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Waldorf-Frommer: "Musikanwälte und der Sog der Rezession"

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Waldorf-Frommer: "Musikanwälte und der Sog der Rezession"
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-= Abmahnwahn =-

Kanzlei Waldorf-Frommer
"Musikanwalte" und der "Sog der Rezession"



02.11.2010, lawblog.de: "EU-Recht, Sie verstehen", Autor: RA Udo Vetter
"Heute hatte ich mal wieder einen Abmahnanwalt am Telefon. [...] Er war nur
beauftragt, telefonisch nachzuhaken, ob wir nicht doch ein paar Euro zahlen
wollen. Man konne sich ja verstandigen. Irgendwo. Irgendwie. Irgendwann.
"

internet-law.de: "Filesharing: Rustet Waldorf auf?", 02.11.2010, Autor: RA Thomas Stadler
"Die Kanzlei Waldorf Frommer, einer der deutschen Big Player im
Massengeschaft der Filesharing-Abmahnungen, [...] Haben die Kollegen
Waldorf etwa personell aufgerustet?
"

02.11.2010, palawa.de: "Konjunkturmotor Filesharing-Abmahnung?",Autor: RA A. Schultz
"Wer ein wenig den "Filesharing-Acker" bestellt, der wird wissen, dass die
"Waldorfs" zu den wenigen Kanzleien aus der Riege der Filesharing-Abmahn-
Kanzleien gehoren, die auch mal von sich aus zum Telefonhorer greifen, um
weitere Details zum Sachverhalt in Erfahrung zu bringen. [...] Wer in die
"Details" schaut, der wird im Weiteren bemerken, dass ein nicht
unbetrachtlicher Teil der Zulassungen in den Jahren 2008 bis 2010 erfolgte.

Kurzum: Die Kanzlei hat - aus welchen Grunden nun auch immer -
uber die Jahre machtig zugelegt. [...] Da soll mal einer sagen, dass es
auf dem anwaltlichen Arbeitsmarkt keine Jobs mehr gibt!"




Und diesen Punkt hat scheinbar besonders die Kanzlei Waldorf-Frommer fruhzeitig
verstanden.

So verfasste im Februar 2005 (veroffentlicht am 11.02.2005) die Munchener Anwaltin Rain
Ama Walton
fur die Musikwoche (Das Fachmagazin fur die Musikbranche") ein Dossier mit
dem Titel:


Musikanwalte"


"Wie sich Fachjuristen in der Krise uber Wasser halten
Bald herrschen wieder uberall Recht und Ordnung
Munchen - Fruher machten sie Kunstler reich und argerten Plattenfirmen.
Doch langst sind auch die Rechtsanwalte in der Musikbranche in den Sog der
Rezession geraten. Wie sehen die Herausforderungen und Risiken des Berufs
in Zeiten digitaler Umwalzungen aus?"

"Eine Sonderrolle unter den Musikrechtskanzleien mit einem vollig
eigenstandigen Geschaftsbereich besetzt die Kanzlei Waldorf &
Partner: Johannes Waldorf, Grunder und Namensgeber der Kanzlei,
sieht sich selbst als Piratenjager der Musikindustrie."

Quel e(n):
* http://www.mediabiz.de/mediathek/archiv/seite-80?m=2&y=2005
* http://www.mediabiz.de/musik/news/musikwoche-dossier-musikanwaelte/172453







Musikwoche-Dossier: Musikanwalte

Wie sich Fachjuristen in der Krise uber Wasser halten

Bald herrschen wieder uberall Recht und Ordnung

Munchen - Fruher machten sie Kunstler reich und argerten Plattenfirmen.

Doch langst sind auch die Rechtsanwalte in der Musikbranche in den Sog der
Rezession geraten. Wie sehen die Herausforderungen und Risiken des Berufs
in Zeiten digitaler Umwalzungen aus?

