Und das widerspricht sogar dem Humanismus und Christentum.

Religion ist Opium fürs Volk.“ (Marx)

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