"Wenn ich einem jungen Anwalt, der sich im Musikrecht spezialisieren mochte,

einen Rat geben kann, dann den, dass er sich etwas anderes suchen soll."
Walter Lichte, seit nahezu 30 Jahren als Musikrechtsanwalt tatig und eine
anerkannte Koryphae im Urheberrecht, bringt die Situation der Juristerei in
der Musikbranche auf den Punkt. In den Neunzigern reichte der Einfluss der
Branchenanwalte noch sehr weit, doch mittlerweile stellen die Umwalzungen
in der Industrie auch ihre Rolle in Frage. Helge Sasse, Grunder und
Namensgeber der Kanzlei Sasse & Partner, der seit 1992 als
Rechtsberater von Medienunternehmen eine wichtige Rolle spielt, bewertet die
Lage ahnlich wie Lichte: "Der klassische Musikrechtsanwalt, der die
Interessen von Kunstlern, Produzenten und Autoren bei der Verhandlung von
Bandubernahme- und Verlagsvertragen vertritt, ist am Ende. Vielleicht kann er
noch als Einzelkampfer uberleben, aber eine Kanzlei mit mehreren Anwalten
kann man mit diesem Geschaftsmodell nicht mehr aufbauen." Seit es 1999
zum ersten deutlichen Absatzruckgang in der Musikindustrie in Deutschland
kam, setzt sich der Abwartstrend fort. Auf den CD-Boom der 80er- und 90er-
Jahre, bei dem sich die Verkaufe schlielich auf hohem Niveau einpendelten,
und auf die eine gewisse Zeit anhaltende Aufbruchstimmung durch
Internetboom und MP3 folgte eine Katerstimmung, die noch immer nicht
uberwunden ist.
Massenhaftes Musikkopieren und Internetpiraterie lieen die CD-Verkaufe
schrumpfen; durch die Gratiskultur im Internet konnte dort kein neues
Geschaftsmodell uberleben. Es gibt keinen Winkel in der Musikindustrie, der
von den Auswirkungen verschont geblieben ist. Selbstverstandlich auch nicht
der Bereich der Rechtsberatung. Boutiquen, Einzelkampfer, Dickschiffe

Doch wie sieht dieser Markt in Deutschland eigentlich aus? Es gibt drei
Kanzleitypen:
* so genannte Medienboutiquen,
* Ein- oder Zweimann-Kanzleien und die
* Medienabteilungen der Grokanzleien.





Bei der ersten Kategorie, den Medienboutiquen, handelt es sich um ungefahr
50 Kanzleien, die im Bereich TV, Film und Entertainment auf hohem Niveau
arbeiten. Fuhrende Namen im Musikrecht sind in dieser Kategorie die
Kanzleien Sasse und Partner, Zimmermann & Decker, Kornmeier
Kollegen, Lichte Rechtsanwalte, Scheuermann Strittmatter & Westerhoff,
Schulz Meltendorf Mergener & Partner sowie Poll & Ventroni. Die Anwalte
dieser Kanzleien haben hervorragende Kontakte zu den wichtigen
Entscheidungstragern in der Musikindustrie und konnen aufgrund des guten
Netzwerks ihren Mandanten mehr als die rechtliche Beratung bieten, ihnen
zum Beispiel als Newcomer eventuell auch ein Entree verschaffen. Doch die
Beratung im Musikrecht spielt bei diesen Kanzleien mittlerweile eine
untergeordnete Rolle, denn beraten werden alle Unternehmen und Kreative
aus dem Medienbereich. Im Zentrum steht die Vertragsgestaltung zwischen
Kunstlern, Produktionsfirmen, Sendern, Tontragerherstellern und
Vermarktungsgesellschaften. Die Betreuung der Mandanten erfolgt uber die
verschiedenen Branchen der Medien hinweg. Man kann also eine Vernetzung
der Mandanten aus Film, Fernsehen und Musik fordern und Anregungen zur
Kooperation geben.

Daneben gibt es einige Ein- oder Zweipersonen- Kanzleien, die aufgrund

der personlichen Beziehungen zu Kunstlern, zu einem Independent-Musiklabel
oder -Verlag deren rechtliche Betreuung ubernehmen. Auch in diesen
Kanzleien bestimmt die musikrechtliche Beratung nicht den
Hauptgeschaftsbereich, sondern stellt lediglich einen Teil der Aktivitaten dar.
Jutta Stegemann zum Beispiel hat lange Jahre bei BMG Music als Business-
Affairs-Managerin gearbeitet, bevor sie sich als Einzelanwaltin selbststandig
machte. Sie betreut zwar auch Kunstler und Autoren, hat aber ihren
Mandantenstamm um kleine Unternehmen aus der Werbe-, Merchandising-
und Veranstaltungsbranche erweitert. Die Anwaltin stellt fest: "Meine Kunstler
oder Manager machen ihre Bandubernahmevertrage zum Teil selbst und bitten
mich nur, noch mal druber zu gucken, ob das so in Ordnung ist. Das ist kein
funktionierendes Geschaftsmodell. Ich musste mir also neue Felder suchen."

Bleiben noch drittens die Urheberrechts-beziehungsweise

Medienabteilungen der Grokanzleien, die von Kunstlern oder kleineren
Medienunternehmen indes kaum konsultiert werden. Diese Abteilungen
verfugen im Musikrecht zwar uber theoretische Expertise, aber in der Regel
kaum uber intensive Kontakte. Auch wegen der hohen Stundensatze, die mit
250 Euro aufwarts zu Buche schlagen, meiden Klienten aus der Musikbranche
die Grokanzleien. Stellenabbau wegen Zentralisierung Denn die Devise heit
sparen. Musik wird zwar geliebt und viel gehort, aber wenn moglich nicht
bezahlt. So sieht sich die Musikindustrie in Deutschland seit dem Jahr 1999
mit einem standigen Absatzruckgang konfrontiert. Und als die damals noch
funf groen Musikunternehmen erkannten, dass es sich dabei nicht um ein
kurzzeitiges Phanomen handelte, reagierten sie unter anderem mit der
Beendigung vieler bestehender Vertrage. Musikrechtsanwalte sahen sich
zunehmend mit der Aufgabe betraut, nicht mehr uber neue langfristige
Vertrage zu verhandeln, die wiederum Betreuungsbedarf nach sich zogen,
sondern uber Aufhebungsvertrage, bei denen Nachfolgemandate entfielen.

Darin erkennt Christian Pleister, Rechtsanwalt der Sozietat Norr, Stiefenhofer
und Lutz in Berlin und spezialisiert auf die Betreuung von
Medienunternehmen, die grote Auswirkung auf die Anwalte: "Die Zeit der
groen Vertrage in der Musikbranche ist vorbei. Der Kostendruck der Major-
Labels steigt. Es gibt kaum noch A&R-Investment und daher nur noch wenige
Mandate in diesem Bereich. Durch den Absatzruckgang brockeln die
Honorare, wenn es uberhaupt noch groe Mandate in diesem Bereich gibt.
Der letzte groe Labelvertrag ist Jahre her." Hinzu kommt, dass die sinkenden
Verkaufszahlen von Tontragern in Deutschland und die
Zentralisierungstendenzen der groen vier Musikunternehmen dazu fuhren,
dass man von den deutschen Niederlassungen starkere Fokussierung auf
Schwerpunkte erwartet. Man investiert vorwiegend in Kunstler, die bereits
weltweit erfolgreich sind oder aber das Potenzial haben, weltweit erfolgreich
zu werden. Und dabei handelt es sich in der Regel nicht um deutsche
Produktionen. Diese Tendenz bestand schon fruher, jedoch wurde sie noch nie
so ruckhaltlos durchgesetzt wie in den letzten Jahren. Im Rahmen der
Umstrukturierungen, die jeder Major durchfuhrte, manche sogar mehrmals,
entlie man genauso radikal Personal wie Kunstler. Fur deutsche externe
Musikrechtsanwalte hat diese Zentralisierung zur Folge, dass weniger
Mandate im Inland entstehen. Dassellbe gilt fur den in Deutschland
angestellten Anwalt eines Majors. Und immer haufiger fuhren die Juristen in
den Konzernzentralen im Ausland
Verhandlungen mit deutschen Vertragspartnern. So schloss Oliver Schwenzer,
Leiter der Rechtsabteilung von Arvato Mobile, den Vertrag uber die Nutzung
von Ringback-Tunes mit dem Juristen der Konzernzentrale von EMI Music in
London.

Wege aus der Depression

Immer mehr Aufgaben der regionalen Niederlassung verlagern sich ins

Headquarter. Nach Einschatzung von Oliver Schwenzer fuhren die
Entlassungen der letzten Jahre bei Universal, Sony BMG, EMI und Warner
auch zu einer groeren Konkurrenz unter den externen Musikrechtsanwalten.
In einst groen Rechtsabteilungen wie zum Beispiel derjenigen bei Warner
Music, die fruher mit funf Anwalten besetzt war, arbeitet heute nur noch ein
Jurist. Seine entlassenen Kollegen sind selbstredend auf samtliche Fragen im
Zusammenhang mit der Auswertung von Musik spezialisiert
und kennen zumindest in dem Unternehmen, fur das sie gearbeitet haben,
manche Entscheidungstrager gut.
Diese hoch spezialisierten Anwalte machen sich in der Regel selbststandig
und treten damit in eine Konkurrenz zu den alteingesessenen
Musikrechtsboutiquen.




Helge Sasse hat diese Situation genutzt und zwei ehemalige Chefjustiziare im

Jahr 2002 zu Partnern seiner Kanzlei gemacht:
* den fruheren Justiziar von Sony Music, Eberhard Kromer, und
* Hans-Martin Gutsch, der vorher bei edel music arbeitete.
Von edel stie zudem Gute Beziehungen im Netzwerk (v.l.n.r.): Walter
Lichte mit Sabine Anger von T-Mobile und Peter Maffays Manager Dieter
Viering, Anwalt Thomas Schlegel zu Sasse und Partnern.

Spezialisten:

o
Udo Kornmeier vertritt 3p,
o
Rudiger Plegge arbeitet fur Westernhagen

Grundsatzlich gilt naturlich, trotz Branchenkrise: Anwalte werden auch
weiterhin gebraucht. Sie mussen nur wissen, wo man sie braucht. Walter
Lichte sieht die Mobilfunkfirmen als Entertainment- Unternehmen der Zukunft.
Denn die Mobilfunker werten Musik mittlerweile erfolgreich uber verschiedene
Wege aus. Monophone oder polyphone Klingeltone waren da nur der Anfang.
Letzten Sommer startete die deutsche Niederlassung von Vodafone das
Angebot "Vodafone Music Downloads." Und nachdem Apple und Motorola
gemeinsam ein Handy entwickelt haben, das eine mobile Variante der Apple-
Software iTunes enthalt, ist auch ein Boom bei den Downloads auf das
Mobiltelefon zu erwarten. Von ihm werden neben den Musikverlagen auch die
Musiklabels profitieren. "Die Gratiskultur bei digitalen Inhalten, die im Internet
viele Geschaftsmodelle zerstort hat, wird im Handy-Markt nicht Einzug
halten", bekraftigt Lichte. Er selbst hat sich groe Expertise im neuen
Geschaftsbereich erarbeitet und betreut den Bundesverband
Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkomm).
Musik vom Markenartikler Das Urheberrecht und die angrenzenden
Rechtsbereiche unterliegen seit Jahren einer dynamischen Entwicklung; der
Bedarf nach neuen rechtlichen Standardlosungen ist also vorhanden. Dabei ist
die Kenntnis der zugrunde liegenden Vertragslage zwischen Produzenten,
Interpreten und Verwertern ebenso wie die Kenntnis der Rechtslage sowie der
Befindlichkeiten der Beteiligten eine wichtige
Voraussetzung dafur, um die bisherigen Geschaftsmodelle und
Vertragskonstruktionen neu definieren zu konnen. Langfristig sind die
Aussichten, dass ein stabiler mobiler Musikmarkt entsteht, hervorragend. 350
Mio. europaische Handybesitzer haben sich im Jahr 2004 rund 150 Mio.
Klingeltone heruntergeladen. Fur den Musikrechtsanwalt eroffnet sich
dadurch langfristig nicht nur ein weiteres Beratungsfeld, sondern daruber
hinaus wird wieder mehr Geld mit der Auswertung von Musik verdient und
damit wiederum die Moglichkeit geschaffen, mehr Geld in neue Kunstler zu


investieren. Der Kreis schliet sich dann, wenn diese Kunstler oder
Unternehmen verstarkt rechtliche Beratung in Anspruch nehmen.

Helge Sasse sieht ein weiteres neues Beratungsfeld fur Musikanwalte auch

im gesteigerten Interesse der Markenunternehmen an Musik und im
Rollenwandel, den die Musikunternehmen durchleben.

"Die Musikfirma wird zum Anbieter von Inhalten und trifft bei einem
Markenunternehmen wie zum Beispiel DaimlerChrysler auf einen Verwerter
von Inhalten, der nicht aus dem Entertainment- Bereich stammt, aber Musik
zu Zwecken des Marken-Brandings nutzen mochte. Das Musiklabel ist also
nicht mehr der letztendliche Verwerter der Musik",

- so beschreibt Sasse die neue Rollenverteilung. Die Marke kauft die Musik im
Paket, zu einem bestimmten Preis, mit einer bestimmten Auswahl aus dem
Katalog eines Labels, inklusive aller Rechte zum Vertrieb auf CD, uber mobile
Kanale oder das Internet. Die Musikauswahl kann ihren Weg zum Kunden
damit - neben den bekannten Vertriebswegen - auch uber die Kanale des
Markenartiklers finden.
Dieses Modell existiert zwar seit Jahren, wurde jedoch von den
Musikunternehmen nicht gefordert, da die interne Rechteklarung fur solche
Projekte sehr aufwandig ist. Denn der leichte Zugriff auf die riesigen Kataloge
der Plattenfirmen besteht nur in der Theorie; bekanntermaen versperren
Zustimmungsvorbehalte und Auswertungsbeschrankungen den Weg. Eines
der ersten Projekte auf diesem Gebiet war die McDonalds-Compilation 1993:
Die Restaurants des Fast-Food-Filialisten verkauften eine von Virgin Music
zusammengestellte CD. "Das Interesse der Markenartikler an solchen
Cooperationen ist gro, und dieser Wettbewerb wird die groen Musikfirmen
zum Umdenken zwingen sowie den Servicegedanken fordern", meint Helge

Sasse, der den McDonalds-Deal einfadelte.
Ubrigens kann sich auch die Verwertungskontrolle zum neuen Betatigungsfeld
fur Musikrechtsanwalte entwickeln - also Buchprufungen in Form der
Uberprufung von Lizenzabrechnungen. Denn die Verwertungskontrolle gewinnt
immer groere Relevanz, weil Musik durch die neuen Moglichkeiten der
Auswertung auf immer vielfaltigeren Wegen genutzt wird. Vertrage zwischen
Verwertern und Kunstlern, die zumeist aus einer Zeit stammen, in der neue
Nutzungsarten zwar schon bekannt, aber wirtschaftlich noch nicht nachhaltig
etabliert waren, enthalten oft nur unzureichende Vergutungsregeln.
So kann es geschehen, dass diese unzureichenden Vergutungsregeln von den
Abrechnungsabteilungen der groen Musikkonzerne falsch umgesetzt werden.
Solche Fehler fuhren dann bei erfolgreichen Auswertungen zu hohen
Forderungen.



Schlielich gibt es fur Juristen noch den Weg der klaren
Spezialisierung:

So fallen die Medienkanzlei Lausen und die Piraterieverfolgungs-

Kanzlei Waldorf & Partner durch Zusatzleistungen wie auch durch
ihre Positionierung besonders auf. Die Kanzlei Lausen, deren Grunder und
Namensgeber Matthias Lausen auch Geschaftsfuhrer des Instituts fur Medien-
und Urheberrecht in Munchen ist, bietet in Kooperation mit der Akademie des
deutschen Buchhandels Praxis-Seminare zum Thema Musikrecht an.
Ertragreiche Nischen fur Anwalte "Die Vertragsgestaltung in der
Musikindustrie" oder "Music on Demand" sind Themen der Seminare, die Dr.
Kerstin Backer, Musikrechtsanwaltin der Kanzlei Lausen, gemeinsam mit
Branchenexperten wie Anke Fleischer von OD2 oder Alexander Wolf von der
GEMA abhalt. Fragen zu den Verwertungsgesellschaften GEMA und GVL oder
zum Thema "Audiofiles in Multimediaprodukten" werden ebenso mit groer
Expertise behandelt.

Eine Sonderrolle unter den Musikrechtskanzleien mit einem vollig

eigenstandigen Geschaftsbereich besetzt die Kanzlei Waldorf &
Partner: Johannes Waldorf, Grunder und Namensgeber der Kanzlei,
sieht sich selbst als Piratenjager der Musikindustrie. Die Kanzlei ist seit
zehn Jahren ausschlielich auf Pirateriebekampfung mit Schwerpunkt Online-
Piraterie spezialisiert. Selbstverstandlich ist jeder Anwalt, jede Kanzlei, die im
Musikrecht tatig ist, in der Lage, Piraterie mit rechtlichen Mitteln zu bekampfen
- jedoch hat noch niemand zuvor so professionell und umfassend sowie mit
einem dermaen hohen Automatisierungsgrad den Kampf gegen
Massenpiraterie aufgenommen.

In Kooperation und Koordination mit dem Verband der Tontragerunternehmen
IFPI wurde zum Beispiel bundesweit die gewerbliche illegale CD-Vermietung
unterbunden: An einem einzigen Tag leitete Waldorf 2500
Unterlassungsverfahren ein, die er in sechs Monaten erfolgreich abschloss. Im
Auftrag der vier groen Musikunternehmen bekampft er die verschiedenen
Formen der Piraterie: von Ebay-Piraterie und Domaingrabbing bis hin zur
Verbreitung von Software zum Knacken von Kopierschutz und der Piraterie im
Zusammenhang mit monophonen und polyphonen Klingeltonen. Ebenso
bereitet er komplexe Musterverfahren im Pirateriebereich vor und fuhrt sie
durch.




Wie auch immer: Lichtes Rat, sich besser nach einem anderen Beruf
umzuschauen, durfte nur bedingt Wirkung zeigen. Denn noch immer zieht es
junge Aspiranten auch heutzutage als Anwalt in die Musikwelt. Ihr Weg ins
Musikrecht ist vorgegeben, aber flexibel. Er fuhrt uber das Studium der
Rechtswissenschaften, das Basis samtlicher Spezialisierung sein sollte. Wie
aber sieht eine typische Ausbildung fur einen Anwalt in der Medien- und
Musikbranche uberhaupt aus?
Oliver Schwenzer zum Beispiel hat sie absolviert. Er baute sich bereits im
Jurastudium, mit Wahlstationen bei MTV London und BMG, ein Netzwerk auf
und sammelte praktische Erfahrungen. Dann folgte eine Promotion uber das
Thema "Die Rechte des Musikproduzenten". Praktika bei einem Musikverlag,
einem Musiklabel, bei der GEMA oder einer der Musikrechts- beziehungsweise
Medienboutiquen sind allemal sehr hilfreich, um einen Einblick in die
verschiedenen Zweige des Arbeitsgebietes zu erhalten.

Helge Sasse findet es zudem wichtig, dass ein Rechtsanwalt Praxiserfahrung
im Medienbereich hat: "Ich erwarte bei einem jungen Anwalt, der in unserem
Team arbeiten mochte, Praktika oder Berufserfahrung in einem
Medienunternehmen. Die juristische Ausbildung ist sowieso die Basis." Sasse

selbst war vor seiner Juristenkarriere als Radiomoderator bei Bayern 3 sowie
als Autor und Produzent fur die ARD, fur Tele5 und Sat1 tatig.

Eine solche mediale Berufserfahrung schaffe Kontakte und biete damit eine
hervorragende Voraussetzung zur Akquise von Mandanten. "Was allerdings
einen Musikrechtsanwalt wirklich gut macht, ist das Verstandnis fur den
kreativen Menschen und dessen Arbeitsprozesse und Sichtweisen", sagt
Walter Lichte. Die Zusammenarbeit mit den Mandanten gehe oft weit uber das
Rechtliche hinaus. "Wenn mir heute ein Musikproduzent Musik und einen
neuen Kunstler vorstellt, ubernehmen wir nicht nur die Vertragsverhandlung,
sondern wir uberlegen gemeinsam, welche Finanzierungsmoglichkeiten es
gibt, um eine Veroffentlichung zu ermoglichen, wie zum Beispiel Sponsoren
oder Musikfonds, und bei welchem Label wir den Kunstler und die Musik
unterbringen konnen."

Begeisterung fur Musik und Interesse fur die technologischen Entwicklungen
sind ebenso unerlasslich wie das Verstandnis fur die wirtschaftlichen
Zusammenhange und die Rahmenbedingungen des Entertainment-Geschafts.
"Einen Vertrag zu schreiben oder zu verhandeln, ohne seine finanzielle
Struktur zu verstehen, also ohne errechnen zu konnen, was in Euro und Cent
pro verkaufter CD oder verkauftem Download beim Mandanten hangen bleibt,
bringt diesem herzlich wenig", sagt auch Jutta Stegemann. Daher sei die
Kenntnis des operativen Geschafts das A und O fur jeden Rechtsanwalt in der
Musikbranche. "Eine Nachwuchsband freut sich zwar, kann aber mit einem
Vertrag ohne Veroffentlichungsverpflichtung fur die CD nicht viel anfangen",
bekraftigt Anwaltin Stegemann. Oliver Schwenzer erganzt: "60 Prozent der


Tatigkeiten sind auch bei einem Unternehmensjuristen unjuristisch." Kampf
um die Verteilung geht weiter Und Kerstin Backer meint: "Das wirtschaftliche
und psychologische Mitdenken bei den Verhandlungen ist gefordert; man ist
starker eingebunden in die nichtjuristischen Bereiche des Geschaftes eines
Mandanten." Die Veranderungen des Musikmarktes und deren Auswirkung
auf Musikanwalte sind unumstritten. Doch haben jene Rechtsanwalte noch
immer sehr gute Aussichten, die sich auf urhebe- rund
leistungsschutzrechtliche Fragestellungen und auf Vertragsrecht spezialisiert
haben, die sich mit den neuen technologischen Auswertungsmoglichkeiten
auskennen und die innerhalb der Medien branchenubergreifend beraten sowie
uber ein gutes Netzwerk verfugen. Verhandlungsgeschick und Kenntnis der
Bedurfnisse der Verwerter auf der einen sowie derjenigen der Kunstler auf der
anderen Seite werden immer gebraucht. Und mit der Erholung des
Musikmarktes zeichnet sich auch wieder ein steigender Bedarf an Juristen ab.
Denn sicher ist: Ob per CD, ubers Handy oder per Download - solange
Menschen Musik kaufen, wird es einen Kampf um die Verteilung der
Vergutung geben. Und damit auch Anwalte, die Interessen der einen oder der
anderen Seite vertreten.


die autorin
Ama Walton ist seit 2003 Vice President
Business & Legal Affairs EMI
Music Germany und momentan in
Elternzeit. Nach ihrem Diplomabschluss
am Londoner Kings College
und ihrem zweiten juristischen
Staatsexamen begann sie ihre berufliche
Laufbahn in der Rechtsabteilung der ProSieben
Media AG. Ab 1998 leitete sie die Abteilung Business
Affairs bei der Virgin Schallplatten GmbH in Munchen.
"








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  • Lobby-Veranstaltung /Kaffeekrnzchen vom 14.09.2007, boersenblatt.net: "Raubzug ohne Strafe?"
  • Auszugsweise sei im Folgenden aus dem Bericht der Veranstaltung zitiert (d.h. der Teil, indem die Kanzlei Waldorf-Frommer in Erscheinung tritt)
  • Bjrn Frommer im buchreport-Interview

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